Familienerlebnis oder spontanes Wettkampfabenteuer – der Berglauf Filzbach–Habergschwänd ist beides

Schon eine Schnapsidee, dachte ich, so lausig trainiert beim Glarner Berglauf mitzumachen, oder? Als Kollege C. letzten Dienstagabend meinte, wir sollten uns vielleicht zum Joggen motivieren, meinte ich es deshalb nicht ganz ernst mit der Antwort, wir könnten ja auch schnell zum Feierabend noch, die 5,3 Kilometer und 576 Höhenmeter des Habergschwänd-Laufes absolvieren.



Aber der Südtiroler Pistenpatrouilleur, letzte Saison in Braunwald stationiert, nahm an. So waren wir zusammen mit 75 weiteren Läuferinnen und Läufern sehr spontan an der 23. Austragung des schönsten Glarner Berglaufs beteiligt, ein Wettrennen, das Kampf, Konzentration, malerische Landschaft und sportliche Kollegialität auf beste Weise verbindet.

Das Wetter war noch unschlüssig, als wir uns um 19.00 Uhr in Filzbach gleich nach der Brücke auf der Kerenzerbergstrasse zum Massenstart sammelten. Immerhin war es noch trocken, aber bedeckt und kühl, und am Ziel oben sollte die kalte Dusche folgen. Als Ruedi Menzi vom menzi-sport Filzbach das Startkommando donnerte, stürmten vorne die Schnellen wie üblich davon, wie an einer Stampede das Rindvieh, die Nordic-Walkerinnen und -Walker klickerten fröhlich dem Feld hinterher. Dieses zog sich auf dem ersten leicht abfallenden Strassenabschnitt in die Länge, sodass eine erste Rangierung bereits ausgefochten war, als man scharf rechts auf den ersten richtig steilen Abschnitt einbog. Noch reichte der Atem zum Scherzen, der Patrouilleur kalauerte von einem gemütlichen Fernsehabend. Ich biss mich beherzt ins steile Gelände, wild entschlossen, nicht aufzugeben und nicht Letzte zu werden. Das hiess, die anderen nicht mehr allzu zahlreich an mir vorbeiziehen zu lassen, aber auch mich nicht zu überschätzen und davonzujagen! Seit je haben an diesem hervorragenden Glarner Sportanlass freundschaftliche Plaudereien neben unerbittlichen Zweikämpfen Platz. Auf der Passage durch eine Kuhweide war es endlich richtig matschig, der Weg war stellenweise knöcheltief mit einer Wasser-Erde-Kuhmist-Zubereitung bedeckt. Jetzt war mein Abenteuer komplett – und einem der Spitzenläufer habe der schmatzende Schlamm sogar einen Laufschuh ausgezogen! Am Talalpsee warteten die fürsorglichen Helferinnen vom Skiclub Mürtschen mit einer Erfrischung, danke, nein, so wie ich am Schnaufen war, ging da kein Wasser gefahrlos in den richtigen Hals!

Ungefähr ab hier waren auch die Kleinen gestartet, deren Bereitwilligkeit und Talent mich immer wieder verblüfft. Oft beteiligen sich auch ganze Familien am Lauf, so taten heuer drei kleine Nadig-Mädchen, ihr Bruder und die Eltern Nadig aus Mols erfolgreich mit. Am Ziel war das Wetter garstig geworden, Regen 14°C, steht auf der Zeitmessung nüchtern. Obwohl in Finisher-Euphorie und mit heissem Kopf, war ich froh, dass die Helferinnen vom Skiclub Mürtschen nicht nur für reichlich Energiegetränke gesorgt hatten, sondern auch für genügend Shuttel-Plätze, um nach Filzbach zurück zu gelangen. Einige der Läufer hatten mich natürlich schon während des Rennens gekreuzt, sie plaudernd oder mit freundlichem, vielleicht etwas gönnerhaftem «Heja!» locker talwärts trabend, ich in den letzten Zügen mit rotem Kopf und verzerrtem Gesicht ...

Eine Gruppe von vier Personen war unglücklicherweise von einer Markierung für Holzarbeiter in die Irre geleitet worden; auch sie kamen heil ins Ziel und durften ihrem Rang damit noch einen Umweg anrechnen. Ansonsten war das Ereignis zum Glück ohne grobe Zwischenfälle verlaufen.