Finale – Glarner Madrigalchor verabschiedet sich (Teil 1)

In bewegender, sehr ansprechenden und wahrlich kunstvoller Weise hat sich der von Niklaus Meyer über exakt achtundvierzigeinhalb Jahren musikalisch geführte Glarner Madrigalchor mit einem ganz besonderen Konzert im Saal des Gemeindehauses Ennenda aus der glarnerischen Kulturszene und damit von seinem treuen Publikum und den stets verständnisvoll mittragenden Sponsoren verabschiedet.




Dass es sich um einen speziellen Anlass handelt, wurde mit dem Betreten des Gemeindehauses sofort klar. Mir grossformatigen Farbfotos wurde auf Opernprojekte aus vergangenen Jahrzehnten hingewiesen. Ordentlicherweise in Schaufenstern stehende Modelle trugen Kostüme – nochmals wurde damit auf Opern wie Acis und Galatea, Orfeo ed Euridice hingewiesen. Man erahnte, was dieser Chor an Ausserordentlichem geleistet hat.

Das lange Konzert war so etwas wie eine musikalische Zusammenfassung von Vergangenem und Gegenwärtigem. «Finale» – so der Titel – barg etwas Endgültiges, Abschliessendes, war auch Anlass eines Innehaltens auf dem stets bewegenden Weg des intensiven Auseinandersetzens und Erarbeitens bis hin zu jeweils Konzertreifem. Zum bewegenden – allerletzten – Auftritt gehörten kurze Kompositionen von Franz Schubert, Claudio Monteverdi und Hugo Distler; die kommentierte Uraufführung von Peter Wettstein (geb. 1939) mit dem Titel «Über Schmetterlinge und Wolken» mit Texten von Novalis, Mtsuo Basho, Dschuang Dsi und Hermann Hesse und – zur Erinnerung an die erste Opernaufführung – Teile aus Händels «Acis und Galatea».

Die Chorgemeinschaft hatte sich – noch einmal – intensiv über Monate hinweg mit Wechselvollem, sehr Anspruchsvollem auseinandergesetzt. Niklaus Meyer verstand zu motivieren, mit viel Geduld, Beharrlichkeit und riesiger Kompetenz. Einiges gelang fast mühelos, weckte noch einmal viele Emotionen und Erinnerungen, anderes gab gewaltig zu «kauen». Es war vor allem die Uraufführung von Peter Wettsteins «Über Schmetterlinge und Wolken», die viel Ungewohntes zum Inhalt hatte. Der Chor konnte kaum einmal länger und zusammenhängend gestalten, es waren kurze Einwürfe mit ungewohnter Dynamik und Harmonien, es galt zu flüstern, zu rufen, in selbstgewähltem Auf und Ab ganz kurze Momente zu gestalten. Die beiden Solisten Catriona Bühler, Sopran und Robert Koller, Bariton, das begleitende Galatea Quartett mit Yuka Tsuboi und Sarah Kilchenmann (1. und 2. Violone); Hugo Bollschweiler (Viola) und Julien Kilchenmann (Violoncello) gestalteten mit dem Chor beeindruckendst und in packender Weise aus. «Acis und Galatea» für Chor, Solisten und alle Instrumentalsten, zusätzlich mit Martin Zimmermann am Cembalo und dem Kontrabassisten Andres Martinez war der festliche, farbige und wehmütig stimmende dritte Teil.