Festschrift zum 250-jährigen Bestehen der Kirche Ennenda

Nach einem längeren Unterbruch konnten die frisch renovierte Kirche und das umfassend und sorgsam sanierte ehemalige Unterrichtszimmer im Erdgeschoss des Pfarrhauses beinahe mit Beginn des Oktobers wieder genutzt werden. Eine erfreuliche Zahl von Interessierten nahm an diesem Anlass teil. Im Gedenken an den ersten Pfarrer wurde das Unterrichtszimmer, in dem früher sogar Schulunterricht, Konfirmandenunterricht, Kaffeestube, Versammlungsraum und kirchlicher Unterricht angeboten waren, in Johannes-Marti-Saal umbenannt. Den ersten Gottesdienst in der wieder hellen, in freundlichem Weiss gehaltenen Kirche, gestaltete Pfarrerin Iris Lustenberger aus.



Die frisch renovierte Kirche in Ennenda (Bilder: peter meier)
Die frisch renovierte Kirche in Ennenda (Bilder: peter meier)

Die sorgsam ausgearbeitete Festschrift präsentierten deren Verfasser Hans Thomann und Ivo Oertli, Kirchenratspräsident. Sie hatten ganz viele Fakten zusammengetragen, sich im Landesarchiv Glarus wohl stundenlang aufgehalten, Bildmaterial gesucht und weitere Dokumente studiert. Dr. Daniel Brunner verfasste zudem einen Bericht über die Entwicklungszusammenarbeit, die 1980 mit der Unterstützung von Projekten in Senegal ihren Anfang nahm.

Hans Thomann wies auf das vier Teile enthaltende Kirchenbuch von Johannes Marti-Jenny, dem ersten Pfarrer von Ennenda, hin. Sehr detailliert hat er die Vorgänge um den Kirchenbau aufgezeichnet. So ist unter anderem nachzulesen: «Kirchen/Buch einer wohlersamen evangelisch-reformierten Gmeind Ennenda, wovon der erste Theil enthaltet; eine ausführliche Geschichte, vom ganzen Kirchen//bau». Und der zweite Teil «enthaltet die Verabkommnissen, Verhandlungen und Erkennntnissen». Die Rede ist in diesem Zeitzeugen auch von den «Ratificationen, die den hiesigen Kirchen//bau betreffen, der Auskauf von Glarus, usw.». Aufgezeichnet sind auch die vielen Unterstützungen von «Ehrenleuten oder gantzen Gemeinden, wie auch von der hohen Obrigkeit im Namen unseres evangelischen Standes …und gutmüthigen bekannten Freunden.»

Die Grussworte in der Festschrift stammen von Kaspar Becker, Landammann; Peter Aebli, Gemeindepräsident; Andreas Hefti, Synodalpräsident; Sebastian Doll, Präsident des Kantonalen Kirchenrates; Iris Lustenberger, Gemeindepfarrerin und Ivo Oertli, Kirchgemeindepräsident.
Die Bedeutung der Kirche als zentraler Ort, der Ruhe und Raum vermittelt, die bauliche Schönheit der Ennendaner Kirche, Gedanken an eine Fusion, Leben in der Dorfgemeinschaft und Vernetzung mit Nachbargemeinden, Selbstwertgefühle, Zukunftsglaube, gemeinsames Handeln unter dem Motto «Mir mitändand», Mitgliederschwund, Lob und Dank, Erfahrungen und Botschaften in Zeiten der Trauer und Verzweiflung, das Privileg in Ennenda wirken zu dürfen, Kirche als Ort der Lebendigkeit, engagiertes Miteinander, Zeitgeist und Zukunft, Visionen – vieles ist in den unterschiedlichen Botschaften ausformuliert.

Der Kirchenbau im Jahre 1774 erfolgte in der Rekordzeit von sieben Monaten und wurde realisiert, weil es die Kirchgenossen echt satt hatten, bei jedem Wind und Wetter die Gottesdienste im benachbarten Glarus zu besuchen. So hätten am 5. Januar 1774 etliche «Herren Tagwenleute den klaren Willen zur Selbständigkeit geäussert». Glarus habe die Ennendaner nur ungern aus der kirchlichen Gemeinschaft entlassen.
Und bereits am 12. Januar des gleichen Jahres bewilligte die Bürgergemeindeversammlung den Bauplatz in der Oberen Allmeind. Das für den Bau notwendige Holz wurde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Leiter aller Bauarbeiten war Schatzvogt Fridolin Jenny, ihm stand Hauptbaumeister Johann Jakob Messmer aus dem thurgauischen Erlen zur Seite. Am 17. März wurde mit dem Aushub begonnen, bereits am 1. Oktober wurden die erste vier Glocken aufgezogen. Am 23. November erfolgte die Pfarrwahl.
«Runde Geburtstage» wurden in späteren Jahrzehnten in würdiger, passender Form gefeiert. Es scheint übrigens, dass das erste Gotteshaus auf Ennendaner Boden rund 500 Jahre vorher als Kapelle auf dem sogenannten «Burgstein» stand.

