Erfahrungen als „Alibifrau“

„Irgendwie komisch, es jetzt in den Händen zu halten“ – so beschreibt Anne-Marie Stauffacher das Gefühl, als sie ihr eigenes Buch „frisch ab Presse“ in Händen hält. Aber sie freut sich darüber.



Frisch ab der Druckpresse: Annemarie Stauffacher mit ihrem Buch „April
Frisch ab der Druckpresse: Annemarie Stauffacher mit ihrem Buch „April

Anne-Marie Stauffacher erzählt von einem Abschnitt ihres Lebens, der mit der Offenbarung eines lange verborgenen Geheimnisses endete. Ihr erster Ehepartner hatte es jahrelang verstanden, seine andersartige Neigung vor ihr zu verbergen. Zwar vermutete sie hinter seinem oftmals sonderbaren Verhalten bald einmal „banale Frauengeschichten“ – bis sich eines Tages herausstellte, dass die vermeintlichen „Nebenbuhlerinnen“ männlich (!) waren.

Von da ab hatte sie nicht gegen Rivalinnen zu kämpfen, sondern gegen eine Veranlagung – ein Kampf gegen „Windmühlen“, wie sie sagt! Sie sah sich unvermittelt in einem Dilemma: Sollte sie „mitspielen“, um die Familie zu retten – oder sollte sie den Weg so mancher anderer Frau wählen und ihn als „Alleinerziehende Mutter“ weitergehen? Sie konnte ihre Situation „als Alibifrau“ nicht lange ertragen und wählte deshalb den zweiten Weg.

In ihrem autobiografischen Roman „April, April…“ beschreibt und verarbeitet die Autorin ihre Erfahrungen aus jener Zeit. „Ich hab alles für meine beiden Töchter aufgeschrieben, als Erklärung dafür, was sich damals abgespielt hat“, so die Autorin. Eigentlich hatte der Vater versprochen, es später irgendwann seinen Töchtern zu erzählen, aber er ist sozusagen spurlos verschwunden. Mit dem Schreiben der letzten Seite des Buches hat sie auch vollständig mit diesem Abschnitt ihres Lebens abgeschlossen. Sie trägt keinen Groll darüber in sich. „Es musste alles so kommen“, sagt sie heute. Auch dieser Lebensabschnitt gehöre zu ihr, er habe sie gestärkt. Und er hat sie schlussendlich auch ins Glück geführt: Sie ist längst mit ihrem ehemaligen Schulschatz verheiratet. Mit ihm lebt sie heute in Sool, wo die Autorin auch aufgewachsen ist. Man könnte fast sagen, ein richtiges Happy End!

Allen Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie die Autorin damals, ist das Buch herzlich zu empfehlen. Aber auch allen, die gerne über nicht alltägliche Lebenserfahrungen und Tabuthemen lesen. Das Buch ist nicht nur ein „Problemwälzer“, sondern enthält auch viele schöne und lustige Episoden. Die Autorin ist gespannt, ob Echos von der Leserschaft auf ihr Buch zu erwarten seien.