Einstimmen in die Adventszeit mit dem Neuen Glarner Musikkollegiun

Mit Besinnlichem, Heiterem, Verträumtem, Beschwingtem und Ruhigem stimmte das Neue Glarner Musikkollegium unter Leitung von Felix Schudel in der stark besetzten Reformierten Kirche Betschwanden auf die einsetzten Adventszeit ein, in passender und spürbar willkommener Weise. Das Instrumentalensemble gastierte auf Einladung des Kulturvereins Glarus Süd in der Kirche, die mit viel Liebe zum Detail geschmückt war.




Viele Teelichter im Innern und einfach gebaute Häuschen am Weg zur Pforte erzeugten Wärme und Vertrautheit zu einer Zeitspanne, die oft von allzu viel Hektik und Unrast geprägt ist. Mit dem Auftritt setzte das Neue Glarner Musikkollegium eine willkommene, gehaltvolle Konzerttradition fort.

Gast des Musikkollegiums war der Cellist Andreas Müller. Den Kölner stellte Felix Schudel als virtuos ausgestaltenden Künstler vor, auf dessen Interpretationen man sich wirklich freuen dürfe. Mit wenigen Worten begrüsste Ruth Tüscher, Präsidentin des Kulturvereins, die Konzertbesucher.

Auf dem Programm waren das dreisätzige Divertimento D-Dur, KV 136 für Streicher von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), das Andante cantabile H-Dur, op. 1 in H-Dur für Violoncello und Streicher von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893), Cassatio in G Hob II für Streicher und Continzuo von Joseph Haydn (1732–1809) und das Cellokonzert in a-moll des eher unbekannten Johann Wilhelm Hertel (1727–1789) angekündigt; eine Vielfalt, die Spannung versprach.

Die Mitglieder des Musikkollegiums wissen sich zumeist Klassischem verpflichtet. Sie verfügen über bemerkenswert hohe gestalterische Fertigkeiten, spielen enorm spannungsreich, vermögen kenntnisreich zu differenzieren, professionell und mit sympathisch grossem Reichtum auszudrücken. Es wird behutsam und variantenreich gespielt. Es kam mit der Wiedergabe von Mozarts Divertimento eine inhaltsstarke Vielfalt an Gefühlen und Stimmungen auf. Es war so festlich, harmonisch, heiter, tänzerisch erfrischend keck und munter, so wohltuend schön. Man freute sich auf Weiterführendes.

Die Aufwartung des Cellisten Andreas Müller war von hoher spielerischer und musikalischer Reife geprägt. Träumereien in weite helle Welten schienen zu wachsen. Die Intentionen des Solisten nahm das Orchester mit viel Behutsamkeit und Sorgfalt und der notwendigen Diskretion auf. Mit dem Schlusston schien ein gar erfüllendes klangreiches und heiteres Bild zu entschweben.

Lieblich, munter, fröhlich, kurzweilig, voller Lebensfreude und Anmut klangen Sätze auf, die Haydn einst gefügt hatte. Mit grosser Eleganz wurde ausgestaltet. Es war fast die «Leichtigkeit des Seins», die viel Harmonie und Anteilnahme, Freude an Unbeschwertem zu wecken vermochte. Es wurde mit gar viel Gewandtheit ausgedrückt.

Die Interpretation des Cellokonzerts von Hertel war fordernd. Der Solist wusste sich von den Orchesterleuten gut getragen. Die Ausgestaltung einer Kadenz im zweiten Satz war in höheren Lagen leicht problematisch, genau wie das gewählte, hohe Tempo im Schlusssatz, das eine gewiss Gefahr von gar Überhastetem in sich barg. Die Reichhaltigkeit des Interpretierens wurde mit grossem, verdientem Beifall honoriert und führte zu einer willkommenen Zugabe.

Beinahe zögernd kehrte man durch ungastliche, kalte Dunkelheit in den Alltag zurück – mit der stillen Hoffnung auf ein Wiederhören im kommenden Jahr.