Erlebte Dorfgeschichte – eine Führung durch Näfels

Dieses Jahr lud das Kulturforum Brandluft zum «Gang durchs Dorf Näfels» unter der kundigen Führung von Fridolin «Osterhazy» Hauser. Selber aus dem Rautidorf stammend, in erster Linie Näfelserin und dann erst Bürgerin von Glarus Nord, bot sich für einmal die Gelegenheit, mehr über die Gebäude und die Geschichte des Klosterdorfes am Rautihang zu erfahren.




Kühle und Stille empfängt mich in der Klosterkirche Mariaburg an diesem hektischen, sommerlich schwülen Samstagvormittag. Zielgerichtet gehts ab in die vorderen Bankreihen, wo zu meiner Überraschung bereits Namenstafeln liegen. Ulricus von Nevels, Joh. Michael Hunger, Rapperswil oder Sr. Maria Theresia Scherrer ist da klar und deutlich angeschrieben. Darf ich jetzt trotzdem Platz nehmen? Ja, ich darf und werde sogleich als Kunstmaler Kuen angeschrieben, denn, so Fridolin «Osterhazy», die Anwesenden werden aktiv einbezogen beim diesjährigen Dorfrundgang.

Der älteste Teil von Näfels, welches bereits 1240 schriftlich erwähnt wurde, ist die ursprüngliche Burg. Mit Fridericus und Ulricus von Nevels nimmt uns der begnadete Erzähler Fridolin «Osterhazy» mit auf eine Zeitreise von den Anfängen der Siedlung Nevels über die Reformation und Gegenreformation bis hin zur Übergabe des Klosters an die Franziskaner. Wie gewohnt sind seine geschichtlich fundierten Ausführungen gespickt mit launigen Anekdoten und rufen immer wieder ein Lachen hervor.

Weiter geht es durch den Klostergarten auf die herrliche Klosterterrasse und weiter auf den Fahrtsplatz. Hier, wo jeweils im ersten Donnerstag im April der Fahrtsbrief verlesen wird, treffen wir den «füürigen Geisser». Seine Geschichte ist ein Müsterchen der zahlreichen Sagen aus dem Rautidorf. Auch Landammann Schindler, einer der ersten Fusionsbereiter des Glarnerlandes, lerne ich hier kennen. Ihm und seiner Regierung ist es gelungen, den in zwei Konfessionen gespaltenen Kanton wieder zu einen und ein den religiösen Begebenheiten angepasstes Fahrtsgesetz zu verabschieden.

Auf die Zeit der Reisläuferei treffen wir im lauschigen Garten des Freulerpalastes. Die Geschichte von Kaspar Freuler ist mir geläufig, aber dass die selige Sr. Maria Theresia Scherer hier Arme und Kranke betreute, ist mir neu. Auch dass Emanuel Walcher, ein liberaler Landrat, 1888 den Bau eines Schlachtdenkmals durchgesetzt hat, entzog sich meinem Wissen. Die Letzimauer, welche die ganze Talbreite abriegelte, wurde 30 Jahre vor der Schlacht bei Näfels gebaut. Heute können wir ein rekonstruiertes Teil dieses Wehrs sehen.

Auf dem Weg zur Hilariuskirche bestaunen wir das Idaheim, welches als Kinderhort genutzt wird, einst aber der Wohnsitz vom ersten Schweizer General, Niklaus Franz von Bachmann war. Er gilt als Erfinder des Schweizerkreuzes.

Die barocke Hilariuskirche ist weitherum bekannt. Nebst Landrat Schnyder und Otto Haberer treffen wir unter anderem auch Kunstmaler Kuen und ich erfahre endlich, für welche Werke «meine» Figur verantwortlich zeichnete.

Beim reichhaltigen Apèro riche nutzen die Anwesenden die Gelegenheit für «Wiedersehens»-Gespräche. Anhand vieler interessanter Persönlichkeiten habe ich mein Heimatdorf auf eine andere Art kennengelernt, Fakten sind nun gekoppelt an Namen und Bilder. Schön wars, ich freue mich auf ein nächstes Mal!