Erste Bilanz der Hauptabteilung Soziales

Die Hauptabteilung Soziales zog letzten Dienstag Bilanz über die Arbeit des vergange-nen Jahres, und präsentierte die aktuellen Zahlen zu den Themen Sozialhilfe, Alimen-tenwesen, Asylwesen sowie Heimwesen. Durch die Umstellung von den Gemienden zum Kanton ist die Interpretation der Zahlen nicht ganz einfach.



Zogen die erste Bilanz nach der Kantonalisierung des Sozialwesens: Lilo Manz
Zogen die erste Bilanz nach der Kantonalisierung des Sozialwesens: Lilo Manz

„Das Glarnerland ist keine Insel“, brachte es Jakob Beglinger, Leiter Hauptabteilung Sozia-les, am ersten Mediengespräch vom letzten Dienstag auf den Punkt. Der Kanton beschäftigt sich im Sozialwesen mit den gleichen Problem wie auch die grossen Kantone, nur zum Glück in einem deutlich bescheideneren Ausmass. In wie in der gesamten Schweiz steigt auch im Glarnerland die Zahl der Sozialhilfeempfänger. Der Kanton Glarus liegt mit 2,9% dabei zwar im nationalen Mittel, verglichen mit anderen ländlichen Kantonen ist der Prozent-satz doch etwas hoch.

Informationen für die Bevölkerung

Zum Mediengespräch wurde auch deshalb geladen, weil bisher die Information für die Be-völkerung über die einzelnen Gemeinden viel einfacher zu bewerkstelligen war, so zum Bei-spiel an den Gemeindeversammlungen. Mit der Kantonalisierung des Sozialwesens fällt die-se Informationsmöglichkeit weg, dafür soll in den Medien verstärkt über das Wirken des Kan-tonalesn Sozialamtes berichtet werden. Aus diesem Grund werden vermehrt solche Medien-gespräche durchgeführt.

Nach dem ersten Jahr

Die Anzahl Personen, die in der Alltagsbewältigung Unterstützung benötigen, nimmt laufend zu. Die Erwartungen der Leistungsbezüger - aber auch vom Rest der Bevölkerung - werden immer grösser. Allen gerecht zu werden, ist oft nicht möglich.

Zwar konnte die Professionalisierung des Sozialen im Kanton Glarus vollständig umgesetzt werden, doch gibt es nach wie vor Themen, um welche es sich in Zukunft speziell zu küm-mern gilt. Dies sind insbesondere die Übergänge vom Schulaustritt in eine Ausbildung und von der Ausbildung ins Erwerbsleben sowie die jungen Erwachsenen, die Sozialhilfe bezie-hen. Ein Projekt, welches sich dieser Problematik annimmt, ist in Planung und soll noch in diesem Jahr anlaufen. Ein weiterer Schwerpunkt in diesem und im kommenden Jahr ist die Erarbeitung des kantonalen Konzepts zur Förderung der Eingliederung invalider Personen.

Sozialhilfe

Nach wie vor nimmt die Zahl der Menschen, welche von Sozialhilfe leben, zu - auch im Kan-ton Glarus. Die Quote von 2,9 ist zwar hoch, doch liegt sie unter dem schweizerischen Mittel. 69% der Sozialhilfebezüger sind alleinstehend. Am stärksten betroffen sind jedoch nach wie vor Alleinerziehende, mit einer Quote von 11,7%. Während in den letzten Jahren vor allem Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung Sozialhilfe in Anspruch nahmen, sind neu im-mer mehr Menschen mit einer abgeschlossen Berufsausbildung betroffen. Beendet wird der Sozialhilfebezug hauptsächlich durch die Verbesserung der Erwerbssituation (rund 40% der Bezüger) oder durch die Übernahme der Leistungen durch eine Sozialversicherung (z.B. IV, AHV-Rente, etc.). Die Sozialhilfe wird durch die aktuelle Wirtschaftslage gefordert werden, teilweise gelangen die Personen direkt an die Sozialhilfe oder verzögert nach der Anspruchs-berechtigung bei der Arbeitslosenversicherung.

