Es war die Reise in eine bewegende Welt, voller Leidenschaft, tiefer Religiosität, Feiern, Tanz, Gebete und Gesang, aufwühlend Zwischenmenschlichem, Scheitern, Erfragen, Verweilen, Geniessen, Fremdheiten. Es war ein textgebunden farbiger Wechsel an Gefühlen und Erfahrungen angeboten. Ein zuweilen rasantes Wechselspiel tat sich mit dem Lesen einiger Passagen und dem jeweiligen Hinführen durch Solomicky auf. Die beiden wissen sich aus früheren Zeiten kenntnisreich und mit spürbarer Wertschätzung verbunden, eine Zeitspanne, die mit Ganzfrieds Bereisen von Andalusien und seiner zum Buch führenden Reportage geführt hat.
Wir gewohnt begrüsste die Wortreich-Geschäftsführerin Christa Pellicciotta, auf Filme des Wochenendes hinweisend und zum Verweilen des von Daniel Ganzfried gespendeten Apéros einladend.
Der Buchinhalt entführt in Welten, die uns zeitweise befremdend, ungewohnt, wirklichkeitsfern erscheinen, die uns Ganzfried mit seinem bewegenden Beschreiben näher bringt, eine gewisse Vertrautheit und Verständnis zu wecken versteht. Er merkte an, wie stark ihn das Verweilen in Andalusien, die Kontakte mit der tiefen Religiosität und den damit verbundenen zuweilen unbändigen Festlichkeiten gefangen genommen haben. Mit seinem Buch lässt er einen daran teilhaben.
Erich ist kurz vor Pfingsten mit seinem Auto unterwegs. Seine noch in Kalkutta weilende Frau Céline will er an ihrem runden Geburtstag mit einem ganz besonderen Geschenk – einem prächtigen Pferd – überraschen und verwöhnen. Er ist Banker in einer gehobenen Position. Gemäss Autor übertreibe er in vielen, berufsfernen Belangen. Erich ist samt protzigem mit allem technischem Schnickschnack ausgestatteten Pferdeanhänger zielorientiert unterwegs. Er lässt sich von seinem Navi führen. Auf dieser Hinfahrt plant Erich den Ablauf des Geburtstags, den Empfang, die totale Überraschung für seine Frau.
Aber dazu kommt es nicht. Céline telefoniert ihm, dass sie an ihrem Geburtstag nicht bei ihm weilen werde. Sie tut seltsam, sich rauswimmelnd.
Erich begreift nicht, gerät auf Irrwege während seiner Fahrt, findet sich urplötzlich unter andalusischen Wallfahrern, die zu einem kleinen Ort namens El Rocio im Schwemmland des Rio Guadalquivir unterwegs sind, sich zu einem Treffen versammeln, das von tiefer Religiosität, Anbetung, Tanz, Wirbligem, überbordender Lobpreisung, ausufernden Festen, sehr Weltlichem und Spirituellem erfüllt ist. Es ist ein Treffen in einer – so Ganzfried – absolut abgelegenen Gegend, in der sich alljährlich anderthalb Millionen Wallfahrer einfinden, sich dann wieder trennen. Es ist ein absolut wirbliges, enorm leidenschaftliches Leben, das sich über eine bestimmte Zeitspanne hinweg auftut. Erich lebt in dieses Bewegen unwillkürlich hinein, vergisst und verlässt seine vertrauten Traditionen, gewinnt urplötzlich Neues, eine ganz andere Ahnung des Lebens,
Was aus dem Geburtstagsgeschenk mit dem Pferd, was aus Erich wird, sei nicht verraten, das wechselvolle Geschehen, wie es im Buch enthalten ist, gibt erschöpfend Auskunft.
Ganzfried gab bereitwillig zu seinem Wechselspiel mit der Romanfigur, zum Identifizieren mit Charakterlichem, zu neuen Buchprojekten und anderem Auskunft – bevor ein lebhaftes Verweilen. damit angeregtem, langem Gedankenaustausch in der gastlichen Kulturbuchhandlung einsetzte.
Und wer sich mit diesem alljährlich an Pfingsten stattfindenden Fest des Lebens in El Rocio, im Süden Andalusiens, befassen wollte, konnte sich dank einer an jedem Sitzplatz aufliegenden Dokumentation, vertiefend mit diesem farbigen Geschehen befassen.










