Um die für Aussenstehende geheimnisvolle, da unverständliche und leider lange Zeit auch unverstandene Gebärdensprache ranken sich viele Mythen und Missverständnisse. Die oft abfällig als „Affensprache“ diskreditierte Gebärdensprache ist zwar verwandt mit verschiedenen anderen visuellen Kommunikationsformen wie der Pantomime, der Zeichensprache oder der Gestik, sie kann aber keinesfalls auf diese Formen reduziert oder mit ihnen gleichgesetzt werden. Sie ist äusserst ausdrucksreich und tritt in diversen Formen bzw. regionalen Dialekten auf. Somit ist die landläufige Annahme, dass die Gebärdensprache universell verständlich sei und somit von sämtlichen Betroffenen weltweit in gleicher Weise angewendet werde, ein Irrtum.
Um die Gemeinschaft der Gehörlosen vom Gebrauch der Gebärdensprache abzubringen und sie stattdessen an die von der hörenden Mehrheitsgesellschaft verwendete Lautsprache zu assimilieren, war die Gebärdensprache über eine lange Zeit unterdrückt oder gar verboten. Die meisten Gehörlosenpädagogen glaubten, dass es den Betroffenen nach einer kurzen Eingewöhnungszeit leicht fiele, die Lautsprache von den Lippen hörender Sprecher abzulesen und sie dann auch selbst anzuwenden. Dies entpuppte sich jedoch als sehr schwierig, ja sogar als kontraproduktiv. Das Lippenlesen ist über einen längeren Zeitraum hinweg äusserst ermüdend und die Ausdrucksmöglichkeiten der Betroffenen bleiben eingeschränkt. Die angestrebten Integrationsziele konnten somit zumeist nicht erreicht werden.
Doch auch innerhalb der Gehörlosen- und Schwerhörigengemeinschaft hinterliess die jahrzehntelange Diskriminierung ihrer Sprache und der daraus natürlich gewachsenen Kultur Spuren. Die Ignoranz oder gar Abwertung von Seiten der Mehrheitsgesellschaft führte bei vielen Betroffenen zu massiven Kommunikations- und Identitätsproblemen.
In den letzten Jahren hat in der Schweiz glücklicherweise ein Paradigmenwechsel stattgefunden, die vielfältige und reiche Kultur gehörloser und schwerhöriger Menschen wird mittlerweile anerkannt und der Gebrauch der Gebärdensprache gefördert. Ja, letztere wird nun sogar als offizielle Sprache anerkannt und an vielen Orten in der Schweiz auch gelehrt.
Ab September 2009 lanciert das Kleinunternehmen Pro Untertitel GmbH mit Sitz in Glarus deshalb einen ersten, für die Region bisher einzigartigen Kurs in deutschschweizerischer Gebärdensprache. Das Ziel ist es, den Kursteilnehmern – seien sie nun hörend oder gehörlos -, die Sprache und Kultur gehörloser Menschen näherzubringen. Der Kurs wird von einem selbstbetroffenen Profi, der sowohl über ein Diplom im Unterrichten der Gebärdensprache als auch über einen Abschluss in Erwachsenenbildung verfügt, geleitet. Dies ermöglicht Aussenstehenden einen fundierten Einblick aus erster Hand.
Die Firma Pro Untertitel GmbH hat sich als kleines Dienstleistungsunternehmen hauptsächlich auf die Untertitelung von Filmen spezialisiert; dieser Service soll ca. einer halben Million Fernsehzuschauern mit stark eingeschränktem oder gar keinem Hörvermögen zugute kommen. Da Filme, egal ob sie nun am Fernsehen, auf DVD, im Kino oder übers Internet konsumiert werden, stark von akustisch wahrnehmbaren Informationen wie z.B. Dialogen oder Hintergrundgeräuschen abhängig sind, müssen sie für die von der Firma angesprochenen Zielgruppe speziell untertitelt werden.
Pro Untertitel GmbH ist einzigartig in der Schweiz, da die Firma von einem selbstbetroffenen Hörbehinderten Inhaber und Geschäftsführer, der mit der Thematik also aus eigener Erfahrung bestens vertraut ist, geleitet wird. Seine für die Untertitelung /oder Übersetzungsarbeit tätigen Mitarbeiter dagegen sind hörend.
Dem Geschäftsführer der Pro Untertitel GmbH ist bewusst, dass für eine bessere Verständigung zwischen Hörenden und Hörbehinderten Menschen noch immer eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Aus diesem Grund möchte er nun in dem oben erwähnten Kurs allen Interessierten aus der Region die Bedürfnisse, aber auch die Kultur und Sprache seiner Gemeinschaft näher bringen.
Nähere Informationen zum Kurs- und Weiterbildungsangebot, aber auch zu den übrigen Dienstleistungen der Pro Untertitel GmbH erhalten Sie online unter
www.pro-untertitel.ch oder unter der Postadresse Pro Untertitel GmbH, Zollhausstrasse 46, 8750 Glarus
Weitere Kursausschreibungen sind bereits auf der Homepage publiziert worden.