Das Ennendaner Pfarrhaus, unweit der Kirche, wurde 1776 fertiggestellt. Den Auftrag bekam Hans Jakob Messmer.
Der Bau von Kirche und Pfarrhaus sind in der Festschrift detailliert aufgeführt. Zuweilen waren bauliche Änderungen notwendig.

Beim aufmerksamen Durchlesen fällt auf, dass einige Pfarrherren über Jahrzehnte hinweg tätig waren. Eine der Amtsdauern umfasste sagenhafte 38 Jahre, Grossvater, Vater und Sohn Marti amteten während 100 Jahren, die Familie Trüb 75 Jahre lang. Zwei Pfarrerinnen und dreizehn Pfarrer sind für die insgesamt 250 Jahre erwähnt.

Zum kirchlichen Leben

Es gab einst den sogenannten «Sillstand», diese «Aeltesten» waren «eigens zur Unterhaltung guter Sitten, der Kirchenzucht und Ordnung» eingesetzt. Sie waren auch Vorgesetzte des Pfarrers und behandelten sogar Ehestreitigkeiten.

Es wurde sehr darauf geachtet, dass neben dem Hauptgottesdienst auch die Wochengottesdienste, Sonntagabendgebete und Beerdigungsgottesdienste gut besucht wurden und dass die gesanglichen Qualitäten befriedigend ausfielen.

Die Kirchgemeinde hatte – dies ein weiterer Teil des Festführers – vier verschiedene Orgeln, die letzte stammt aus dem Jahre 1967. Darüber wird ausführlich geschrieben. Zum kirchlichen Leben gehören Musik, Konzerte und der Kirchenchor. Schon früher gab es stark beachtete und gut besuchte Angebote.

Die Entwicklungszusammenarbeit nimmt im Festführer sinnrichtigen Platz ein. Dr. Daniel Brunner berichtet mit viel Wertschätzung und Dankbarkeit über diese Hilfe zur Selbsthilfe». Die Ennendaner haben sich seit 1980 nachhaltig und grosszügig spendend in Senegal eingesetzt. Es kamen bis 1923 für verschiedene Projekte mehr als eine Million Franken zusammen.
Berichtet wird auch über Belastendes, dies mit Bezug auf die Arbeit der verschiedenen Kirchenbehörden.

Zur Neuzeit der umfassenden Fülle an Wissenswertem, zuweilen auch recht Unterhaltsamem, gehören Gedanken zur Zukunft. Es äussern sich Ursula Horner, Sekretärin der Kirchgemeinde; Marco Wülser, Kirchenrat und Synodaler; Markus Bissig, Sigrist und Ruth Illi, Organistin.

Es ist in den Kapiteln «Auf der Suche nach dem Ursprung», «Aufschwung in Ennenda», «Im Zeichen der Weltkriege», Einzug in das neue Jahrtausend», «Die Neuzeit» und «Und was bringt die Zukunft» Interessantes, Wechselvolles nachzulesen.

Hans Thomann zitierte beispielsweise den Reiseliteraten Johann Gottfried Ebel, der im Glarnerland um 1792 unterwegs war und die Schönheiten von Ennenda und Ennetbühls schon fast überschwänglich rühmte aber an den Gebäuden von Glarus keinen guten Faden liess. Im Hauptort herrsche «die Schlichtheit eines republikanischen Hirtenvolkes im höchsten Grad».

Höchst versöhnlich waren die Worte von Pfarrerin Iris Lustenberger zum Johannes-Marti-Saal. Hier solle der Heilige Geist leben, einem bunten Vogel gleich, der sich nicht einsperren lasse, Fantasievolles liebe und Raum für gar vieles biete.

Beim offerierten Apéro liess sich gut verweilen und plaudern oder im käuflich erworbenen Festführer schon mal blättern und ein klein wenig lesen.