Erfolgreiche Gleitschirmpiloten

Nach den Podestplätzen der letzten Jahre bleibt für den Gleitschirmklub Glarnerland für einmal nur die lederne Medaille.



Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wer, wenn nicht die Mitglieder des Gleitschirmklub Glarnerland, können diese Zeilen von Reinhard Mey am besten nachvollziehen? Doch in der vergangenen Saison war alles etwas anders, die grenzenlose Freiheit Corona-bedingt etwas eingeschränkt.

Die Thermiksaison dauert in der Schweiz von März bis September. Während dieser Zeit herrschen in der Schweiz die besten Bedingungen, um lange Streckenflüge zu realisieren.
Jeder Pilot mit der entsprechenden Lizenz kann auf einer Internetplattform seine Flüge einreichen. Mitte Oktober werden die Resultate ausgewertet und die Ranglisten erstellt.
Corona-bedingt wurde der Wettbewerb von Mitte März bis Mitte Mai schweizweit ausgesetzt, genau in den allerbesten Wochen, um im Glarnerland grosse Streckenflüge zu vollenden.
Für die Wertung in der Schweiz wurden aus diesem Grund nur noch die drei weitesten, anstatt der vier weitesten Flüge jedes Piloten berücksichtigt, für die weltweite Wertung zählten deren sechs. Beim Streckenflugcup entscheiden die Piloten selbst, wann und wo sie starten und welche Route sie fliegen.

Der Grundstein zum Erfolg des Gleitschirmklub Glarnerland legte Fluglehrer und Tandempilot Michi Müller (Ennenda) mit seinen Flügen im Wallis. In Fiesch startete er seinen weitesten Flug der vergangenen Saison. Von Fiesch das Goms hinauf bis zum Siedelhorn beim Grimselpass, wo Müller den ersten Wendepunkt setzte. Zurück über Fiesch, den Rhonegletscher und das Unterwallis zum zweiten Wendepunkt, Chätillon in der Nähe von Gsteig im Berner Oberland. Weiter Richtung Mattertal bis fast zur Dufourspitze, wo der Glarner den dritten Wendepunkt setzte. Auf dem Rückflug bei Brig die letzte Thermik ausgedreht und im Gleitflug zurück bis nach Fiesch, wo Müller nach etwas mehr als 10 Stunden sehr zufrieden und strahlend landete. Dieser Flug ist umso erstaunlicher, da Michi Müller am Vorabend dieses gewaltigen Fluges keine Übernachtungsmöglichkeit in Fiesch fand, so kurzerhand seinen Gleitschirm in einem Schlafsack umwandelte und die Nacht unter freiem Himmel verbrachte.
In der Einzelwertung erreichte Michi Müller in der Kategorie Sport national den zweiten Platz. Lange sah es sogar nach einem Sieg des Glarners aus, erst kurz vor Wertungsende wurde Müller doch noch vom höchsten Podestplatz verdrängt. International belegte Müller den 13. Rang von 13844 Piloten.

Die gute Glarner Bilanz vervollständigte Urs Lüthi (Bassersdorf), Werner Jacober (Kaltbrunn) und Jörg Bonderer (Pfäffikon).
Der Gleitschirmklub Glarnerland ist trotz dieses vierten Platzes der erfolgreichste Gleitschirmklub der Schweiz. Seit 2010 ist der Klub ununterbrochen auf dem Podest, mit Ausnahme von zwei vierten Plätzen in der Saison 2016 und 2020.

Bei den Frauen landete die Seriensiegerin der letzten fünf Jahre Gabi Jacober (Kaltbrunn) auf dem 7. Platz von 109 teilnehmenden Pilotinnen. Eine Verletzung eines Skiunfalls von 2009 wurde akut, so dass im Verlaufe des Jahres zwei Operationen notwendig wurden. Nach einer längeren Reha-Phase hofft Jacober in der nächsten Saison wieder ganz grosse Streckenflüge geniessen zu können.

Neumitglieder sind herzlich willkommen. Die nächsten Anlässe des Gleitschirmklub Glarnerland sind:

30.10.2020 Vollmondfliegen
31.10.2020 Alppflege Hüsliberg