Ein Relikt aus der Blütezeit der Textilindustrie mit neuem Gesicht

Nach einer erfolgreichen Sanierung wurde gestern Donnerstag der Hochkamin beim Anna-Göldi-Museum in Ennenda von der beauftragten Gerüstbaufirma enthüllt. Die 340 000 Franken teure Sanierung ist dem grossen Engagement der Anna-Göldi-Stiftung zu verdanken, die das Projekt unter der Leitung von Stiftungsrat Peter Bertschinger und unter Mithilfe der Denkmalpflege sowie der Industriellenfamilie Jenny realisiert hat. Das Relikt aus der Blütezeit der Glarner Textilindustrie präsentiert sich der Öffentlichkeit in neuem Gesicht.



Die Ende 2018 festgestellten Schäden am 34 Meter hohen Hochkamin in unmittelbarer Nähe des Anna-Göldi-Museums in Ennenda, welche für die gesamte Umgebung eine erhebliche Gefahr darstellten, mussten rasch möglichst behoben werden. Der Zahn der Zeit hatte sichtbare Spuren am ganzen Kamin hinterlassen. Deshalb stand eine dringende und umfassende Sanierung für die Verantwortlichen der Anna-Göldi-Stiftung von Anfang an stets im Vordergrund. Die Frage war nur: «Wer soll das alles bezahlen?» Der Stiftung fehlten schlicht und einfach die nötigen Mittel für eine Gesamtsanierung oder einen Abbruch des Kamins. Schützenhilfe leistete kurzfristig der Gemeinderat von Glarus mit einem ein Darlehen von 30 000 Franken, um mindestens den Industriekamin zu sichern. Zusätzliche Unterstützung fanden die Verantwortlichen der Stiftung beim Denkmalschutz und der Familie Kobelt-Jenny, die gemeinsam unter der Leitung von Stiftungsrat und Vize-Museumsdirektor Peter Bertschinger Grossartiges für die Realisierung des Hochkamins geleistet haben.

Die Sanierung aus der Sicht des Gestalters

Augenfällig ist der obere Teil des Hochkamins. In Riesenlettern und in Versalbuchstaben geschrieben kommt die Signalethik ANNA zum Vorschein, künstlerisch gestaltet vom Peter Jenny, emeritierter Professor für Bildnerisches Gestalten an der Architekturabteilung der ETH Zürich. Professor Jenny erklärte das 32 Meter hohe Kunstwerk ANNA zum vermutlich höchsten Kunstwerk der Schweiz.

Es war Jennys Anliegen, die Schrift nicht einfach auf die Kaminwandung zu «klatschen», sie schwebt 15,2 Zentimeter über dem Mauerwerk. Trotz der Grösse wollte er eine gewisse Leichtigkeit innerhalb der prägnanten Wortgestaltung. Das Wort ANNA kann vor- und rückwärts «gelesen» werden. Man nennt das ein Palindrom, was auch für die Geschichtsschreibung wichtig ist, besonders über diejenige der Anna Göldi. Die schwarz und weiss gestaltete Signalethik steht symbolisch für den Mord an Anna Göldi (schwarz) und andererseits für die Hoffnung auf Gerechtigkeit (weiss).

Ein Freudentag für die Anna-Göldi-Stiftung

Auf die Frage, ob es denn nicht besser, vor allem billiger gewesen wäre, den maroden Hochkamin gleich abzureissen, antwortete Walter Hauser, Präsident der Anna-Göldi-Stiftung: «Der Entscheid, den Kamin nicht abzureissen und zu sanieren, war goldrichtig. Heute ist das erfolgreich sanierte, markant hohe Bauwerk beim Anna-Göldi-Museum als kunstvoll gestalteter Wegweiser mit den Grossbuchstaben ANNA wieder auferstanden. Das gesamte Industriekultur-Ensemble in Ennenda wurde mit der gelungenen Sanierung des Hochkamins bedeutend aufgewertet.»