Direkt bei den Torfstichseen informierten Fritz Waldvogel, Präsident Glarner Bauernverband, sowie Elisabeth Schnyder als Vertreterin der Bewirtschafter, über dieses von Bauern nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Schutzgebiet und zeigten ihre Freude über das Gerichtsurteil. Denn jetzt müssen die Fachleute der Hauptabteilung Umwelt, Wald und Energie noch einmal von vorne anfangen. Dazu strecken die Landwirte die Hand aus. Nachdem sich früher «die Ämter und die Umweltorganisationen sehr nahe gewesen seien», seien wichtige Stellen beim Kanton inzwischen neu besetzt – was die Bauern als Neuanfang für eine künftig gedeihliche Zusammenarbeit sehen.
Das Ererbte gut fortführen
«Unsere Vorfahren haben das Land seit Generationen gepflegt. Wir führen die Pflege gerne weiter», bekannte sich Elisabeth Schnyder namens der Bewirtschafter. «Doch wollen wir fair behandelt werden.» Anwältin Veronika Britt aus Mollis, die das Verfahren geführt hatte, beklagte, «wie unfair, faktenfrei und oft auch am Buchstaben des Gesetzes vorbei derzeit auf allen Ebenen Recht durch Faktensetzung ausgehebelt wird.» Sie betonte, dass nun ein kompletter Neuanfang nötig sei. Denn insbesondere habe das Gericht bemängelt, dass zum Erlass einer Schutzzone und eines Pflegeplanes – als Auftrag an die Bewirtschafter – die nötigen fachlichen Grundlagen bezüglich Flora und Fauna fehlten und immer noch fehlen. Ob es, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, überhaupt noch eine Schutzzone brauche, sei fraglich. Das Naturschutzrecht verlange nämlich ausdrücklich, dass «Schutz und Unterhalt der Biotope wenn möglich aufgrund von Vereinbarungen mit den Grundeigentümern und Bewirtschaftern erreicht werden sollen.» Das Problem seien «nicht die Landwirte, sondern vielmehr die Biologen, die zwar stets Forderungen stellten, aber nicht imstande seien, hilfreiche Pflegeanweisungen zu geben.»
Biologie kann überraschen
Auch Biologe Marcel Züger, der selber Moorgebiete pflegt, sparte nicht mit Kritik. Das Niederriet habe zwar grosses Potenzial, doch seien hier in den letzten Jahrzehnten umfangreiche Flächen verwaldet. Um das Schutzgebiet aufzuwerten, müsste, so Züger, vor allem das Pflegeregime verbessert werden. «Die Bauern haben sich an die Vorgaben gehalten, dennoch hat sich das Gebiet laufend verschlechtert. Da müssen wir Biologen über die Bücher und das Mähregime verbessern.» Die Schutzplanung vom kantonalen Amt wollte einfach breitere Pufferzonen ausweisen. Dafür sieht Züger keinen Bedarf. «Es gibt bereits Pufferstreifen, und wenn sie zu schmal wären, dann müsste man das der Vegetation ansehen.» Es seien aber keine Randeinflüsse sichtbar. Die Riedfläche sei sogar grösser geworden. Es fehle also nicht an Schutzbeschlüssen, sondern an massgeschneiderter Pflege.
Naturschutz und Landwirtschaft
Da das Verwaltungsgericht den Schutzbeschluss samt der Zonierung an den Regierungsrat zurückgewiesen hat, liegt der Ball beim Departement Bau und Umwelt von Regierungsrat Thomas Tschudi. Darin, dass eine Juristenstelle geschaffen wurde, sehen die Bauern kein positives Signal – sie wollen von Anfang an einbezogen werden, sie wollen echte Verhandlungen mit Partnern, «welche die Ökologie verstehen» und auch Erfahrung in Landwirtschaft und praktischer Landschaftspflege haben. «Wenn Naturschutz und Landwirtschaft auf Augenhöhe zusammenarbeiten, kann das Gebiet wieder zu einem echten Juwel werden.»




