Ein Krippenspiel ohne Josef und Maria?

Im diesjährigen Heiligabend-Gottesdienst ersetzte ein Weihnachtspiel die Predigt. Rund 25 Beteiligte (Spieler, Musikbegleitung, Technik, Leitung) spannten in der fast vollen, weihnachtlich geschmückten Kirche den Bogen vom Alten Testament bis in die unmittelbare Gegenwart der Anwesenden.



Die Geburt Christi als Wurzel Jesse von Jesaia vorausgesagt und im Stammbaum des Königs David verankert, ist in den Weihnachtsgeschichten der Evanglisten Lukas und Matthäus überliefert. Die Religionspädagogin Rita Ming schrieb vor diesem Hintergrund das Weihnachtspiel «Chänd, mer gönd i Gadä!». Ihre Schüler wurden in den Gestaltungsprozess einbezogen und konnten so auf Sprache, Requisiten und Rollen direkten Einfluss nehmen. Zu tragenden Rollen wurde eine Sportlerin, eine Lernende, ein Professor «für alle Krankheiten», eine Wissenschaftlerin, ein Ölscheich für alle «Betuchten», König David mit Gesinde, Hirten, Schafe, Engel, die Sterndeuter (Drei Könige). Zwei Schüler besorgten die Technik, musikalisch umrahmte Peter Meier mit seinem Ensemble die Szenen. In der Einführung betonte Rita Ming, die auch Regie führte und das Bühnenbild gestaltet hatte und von Diakon Markus Niggli und Marie-Louis Ziltener tatkräftig unterstützt wurde, dass das Fehlen von Maria und Josef im Spiel beantwortet würde.

Das jugendliche Theaterensemble vermochte das anspruchsvolle Spiel mit ausgezeichneten mimischen und rhetorischen Fähigkeiten so umzusetzen, dass die Fridolinskirche wirklich zum Bethlehem wurde und die Weihnachtsgeschichte zur unmittelbaren Gegenwart. Und wo waren Maria und Josef? Gemeinsam deuteten die Spielerinnen und Spieler auf die versammelte Kirche: «Alli Müäterä und Vätterä …alli, wo müäterlich und vätterlich für anderi daa sind, verträttet Maria und Josef bi dr Chrippä.»

Zum Schluss konnten alle Anwesenden aus den Händen der Kinder ein kleine Schriftrolle mit Weihnachtsbotschaften mit nach Hause nehmen.

Das anspruchsvolle Spiel war von den begeistert mitmachenden Schülerinnen und Schülern bereits vorher im Altersheim Salem aufgeführt worden. (eing.)