„Eine einfache Familie“

Am Freitagabend stellte Gertrud Rudolf-Ehnes im Baeschlin ihr neues Buch „Eine einfache Familie“ vor. Es handelt vor allem von ihren Eltern. Die gut besuchte, nostalgische Veranstaltung gestattete einen Einblick ins Privatleben der ehemaligen Land- und Gemeinderätin Gertrud Rudolf. Das Buch kann per sofort überall bezogen werden.



Gertrud Rudolf-Ehnes mit ihrem neuen Buch bei der Vernissage im Baeschlin. (Bild: mst.)
Gertrud Rudolf-Ehnes mit ihrem neuen Buch bei der Vernissage im Baeschlin. (Bild: mst.)

Bei ihrem Begrüssungsstatement lobte Baeschlin-Chefin Gaby Ferndriger Autorin Gertrud Rudolf als „liebenswürdige Persönlichkeit, die im Glarnerland mit ihrem politischen und sozialen Engagement viel bewirkt hat“ und bedankte sich für die „schöne und unkomplizierte Zusammenarbeit“. Das Buch werde sicher auch in Deutschland ein Erfolg werden, jedenfalls sei es per sofort weltweit in den Katalogen zu finden.

Gertrud Rudolf schwelgte in Erinnerungen

Gertrud Rudolf sagte, das aktuelle Buch habe einen Vorläufer, der vor sechs Jahren erschienen sei. Seit damals habe sie vorgehabt, die Geschichte ihrer Eltern aufzuschreiben, weil sie es schade fände, wenn sie nicht veröffentlicht würde.

Ihr Vater kam anfangs der 30er-Jahre in die Schweiz, ein fränkischer Bayer auf Wanderschaft, der auf einem kleinen Bauernbetrieb aufgewachsen sei und keinen Beruf erlernt habe. In Deutschland braute sich derweil das Nazi-Unheil zusammen.

Ihre Mutter Berta Steil war damals 24-jährig und wohnte im Tösstal. Die beiden trafen sich erstmalig im Wartezimmer ihres gemeinsamen Zahnarztes. Später heiratete sie den „Schwaben“. Alsbald gingen die beiden nach Deutschland, wobei Berta Ehnes ihre Schweizer Staatsangehörigkeit verlor.

Seit Anfang der 30er-Jahre ging es mit Deutschland bergab, wirtschaftlich, politisch. Es wurde zum Kriege aufgerüstet, Kritik an der Politik wurde immer seltener zugelassen, die Menschen waren der Diktatur schutzlos ausgeliefert. Alsbald musste Gertrud Rudolfs Vater in den Krieg, zum Glück aber nicht an die Front, sondern in eine Flugzeugfabrik im mecklenburgischen Rechlin. Die deutsche Wehrmacht hatte an allen Fronten Erfolg. Im August 1944, kurz nach dem 39. Geburtstag, erhielt Berta Ehnes die Meldung, ihr Mann sei in ein Lazarett verbracht worden. Beim ersten und einzigen Bombardement an diesem Tag muss ihr Mann zwischen zwei Baracken unterwegs gewesen sein, als eine Bombe in seiner Nähe einschlägt. Die Frau reist sofort nach Neustrelitz, doch als sie im Lazarett ankommt, ist ihr Mann an inneren Blutungen bereits verstorben. Berta Ehnes wurde als stolze junge Frau eine arme deutsche Witwe. In den fünf Jahren der Ehe hatten die beiden miteinander vier Kinder.

 

Gertrud Rudolf bettet die Geschichte ihrer Eltern gut in die deutsche Geschichte ein und macht im Buch immer Querverweise darauf, was „gerade läuft“, so zum Beispiel die Landung der Alliierten in der Normandie, das Attentat von Stauffenberg, der Einmarsch der Alliierten unter de Gaulle in Paris am 25. August 1944.

Kapitel „Heimat“ übers Glarnerland

Verschmitzt sagt sie, sie habe auch etwas über sich selber geschrieben, so das Kapitel „Heimat“ über Deutschland und das Glarnerland. Seit fast 50 Jahren wohne sie nun schon hier, in diesem Bergtal, in dem sich die Sonne tagsüber nicht so lange blicken lasse wie im flachen Deutschland. Neustrelitz sei ihr ebenso Heimat wie Glarus. Ihre geistige Heimat seien die deutschen Dichter und Denker. Oft verfolge sie am Fernsehen die Serie „Bilderbuch Deutschland“, was für sie ein wertvoller Geografieunterricht sei. Manchmal schreibe sie Gedichte, von denen sie zum Abschluss dieser Vernissage denn auch eines vorlas. Für sie, ihren Mann und ihre Familie sei alles gut herausgekommen.


Nachher verweilte man noch gemeinsam beim Apéro. Zu dieser Gelegenheit hat Gertrud Rudolf selbst Gebackenes mitgebracht.