Erhält das Glarnerland bald einen Seligen?

Bisher wurde noch nie ein gebürtiger Glarner oder eine gebürtige Glarnerin heilig- oder selig gesprochen. Das könnte sich möglicherweise in Bälde ändern. Denn Anfang Juli letzten Jahres wurden vom Bischofadministrator Peter Bürcher, Chur, in Zürich zehn grosse Schachteln versiegelt mit 13 000 Seiten Dokumentation, Gesamtgewicht 130 Kilogramm adressiert an die Kongregation für Selig- und Heiligsprechung im Vatikan.


Sein Vorvorgänger Bischof Amédée Grab hatte nämlich vor rund 20 Jahren das Erhebungsverfahren eröffnet für den gebürtigen Ennendaner Toni Zweifel (1938–1989) Informationen zu sammeln für eine spätere Seligsprechung. Alle auffindbare Korrespondenz, Angaben über sein Leben und Wirken aus allen möglichen Archivquellen wurden zusammengetragen. 2005 erteilte die erwähnte Kongregation die Erlaubnis, mit der Befragung von Zeugen zu beginnen. Seit September 2020 ist die zuständige Kongration im Besitz des ganzen Dokumentationsmaterials. Sie prüft die Qualität und kann dann offizielle das Verfahren eröffnen. Toni Zweifel wird nun überprüft, «ob er sich in allen christlichen Tugenden bewährt hat»: Zur Seligsprechung ist allerdings noch der Nachweis eines Wunders erforderlich.

Bisher konnte aber noch keine übernatürliche Gegebenheit einwandfrei auf einen Hilferuf an Toni Zweifel zurückgeführt werden. Bis dies erbrachte ist dürfte es wohl noch Jahre dauern.

Wer war Toni Zweifel?

Er entstammt einer Unternehmerfamilie. Sein Grossvater Federico Zweifel, geboren 1878, verliess kurz nach seiner Lehre als Textiler seine Glarner Heimat und fand im norditalienischen Capriolo eine Anstellung in der Textilbranche. Er brachte die kriselnde Manufaktur zu neuer Blüte. 1924 gründete er bei Verona eine eigene Fima, eine automatische Stickerei. 1948 übernahm Giusto Zweifel, Tonis Vater, das Unternehmen und gründete weitere Firmen u.a. in der Schweiz. Während des Zweiten Weltkrieges weilt Toni mit seiner Mutter längere Zeit im Glarnerland. Sein Studium als Maschineningenieur absolvierte er an der ETH Zürich. In dieser Zeit trat ins Studentenheim Fluntern des Opus Dei ein und schloss sich dieser Organisation an. Nach Studienabschluss war Zweifel in der Privatwirtschaft tätig, kehrte aber 1964 an die ETH als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Thermodynamik zurück. Zwei Jahre später übernahm er die Leitung des Studentenheims, wo er Einführungskurse für beide Zürcher Hochschulen organisierte. Ab 1972 leitete er die neu gegründete Zürcher Limmatstiftung. In den 17 Jahren bis zu seinem Tod trug diese Stiftung Hunderte von Bildungs- und Sozialstiftungen in über 30 Ländern auf vier Kontinenten. 1986 erkrankte er an Leukämie und starb nach dreijähriger Leidenszeit am 24. November 1989. Opus Dei strebte dann wegen seines vorbildlichen Lebens den Seligsprechungsprozess an.