Ein ganz besonderer Tag an der Grenze von Süd- zu Nordkorea

Was macht eigentlich die Schweizer Armee an der Grenze von Südkorea zu Nordkorea? Viele haben schon davon gehört. Nur wenige wissen es! Ich hatte die Gelegenheit, die DMZ (Demilitarisierte Zone) zu besuchen und auch einen Blick hinter die Kulissen der NNSC (Neutral Nations Supaervisory Commission) zu werfen.




Der NNSC gehören Schweden mit 5 Offizieren sowie Schweizer mit 5 Offizieren an. Diese beiden Länder sind ständig vor Ort. Zu der Kommission gehört auch noch Polen, die aber nur sporadisch die DMZ besucht.

Was ist aber die eigentliche Aufgabe der NNSC?


Die NNSC soll überwachen, dass sich die beiden Parteien (Nord-und Südkorea) strikte an das Waffenstillstandsabkommen von 1953 halten, das vor allem eine Wiederaufrüstung verhindern sollte. Die Aufgaben haben sich im Verlauf der Jahre verändert und erweitert.

Aufgaben seit 2010:


. Teilnahme an Inspektionen der Waffenstillstandskommission von Wacht- und Beobachtungsposten auf der Südseite.

. Beobachtung von militärischen Übungen der südkoreanischen und der US-Streitkräfte.

. Beobachtungen von Spezialuntersuchungen der Waffenstillstandskommission bei vermuteten Waffenstillstandsverletzungen.

. Teilnahme als Beobachter an den monatlich durchgeführten Helikopterflügen des United Nations Command.

. Engagement in der Aus- und Weiterbildung der südkoreanischen Streitkräfte mit jährlich rund 60 Vorträgen über Aufgaben und Bedeutung der NNSC.

Es ist hier nicht möglich alle Details aufzuzählen. Wer sich aber dafür interessiert, kann alles auf folgender Webseite nachsehen: www.vtg.admin.ch/internet/vtg/de/home/themen/einsaetze/peace/korea.html

Nun aber zu unserem Tag. Wir fahren mit dem Bus von Seoul aus nach Norden. Der Weg ist nicht weit. Schon bald passieren wir einige Kontrollposten, bis wir schliesslich im Camp Bonifat ankommen.

Von da aus sind es noch gute 10 Minuten und wir sind an der Grenze und befinden uns nun in der Demilitarisierten Zone. Zwei bewaffnete US-Soldaten und zwei unbewaffnete Neuseeländische Militärangehörige begleiten uns. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng und es ist empfehlenswert, sich genau an die Vorschriften zu halten.

Der erste Stopp bildet die Joint Security Area. Die meisten haben schon Bilder davon gesehen. Die bekannten blauen Baracken, die genau auf der Grenze stehen.

Es ist in der Tat beeindruckend. Da stehen sich Süd- und Nordkoreanische Soldaten Auge in Auge gegenüber.

Doch seit vielen Jahren wurde kein Wort mehr gewechselt.

Brigadier Gerber begleitet uns nun in eine der blauen Baracken. Diese wird benutzt von der NNSC. Da finden tägliche Briefings und auch Friedensverhandlungen statt. Doch die waren in den letzten Jahren eher selten. Nun stehen wir also mitten in der Baracke. Mit einem Fuss in Südkorea und mit dem anderen in Nordkorea. Ein seltsames Gefühl. Am Ende der Baracke, Richtung Nordkorea befindet sich eine Tür, die nie verschlossen ist. Es ist also möglich, für beide Seiten, sich zu begegnen. Doch dies ist schon sehr lange nicht mehr geschehen. Zwei US-Soldaten bewachen während unseres Besuches die Tür, damit nicht jemand auf die dumme Idee kommt, mal kurz nach Nordkorea zu gehen. Das hätte unter Umständen schwerwiegende Konsequenzen.

Weiter geht es dann zu einem Aussichtspunkt. Von da hat man einen guten Blick nach Nordkorea. Auffallend ist das Propagandadorf Kijŏng-dong. Mit einem Fahnenmast von 160 Metern Höhe, übrigens der vierthöchste Fahnenmast der Welt, überragt er so alles, was sich in der Nähe befindet.

Aus riesigen Lautsprechern ertönt Tag und Nacht nordkoreanische Propaganda. 24 Stunden lang. Jeden Tag des Jahres.

Es ist sehr eindrücklich, dies einmal mit eigenen Augen zu sehen und auch zu hören.

Anschliessend fahren wir ins Schweizer Camp der NNSC. In einem Briefing von Urs Gerber erfahren wir, was die genaue Aufgabe des NNSC ist. Und es kristallisiert sich heraus, dass die Aufgaben sehr heikel sind. Man will und darf sich nicht in Entscheidungen der verschiedenen Parteien einmischen. Und doch müssen sie eingreifen, wenn Teile des Waffenstillstandsabkommens verletzt werden. Das wird nicht immer gern gesehen. Doch genau dies ist die Aufgabe der NNSC.

Nach dem Briefing geniessen wir ein herrliches Mittagessen auch im Beisein des schwedischen Generals Mats Engmann. Es wird eifrig diskutiert und man erfährt so manch interessantes Detail.

Bevor wir uns auf die Rückreise machen, gibt es noch einen Fototermin. Da stehen wir also keine 5 Meter von der Grenze zu Nordkorea. Nirgendwo kommt man näher an die Grenze heran als im Swiss Camp. Eindrücklich!

Dieser Tag wird uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben. Zumal ich bei dieser Gelegenheit noch ein Gespräch mit Major General (Divisionär) Urs Gerber führen durfte.