Es gastierte der Erzählkünstler Jens Nielsen

Im leicht umfunktionierten Rittersaal des Freulerpalasts Näfels war auf Einladung der Glarner Konzert- und Theatergesellschaft ein Begegnen mit Jens Nielsen angesagt. Im Vorspann zur GKTG-Einladung war er als Erzählperformer vorgestellt worden.


Für sein vertiefendes Ausdrücken der Beinahe-Alltagssituationen genügten zwei Scheinwerfer, ein Draht, damit die verblüffend kleinen, aber feinen Requisiten heranschweben konnten, ein Schöpflöffel und eine Sprühflasche. Normalerweise, so Nielsen in seiner Einführung, erzähle er Geschichten, die von grossen, mobilen Installationen begleitet seien. Im Freulerpalast fehlten diese Möglichkeiten, taten aber dem ungemein anregenden Begegnen gar keinen Abbruch. Nielsen, wirbliger, geistreich agierender und verblüffend wechselvoll schildernder Darsteller zog die Hinhörenden rasch in seinen Bann. Im Kopf dieses Erzählers, Betrachters und hingebungsvoll Darstellenden scheinen sich Beobachtungen aller Art bald einmal zu Geschichten zu formen; zu Geschichten, die ohne Bewegungen, Bilder, witzige und zumeist unerwartete Folgen kaum auskommen und damit der Kreativität viel Raum geben. Er bot drei gar verschiedenartige Begegnungen an; zuerst mit der «Uhr im Bauch». Gedanklich begab sich Nielsen mit seiner Zuhörerschar in ein Krankenhaus, genauer in die medizinische Bibliothek. Er versprach, sich seinem Stück nur so lange zu widmen, bis die am Draht hereinschwebende Sanduhr abgelaufen sei. Sein Philosophieren, im Betrachten gewonnene Erkenntnisse und erdachte Gesprächsfetzen gediehen, blühten auf, weckten Verblüffung, Heiterkeit und in jedem Fall hohe Anteilnahme. Nielsen ist ein Meister der feinen Details. Da setzen Vermutungen, Ausdeuten, Ausmalen, Wachsen in zuweilen Groteskes, knapp, aber stets ausdrucksreif gespielte Bewegungen ein. In einem zweiten Bild befasste er sich mit jenem, der einen Tag lang alles falsch machte, zuerst missriet alles, später trug er das Seine bei, um sich in diesem Erlebnismuster zu verfangen, sei es in der folgenschweren Tanzstunde mit Atemnot, erlittenen Prellungen, der Weigerung zur geselligen Teilnahme am Verweilen in der Beiz oder im Durchleben einer fiktiven Beziehung. Mit einherschwebendem Salatkopf, der sich dann kunstreich dreht, wenn die Sprühflasche eingesetzt wird, stellte er Bezüge zur kleinen Pause her, bevor ein Theaterbesuch gar grauslich endete, fielen doch Hautschorf, Finger, Auge, ganze Gliedmassen ab Balustrade auf eine Besucherin im Parterre, verwuchsen sich mit ihr, begannen sich unkontrolliert zu bewegen, nahmen damit vieles aus ganz anderen Perspektiven wahr. Diese kurze Gala hatte es dank Vielfalt, Fantasie, blühendstem Gedankenreichtum und starker, physischer Präsenz des Darstellers wArtikelahrlich in sich.