Fast vergessene Gassen für die Geiss

Hier ein Flurname, da ein Wegstück mit Mäuerchen links und rechts: Das ist meist alles, was im Glarnerland an die früher rege genutzten Geissgassen erinnert. Mehrere Projekte sollen nun beitragen, dass diese Zeugen der alten Kulturlandschaft nicht in Vergessenheit geraten.



Geissgassen wurden früher angelegt, damit die Geisser ihre Tiere zielgerichtet vom Dorf durch die Wiesen und Wälder hinauf zu guten Ziegenweiden treiben konnten. Die Wege befestigte man in der Regel auf beiden Seiten mit Steinmäuerchen, sogenannten Trockenmauern. Mit dem Rückgang der Ziegenhaltung verloren die historisch interessanten Wege an praktischer Bedeutung.

Mithilfe aus der Bevölkerung


Auf den letztjährigen Geissgassen-Aufruf des Naturzentrums Glarnerland, des Vereins Glarner Wanderwege und der kantonalen Abteilung Landwirtschaft hin meldeten sich 23 Personen. Gemäss ihren Angaben werden in mindestens 12 Glarner Dörfern noch intakte Geissweg-Strecken oder Restspuren solcher vermutet. Während einige Geissgassen schon gut dokumentiert sind, weiss man bei anderen wenig über ihre frühere Nutzung.

Gegen das Vergessen


Nun sollen die Geissgassen mit ihren Geschichten systematisch erfasst werden, damit dieses Glarner Natur- und Kulturwissen nicht ganz vergessen geht. Die Naturschutzkommission der Naturforschenden Gesellschaft Glarus erarbeitet hierzu eine erste Kartiergrundlage, welche dieses Jahr an einigen Gassen überprüft wird. Neben historischen, landwirtschaftlichen und touristischen Kriterien soll dabei insbesondere der Naturwert der trockenmauergeprägten Wege vor Ort angeschaut werden. Denn Trockenmauern sind wertvolle Lebensräume für unzählige Pflanzen und Kleintiere.

Im Weiteren befasst sich aktuell eine Semesterarbeit an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) unter dem Titel «Geissgassen im Kanton Glarus im Wandel: Wiederentdecken und In-Wert setzen von historischen Wegen» mit den alten Pfaden. Der Kanton klärt zudem ab, wie eine Geissgasse am Beispiel Mitlödi–Schwändi wieder als historisches Kulturlandschaftselement instand gestellt und der Bevölkerung näher gebracht werden könnte.

Tag der offenen Baustelle am 21. Juli 2016


Das Erstellen von Trockenmauern setzt eine aufwendige Bautechnik voraus. Denn die Mauern werden nur mit Steinen und ohne Mörtel aufgeschichtet. Wer diese traditionelle Baukunst bestaunen und gar selber Hand anlegen möchte, kann dies am Tag der offenen Trockenmauer-Baustelle der Stiftung Umwelteinsatz Schweiz tun. Der Anlass findet am Donnerstag, 21. Juli, von 10.00 bis 16.00 Uhr in Ennenda statt. Treffpunkt ist beim grossen Gässlistein an der Uschenrietstrasse in Ennenda. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Kontakt: Stiftung Umwelteinsatz Schweiz, Mathias Steiger, [email protected], Tel. 079 204 48 62, www.umwelteinsatz.ch.

Kontakt Geissgassen:


Naturzentrum Glarnerland, im Bahnhofsgebäude Glarus, Postfach 560, 8750 Glarus
[email protected], Telefon 055 622 21 82
www.naturzentrumglarnerland.ch