Erlebnis Käsern selber erfahren

An diesem Donnerstag wurde die Erlebniskäserei Nüenalp ob Filzbach eröffnet. Frau Landestatthalter Marianne Dürst und Gemeindepräsident Martin Laupper legten sich für den ersten produzierten Käse mächtig ins Zeug.




Für einmal nicht Politiker zum Anfassen, sondern Politiker, die anpacken. Bei der Eröffnung der Erlebniskäserei Nüenalp ob Filzbach konnten Frau Landesstatthalterin Marianne Dürst und Gemeindepräsident Martin Laupper erfahren, was es für die Produktion von Käse alles braucht. Alppächter Christian Beglinger spannte die beiden Politiker am letzten Donnerstag gleich mit ein und zeigte so deutlich, wie sich eine Erlebnis- von einer Schaukäserei unterscheidet. Die Besucher verfolgen nicht gemütlich hinter der Fensterscheibe, wie aus Milch langsam und mit vielen Kniffen Käse entsteht. Auf der Nüenalp sind die Gäste hautnah dabei, können die Harfe selber schwingen oder die sich verändernde Konsistenz überprüfen. Und auch das Abschöpfen überläst der Käser teilweise den Laien. Im Winter kann dann der gereifte Käse auf Wunsch wieder abgeholt werden. In diesem Fall wird das die Gemeinde Glarus Nord sein, die den Käse spontan erstanden hat.

Neu sanfte Art von Tourismus


Diese Art und generell der Agrotourismus passe ideal zum Glarnerland, waren sich alle Gäste der Eröffnung einig. «Hier treffen sich auf fast perfekte Weise Landwirtschaft und Tourismus», meinte dazu Dürst. «Das ist naturnaher, sanfter Tourismus, genau das, was wir brauchen», ergänzte Laupper weiter. «Dieses Angebot findet stetig grössere Nachfrage», ist sich Jakob Kamm, Vertreter der Trägerschaft PRE «Glarner Chäs und Ziger», sicher. «Gerade auch die Nähe zur Bergstation hat die Nüenalp für dieses Projekt prädestiniert», führte Marco Baltenswiler, Leiter Abteilung Landwirtschaft des Kantons Glarus, weiter aus. Sie zeige zudem beispielhaft auf, so Baltenswiler, dass gerade die Alpen noch ein grosses und unverbrauchtes Potenzial besitzen. Im Rahmen von Agrotourismus Glarnerland ist die Nüenalp bereits das zweite Projekt, das verwirklicht werden konnte. Schon früher in diesem Jahr konnte in Glarus die neue Rohzigerproduktion der Milch AG und der GESKA eingeweiht werden. Neu können sich die Besucher ein Bild machen, wie heute das älteste Markenprodukt der Schweiz hergestellt wird. «Noch offen ist das Projekt auf der Alp Erbs in Elm», erzählte Baltenswiler weiter. Dort sei eine Schauzigerei angedacht, die dem Besucher aufzeigen könnte, wie der Ziger früher auf den Alpen produziert worden ist.

Ziel eines langen Weges

Was am Donnerstag in gemütlicher Runde eingeweiht wurde, hat dabei aber eine längere Entstehungsgeschichte hinter sich. Schon 1996 hatte Christian Beglinger die Alp übernommen und als Familienbetrieb bewirtschaftet. Bereits 2007 hatte er zudem die Idee zur Erlebniskäserei. Zu dieser Zeit habe er schon etwas Ähnliches für Firmen oder auch Schulklassen angeboten. Bis aber nun die neue Erlebniskäserei verwirklicht werden konnte, benötigte es viel Zeit und Geduld. Die Gemeindestrukturreform habe viel geholfen, dass das angestrebte Ziel erreicht werden konnte, ist sich Beglinger sicher.

Familienunternehmen auf der Alp

«Mit Artikelder ursprünglichen Infrastruktur stiessen wir aber immer wieder an Grenzen. Jetzt können wir das Ganze viel professioneller gestalten.» Mit «wir» meint Beglinger in erster Linie auch seine Frau Rahel, die ihn nicht nur hier tatkräftig unterstützt, aber auch die ganze Familie und die Angestellten. Und nicht zu vergessen die drei Kinder Minna, Noah und Hanna, von denen die Älteren beide den Eltern interessiert über die Schulter und immer wieder mit grossen Augen in den Kochkessel schauen.