Eine Gesellschaft am Vorabend der Apokalypse

Im Rahmen des Freifachs Theater hat Kantonsschullehrer Mathias Jenny ein Stück im historischen Raum des Brandes von Glarus 1861 verfasst. Da die Uraufführung aufgrund der Corona-Massnahmen bisher nicht stattfinden konnte, fand am letzten Freitag eine Buch-Vernissage in der Aula der Kantonsschule statt.



Die Feuersbrunst im Kantonshauptort ist für das Glarnerland ein einschneidendes Ereignis. Auf der einen Seite erhielt das Stadtzentrum ein komplett neues Erscheinungsbild, auf der anderen war sie der Auslöser zur Gründung der Kantonalen Sachversicherung (heute glarnerSach). Die Katastrophe ist auch Hauptthema des Theaterstücks von Kantonsschullehrer Mathias Jenny; und gleichzeitig der grosse Abwesende. Denn das Stück schildert nicht den Kampf gegen das Inferno oder die Tage nach dem Ereignis. Die 18 Szenen spielen am Vorabend des Brandes und zeigen so ein Bild der Glarner Gesellschaft, während irgendwo schon die ersten Flammen züngeln und das Feuer an Grösse gewinnt. Grundlage seines Werks waren dabei Ausgaben der Neuen Glarner Zeitung. «Die Artikel zeigen, was im Glarnerland zu dieser Zeit so los war», erzählte dazu der Autor an der Buchvernissage am letzten Freitag. So war eine Aufführung von «Don Carlos» geplant, aber auch über den Brand in der Fabrik von Jenny und Strub nur einen Monat vorher wurde berichtet. Was auch zeigt, dass die Gefahr des Feuers bekannt war und zum Beispiel mit den Föhnwächtern viel dagegen unternommen wurde. Wenn die Katastrophe hereinbricht, ist der Mensch dann aber hilflos. Parallelen zu den aktuellen Geschehnissen waren dabei nicht beabsichtigt, da das Werk bereits im letzten Jahr für das Freifach Theater der Kantonsschule erstellt wurde, haben aber das Projekt selber eingeholt, denn geplant war die Uraufführung eigentlich bereits im Frühling 2020. «Bildlich waren die Schauspieler am Proben, während der Virus grassiert und der Bund den Lockdown ausspricht, was zur Absage der Premiere sorgte.» Die Sicherheitsmassnahmen habe deshalb auch weiterhin eine Aufführung bisher verunmöglicht, sodass man sich für eine Buchvernissage im kleineren Rahmen entschieden hat. Hier gaben die Kantonsschülerinnen und- schüler mit musikalischen Einlagen und kurzen Ausschnitten aus der «Brandnacht Glarus» einen Einblick in das Werk, das explizit ein Theaterstück auf der Grundlage historischer Ereignisse sei – aber alles andere als ein historisches Theater ist.