Faszination Orgel: Jakob Wittwer in der Stadtkirche

Der Horgener Organist und Hochschullehrer Jakob Wittwer gab am Sonntagabend sein erstes Konzert in der Stadtkirche Glarus. In dem als „äusserst attraktiv“ angekündigten Konzertprogramm brillierte er mit Buxtehude, Liszt, Widor, Johann Sebastian Bach und mit selbst komponierten Stücken.



Jakob Wittwer am Spieltisch der Orgel der Stadtkirche Glarus. (Bild: mst.)
Jakob Wittwer am Spieltisch der Orgel der Stadtkirche Glarus. (Bild: mst.)

Zum ersten Mal spielte Jakob Wittwer, Organist der reformierten Kirche Horgen und Lehrer an der Musikhochschule Luzern, in der Stadtkirche Glarus. Emanuele Jannibelli, der hiesige Hauptorganist, meinte in seiner Begrüssungsansprache, damit gehe ein von ihm schon lange gehegter Wunsch in Erfüllung – denn Wittwer war Jannibellis erster Lehrer.

Eigenkompositionen: „Gratulationen 1985“

1985 feierte man das „Europäische Jahr der Musik“: Jubiläen von Johann Sebastian Bach, Domenico Scarlatti, Georg Friedrich Händel und Heinrich Schütz standen an. Zu diesem Anlass schrieb Jakob Wittwer pro Komponist je eine musikalische Gratulation. Und zwar in derjenigen Gattung, in der (unter anderen) die entsprechenden Komponisten Meister waren: für Bach eine Toccatina, für Scarlatti eine Sonatine, für Händel eine Ouvertüre und für Schütz Variationen.

Alle klangen sie modern, schnell und quirlig, mal dezent, mal furchteinflössend mächtig. Die meisten waren eher disharmonisch. Das bei Weitem gehörfälligste Stück war dasjenige für Schütz, das aber trotzdem nicht einer gewissen Eigenwilligkeit entbehrte.

Buxtehude und Johann Sebastian Bach

Dietrich Buxtehudes Passacaglia (Formbegriff für eine variierende Reihung gleichartiger Abschnitte) in d-moll fängt leise an und windet sich mit einer schnellen Oberstimme über drei verschiedene Tonarten bis ins Forte empor. Das Stück wirkte melancholisch, hatte aber ein paar Aufhellungen.

Das Pièce d`Orgue in G-Dur BWV 572 klang wohltuend harmonisch, gut austariert, schöpfte aus dem Vollen. Das dreiteilige Werk trägt auch den Titel „Fantasie“ und ist ausgesprochen improvisatorisch. Im Mittelteil wird ein einfaches Thema in immer kühneren harmonischen Steigerungen verarbeitet.

Liszt und Widor

„Ave Maris Stella“ von Franz Liszt, ein Lobgesang an die Jungfrau Maria, ist ein kurzes Stück, das leise beginnt, einfache Melodien beinhaltet und zwischen piano und forte changiert. Viele andere Komponisten wie Edvard Grieg und Claudio Monteverdi haben ebenfalls ein „Ave Maris Stella“ komponiert.

Charles-Marie Widor (1844 – 1937) ist ein Repräsentant der sinfonischen Orgel und der Schöpfer der Orgelsinfonie. Die „Symphonie Gothique“ op. 70 von 1895 komponierte er zur Einweihung der Orgel der Kirche St. Ouen in Rouen. Dabei verwendete er im gesamten Werk gregorianische Themen. Das Andante ist lieblich-zart, die Moderatos modern und nicht sehr harmonisch. Das Stück endet wuchtig in Dur.