Alimentenwesen

Im Bereich Alimentenwesen ist die Anzahl der Dossiers leicht gestiegen, auf insgesamt 522. Die Inkassoquote, d.h. wie viel Prozent der Bevorschussungen von den Schuldnern zurück bezahlt wurde, ist massiv gesunken. Gründe dafür sind einerseits die knappen personellen Ressourcen, andererseits die finanzielle Leistungsfähigkeit der Schuldner, welche in einigen Fällen selbst in die Sozialhilfe gefallen sind.

Asylwesen

Das Asylwesen ist für die Hauptabteilung Soziales eine reine Vollzugsaufgabe; die Asylsu-chenden sind während ihres Verfahrens unterzubringen, medizinisch zu versorgen und, wenn notwendig, finanziell zu unterstützen. Sobald Personen einen anderen Status bekom-men, sei es durch eine vorläufige Aufnahme oder die Anerkennung als Flüchtling, wird die Vollzugsaufgabe zu einer Integrationsaufgabe. Für den Vollzug der Entscheide des Bundes-amtes für Migration ist die Fachstelle Migration zuständig.

Ein wichtiges Anliegen im Asylwesen ist das „Projekt zur Arbeit“, welches mit 14 Teilneh-menden eine Quote von rund 50% erreichen konnte. Es hat sich jedoch gezeigt, dass es zunehmend schwieriger wird, Praktikumsplätze zu finden, welche den Asylsuchenden die Chance geben, sich zu bewähren.

Heimwesen

Mit Inkraftsetzung des NFA (Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen) per 1.1.08 ging die Zuständigkeit für die Finanzierung der Einrichtungen für Erwachsene mit einer Behinderung vom Bund auf die Kantone über. Die vier Einrichtungen für Menschen mit einer geistigen, psychischen oder körperlichen Behinde-rung im Kanton Glarus bieten insgesamt 109 Wohnplätze und zusätzlich 108 Tagesstruktu-ren, wie Beschäftigung und Arbeit in geschützten Werkstätten, an. Insgesamt nutzen aus dem Kanton Glarus 232 Erwachsene mit einer Behinderung stationäre Einrichtungen. Davon 155 Personen in kantonalen und 77 Personen in ausserkantonalen Einrichtungen.

Die Fachstelle Heimwesen der Hauptabteilung Soziales ist auch Drehscheibe der Finanzie-rung aus zivil- und strafrechtlichen Platzierungen von Kindern und Jugendlichen. Die Statistik zeigt, dass jedes Jahr mehr Kinder und Jugendliche platziert werden müssen.

Der Weg zur Kantonalisierung

Im Mai 2006 stimmte die Landsgemeinde unter anderem der Kantonalisierung des Sozialwe-sens zu, welche 2008 in Kraft trat. Seit dem 1.1.2008 ist die Hauptabteilung Soziales intensiv in den Vollzug der Aufgabenteilung zwischen den Gemeinden und dem Kanton in Bezug auf die Alters- und Pflegeheime involviert. Die Vorlaufzeit dafür dauerte von Mai 2007 bis Januar 2008. Zuständig ist die Hauptabteilung Soziales auch für stationäre Platzierungen von Men-schen mit einer Behinderung und die entsprechenden kantonalen Einrichtungen. Obwohl die Zeit knapp war, konnten die meisten Vorarbeiten in der Praxis bereits erprobt werden und haben sich bewährt. Dies ist vor allem dem engagierten Einsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken.

Durch die Kantonalisierung wurde die finanzielle, die sachliche, die personelle sowie die fachliche Verantwortung der Hauptabteilung Soziales um ein Vielfaches erhöht. Die Netto-Ausgaben betrugen 22 Mio. Franken (Ausgaben 30,5 Mio. Franken / Einnahmen 8,5 Mio. Franken). 52% dieser Kosten werden durch Betriebsbeiträge für Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung verursacht, 26% durch die Sozialhilfe.