Einsatz für Bahnbetrieb und Wandern

Die initiativen Vorstandsmitglieder der Genossenschaft Aeugstenbahn versprechen, dass mit der im Jahre 2010 eröffneten neuen Bahn der Sprung ab Talboden in eine neue Welt – und damit in einen Teil des Unesco-Welterbes, nämlich in die grandiose Tektonikarena Sardona – problemlos möglich sei. Sie versprechen nicht zu viel. Bis es aber so weit war, verflossen viele Jahre und es endete eine Seilbahngeschichte, die durchaus reizvoll war.




Ende der alten Bahn

Ab praktisch gleichem Standort führte zwischen 1962 und 2009 eine Werkseilbahn zur rund 1000 Meter höher gelegenen Bergstation. Der damaligen Transportbahn haftete leicht Abenteuerliches an, handelte es sich doch um eine offene Holzkiste, die vier Personen oder eine Tonne Material zu transportieren vermochte. Die erste Bahn wurde von der NOK (Nordostschweizerische Kraftwerke) erstellt. Sie diente dem Bau und Unterhalt der Starkstromleitungen, die unterhalb des Schilts über Aeugsten führen. Aus verständlichen Gründen wurde die Beibehaltung dieses Transportmittels per 31. Dezember 2009 untersagt. Damals lief die bestehende Betriebsbewilligung aus. Die zeitgemässen Anforderungen, deren Einhaltung die Kontrollstelle des Interkantonalen Konkordats für Seilbahnen und Skilifte überwacht, garantieren einen sicheren Betrieb und müssen zwingend eingehalten werden.

Planung der neuen Bahn


Die NOK hatte gegenüber der Standortgemeinde Ennenda frühzeitig bekannt gegeben, dass sie die Seilbahn für eigene Zwecke nicht mehr benötige. Deshalb setzte der damals amtierende Gemeinderat eine breit abgestützte Fachgruppe ein. Deren Auftrag war klar: Es sei ein Konzept für den Weiterbetrieb zu erarbeiten. Es zeigte sich bald, dass eine Sanierung einspurigen Pendelbahn nur mit hohem finanziellem Aufwand möglich war. In die Projektarbeit einbezogen war zudem ein Tourismuskonzept, das von Studierenden der Hochschule St. Gallen (HSG) erarbeitet worden war und ab September 2006 zur Verfügung stand. Die Gründe für eine neue Bahn waren klar: Landschaftspflege auf der Brandalp (Aeugsten), Erhalt der bestehenden Pflanzenvielfalt, Abmähen der Bergwiesen, Pflege des Schutzwaldes, Wildaufsicht im Schutzgebiet Schilt, Fördern eines sanften Tourismus, Unterhalt der Gebäude auf Aeugsten und Alp Begligen.

Kostenfrage

Die Grundfinanzierung durch die NOK entfiel mit dem Ablauf der Betriebskonzession. Es ergaben sich die Planung der neuen Bahn mit zwei Kabinen, welche die etwas mehr als 950 Höhenmeter in rund sieben Minuten überwinden. Als Erstellerin wurde die einheimische Firma Inauen-Schätti AG aus Schwanden nach erfolgter Evaluierung beauftragt. Jede Spur verfügt über ein Tragseil und wird mit einem umlaufenden Zugseil angetrieben. In Randzeiten ist der Betrieb ohne Maschinist möglich. Die gesamten Kosten für Bahn samt Fundamenten und Stationsgebäuden bezifferten sich auf 2,4 Millionen Franken. Die Finanzierung basierte auf folgenden Pfeilern: Beitrag der Standortgemeinde Ennenda, Zeichnung von Genossenschaftsanteilscheinen, Gönnerbeiträge, zinsloses Darlehen.

Gründung der Genossenschaft (GAB)

Anfang 2008 wurde die Genossenschaft gegründet. Als Präsident stellte sich Thomas Becker, ehemaliges Mitglied des Gemeinderates Ennenda, zur Verfügung. In diesem Gremium haben folgende Personen Einsitz: Werner Waldvogel, Vizepräsident; Martin Hamann, Erich Kaufmann und Fabienne Krebs. Demissioniert hat die ehemalige Aktuarin Brigitte Hefti. Als Folge der Fusion wurde der Geschäftssitz per 1. Januar 2011 der Einheitsgemeinde Glarus zugeschlagen..

Der Zweck der Genossenschaft ist in den Statuten wie folgt niedergeschrieben: «Die Genossenschaft bezweckt in gemeinsamer Selbsthilfe das Erstellen und den Betrieb einer Personenseilbahn Ennenda – Raum Aeugsten, die neben dem Tourismus auch der Land- und Forstwirtschaft dient». Die Zahl der Genossenschafter ist unbeschränkt. Mitglied wird man mit der Zeichnung von Anteilscheinen. In den Statuten sind das Erlöschen der Mitgliedschaft, die Haftung der GAB (persönliche Haftbarkeit der Genossenschafter ist ausgeschlossen), Finanzielles (Beschaffung der finanziellen Mittel, Anzahl und Einzahlungsfrist der Anteilscheine und deren Kündigungsfrist, Rückzahlung, ), Organisation und Verpflichtungen der Generalversammlung, des Vorstandes, der speziellen Kommissionen und der Kontrollstelle; die Dauer des Geschäftsjahres, das Rechnungswesen,, Publikationsorgan, Auflösung und Liquidation umfassend geregelt.

Wanderungen

Ab Bergstation Bärenboden, auf rund 1500 Metern und mitten im Jagdbanngebiet, kann gestartet werden, für genussvoll Wandernde, Naturfreunde, forsche Berggänger, und Verweilende in gar wundervoller Natur ist eigentlich alles vorhanden, was «das Herz begehrt». Wer sich auf den Schilt, den Hausberg der Ennendaner, begibt, wird eine herrliche Rundsicht geniessen und dann Richtung Mollis oder Walensee weiterwandern. Andere zieht es Richtung Schafleger und unberührten kleinen Bergseen oder nach Sool, Engi, Mitlödi und anderswo. Wer Rundwanderungen bevorzugt, kommt ebenfalls auf seine Rechnung. Verweilen und Bewirten sind in der Aeugstenhütte möglich – dies alles zwischen dem 1. Mai und 31. Oktober, den ordentlichen Betriebszeiten. Der Betrieb in den Wintermonaten ist nur bedingt möglich. Unter www.aeugstenbahn.ch kann man alle erforderlichen Infos abrufen, um sich auf bisher eher Unbekanntes gründlich einzustimmen.