«Expedition Tschinglen»: Wenig, aber gut

Die Tschinglenbahn in Elm führt als einzige Luftseilbahn direkt in den Schutzperimeter des UNESCO-Welterbes Tektonikarena Sardona. Nun sind erste Inszenierungen des Geoprojektes «Expedition Tschinglen» realisiert.



Walter Elmer, Präsident der Genossenschaft Tschinglenbahn, Vorstandsmitglied Heinz Brühwiler und Felicia Montalta, Gesamtprojektleiterin von «Sardona Plus», liegen entspannt auf den grossen Liegestühlen bei der Talstation der Bahn. Natürlich nur für die Fotografen. Ansonsten haben sie sich mächtig ins Zeug gelegt, um die erste Etappe von «Expedition Tschinglen» zu realisieren.

Touristischen Nutzen ziehen

Laut Felicia Montalta geht es darum, das Welterbe «in Wert zu setzen» und einen touristischen Nutzen daraus zu ziehen. Dank dem interkantonalen NRP-Projekt «Sardona-aktiv» konnten im Rahmen der von Bund und Kantonen getragenen Neuen Regionalpolitik bereits von 2013 bis 2015 in der Tektonikarena Sardona touristische Angebote entwickelt werden. Im Glarnerland zum Beispiel diverse Eintrittsschwellen ins Welterbe, der erneuerte GeoPhänomene-Weg in Glarus Nord, das Panorama auf dem Schafleger oberhalb von Aeugsten und das Welterbe-Erlebnis Tschinglen. «Das Welterbe soll künftig mehr Gäste anlocken und so die Wertschätzung in den einzelnen involvierten Regionen steigern», so die Projektleiterin.

Nahtlos an «Sardona-aktiv» knüpft das Folgeprojekt «Sardona Plus» an. Mit diesem will man bis 2018 die Nachhaltigkeit der geleisteten Arbeit sicherstellen, um die touristische und wirtschaftliche «In-Wertsetzung» der Tektonikarena Sardona zu gewährleisten. Das Projektvolumen beträgt rund eine Million Franken. Partner sind Pizol, Flumserberge, Flims und die kleinere Tschinglenbahn, die als einzige Luftseilbahn mitten ins Welterbe führt.

Kein Rummelplatz


Rund 320 '000 Franken kostet das Geoprojekt «Expedition Tschinglen», welches 2016 und 2017 realisiert wird. Trägerin ist die Genossenschaft Tschinglenbahn. In der ersten Etappe hat die Talstation der Bahn einen neuen Farbanstrich im UNESCO-Rot bekommen – «eine Herausforderung für die Maler», wie Heinz Brühwiler schmunzelnd erklärt. Infotafeln auf Deutsch und Englisch beim Bahnhof Elm, bei der Tal- und Bergstation sowie auf der Tschinglen-Alp beim Schluchtweg gehören zum Leitsystem, ebenso Stelen wie beispielsweise diejenige im Untertal von Elm, wo auf den Bergsturz von 1881 hingewiesen wird.

Weitere Inszenierungen beinhalten UNESCO-Bänke und -Liegen sowie ein Hörspiel in den Gondeln – allerdings in nicht ganz lupenreinem Glarnerdeutsch, wie die Journalisten feststellen, die über die tiefe Schlucht schweben. «Geologisch gesehen war dies ein Tiefseegraben», wird im Hörspiel erklärt. Ebenso erfährt man Wissenswertes zum Martinsloch, den Tschingelhörnern, zur Martinsmadhütte, Tschinglen-Wirtschaft, Segnespass Mountain Lodge und so weiter.

Man wolle mit «Expedition Tschinglen» das Fuder nicht überladen, sagt Heinz Brühwiler. Das Motto laute: «Wenig, aber gut.» Die Aufnahme der Tektonikarena in die UNESCO-Welterbe-Liste von 2008 stellt ja nicht nur eine grosse Anerkennung dar, sondern bedeutet auch die Verpflichtung, das Gebiet zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten. So heisst es für die 13 beteiligten Welterbegemeinden, die drei Kantone Glarus, Graubünden und St. Gallen sowie den Bund, der Tektonikarena langfristig Sorge zu tragen. Nachhaltiger Tourismus ist gefragt, kein Rummelplatz.

In der zweiten Etappe von 2017 werden dann der Blumenweg auf der Tschinglen-Alp aufgewertet sowie der Rundweg zum Firstboden mit Stelen, Feuerstellen und Bänken versehen. Ein Projektleiter wird zudem dafür sorgen, dass auch nach 2018 die Aktivitäten rund ums Welterbe weitergehen werden.

Die Tektonikarena Sardona


Das UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona liegt im Grenzgebiet der drei Kantone Glarus, Graubünden und St. Gallen. Es ermöglicht weltweit einzigartige Einblicke in die Entstehungsgeschichte der alpinen Berge und Täler. An keinem anderen Ort auf der Welt sind die Spuren der Gebirgsbildung so deutlich erkennbar wie hier. Der Zusammenstoss von Afrika mit Europa hat die Alpen über Jahrmillionen aufgetürmt.

Vielfältige Zeugnisse und Spuren dieser gewaltigen Kräfte sind im Welterbe Sardona aussergewöhnlich gut sichtbar. Ursprüngliche Gesteinsschichten wurden übereinander geschoben, gefaltet und zerbrochen. Entlang der Glarner Hauptüberschiebung wurden über Jahrmillionen alte Verrucanogesteine auf jüngere Flyschgesteine geschoben. So gesehen, stehen hier die Berge kopf! Diese einzigartigen geologischen Phänomene veranlassten das UNESCO-Welterbekomitee, die Tektonikarena Sardona im Jahr 2008 in die Liste der UNESCO-Welterben aufzunehmen – als eine von weltweit nur 197 Weltnaturerbe-Stätten.

www.tschinglenbahn.ch