Exzellenter glarnerischer Bigband-Jazz

Als «Jazz on Christmas Stage» angekündigt, zu fast nachtschlafender Stunde in einem Keller angeboten und enorm viele Zuhörer anlockend – da musste etwas dran sein. Das überzeugende Bestätigen war schnell klar. Dem grossen Keller im Kunsthaus Glarus haftet eine grosse kulturgebundene Kraft an.



Es hat genügend Sitzgelegenheiten, es winkt eine gut bestückte Bar, verstärken und bunt beleuchten lässt sich grandios. Grossartige Stimmung bei zuweilen Überlautem ist garantiert. Und was an den Capric(h)orns ohne Wenn und Aber fasziniert, ist die kreative Ausgestaltung mit Präzision, Leidenschaft, immenser Kraft und spürbarer Freude am dezidierten, lebensfrohen Spiel, am Zusammensein über alle Altersgrenzen hinweg. Jüngere und Ältere, alle mit immenser Begabung und hohen spielerischen Fertigkeiten, musizieren als gleichwertige Partner, brillieren als Ensemble, das sich mit Soli und Gesamtheitlichem ablöst, viel Kurzweil undSpannung ausspielt, Anteilnahme, Interesse und Beifall fast im Sekundentakt herbeizaubert. Bandleader Frank Rinne – er steht auch der Glarner Musikschule vor – ist ein gar umsichtiger Leiter, ist zugleich witzig Ansagender und Geniesser.

Er lässt Raum fürs solistische Ausgestalten, fürs ganzheitliche Spiel, das wiederum vom Schwung und der Eleganz der einzelnen Register lebt. Dass seriöses Einüben erfolgt ist, merkte man schnell. Da haben Beseeltheit, spieltechnische Fertigkeiten, hohes Rhythmusgefühl, Hinhören, sich Ergänzen, agiles Gestalten zu einer begeisternden Gesamtheit geführt.

Jazziges und Vorweihnächtliches vertragen sich in traditionell zumeist unproblematisch – heiterer Art. «Rudolph – the red – noised Reindeer» oder «Rockin around the Christmas tree» sind nicht einfach originelle Titel irgendwelcher musikalischer Dutzendware. Das sind starke, von Millionen oft und gern gehörte Klassiker.

Jazz ohne Gesang ist nur schwer vorstellbar. Annette Streuli, Sängerin dieser Band, trat stimmgewaltig, beseelt und mit mitreissender Beschwingtheit auf. Sie gestaltet innig, schwungvoll, mit viel Herzlichkeit und inhaltsstarkem Reichtum.

Weihnachtsstimmung kam auf eine Weise auf, die vom gewohnten Liedgut und Harmoniereichtum, sattsam bekannten verbalen Botschaften weit, ganz weit weg ist, aber eine Herzlichkeit und Direktheit in sich hat, die spürbar viele Anhänger kennt.
So gesehen, stand dieses Begegnen keineswegs quer in der vorweihnächtlichen Landschaft. Es waren klug ausgestaltete und mit viel Anteilnahme aufgenommene und beklatschte Farbtupfer. Der Beifall war derart nachhaltig, dass es grad zu drei Zugaben kam. Und wer die Capric(h)horns weiterhin hören, ihnen begegnen will, kann das bald einmal im Güterschuppen Glarus tun.