Flehen, Beten, Lobpreisung – Kirchenkonzerte in Mollis und Linthal

Mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Henry Purcell luden der Glarner Singverein (Moses Kobelt, Einstudierung und Orgel), das Glarner Kammerorchester (Leitung: Reto Cuonz) mit den Solisten Kathi Stahel, Sopran; Annika Langenbach, Alt; Joel Morand, Tenor und Serafin Heusser, Bass) zu Konzerten in den Reformierten Kirchen Mollis und Linthal ein. Erfreulich viele Personen kamen und nahmen an diesem abwechslungsreich zusammengestellten, die Interpreten sehr fordernden Begegnen teil.




Man spürte bald, dass enorm sorgsam einstudiert worden war, dass auch dem kleinsten Detail die notwendige Beachtung geschenkt worden war. Die Chorgemeinschaft sang beeindruckend, vom feinsten Piano bis hin zum strahlenden Forte, nie überzeichnend, sehr diszipliniert aufeinander abgestimmt. Hin und wieder waren die Einsätze recht exponiert, das wurde geschickt gemeistert. Beseelt, mit grosser Innigkeit und kraftvoller Überzeugung wurde interpretiert, wurde von der christlichen Botschaft erzählt. Demut, Anbetung, Lobpreisung, Flehen, Glückseligkeit, Fragen, Verharren, Hineilen – alles hatte gebührend Raum. Man wünschte sich zuweilen, dass die Inhalte dieser Botschaften in unserer Gesellschaft einen ewigen Platz finden könnten. Der reifen Ausgestaltung der Chorleute und Solisten stand das Orchester in nichts nach. Es wurde feingliedrig, wenn erforderlich mit grosser Dichte und Kraft ausgedrückt. Die Leichtigkeit und Eleganz des Spiels wussten zu gefallen. Die Intentionen des Gesamtleiters Reto Cuonz wurden von allen mit begrüssenswerter Direktheit aufgenommen und musikalisch umgesetzt. Es war äusserst beeindruckend, wie präsent der Dirigent war, wie klar und direkt er zu fordern wusste und wie die Vielzahl der Intentionen von den Interpretierenden aufgenommen und umgesetzt wurde.

Mit dem festlichen «Te Deum» in C-Dur, KV 141, von Wolfgang Amadeus Mozart wurde in Festliches, Inniges, viel Ruhe und Lobpreisung Enthaltendes eingeführt. Man spürte die innere Kraft und Freude, die vom Chor und dem Orchester ausging. An der Orgel begleiteten Moses Kobelt mit gebührender Zurückhaltung.

Mit einem luftigen, fröhlichen, viel Verspieltheit offenbarenden Divertimento in F-Dur, KV 138, für Streicher erfolgte eine willkommene Weiterführung. Die Fülle an Grazie, Anmut und Verspieltheit war ansteckend schön. Man begab sich gerne in diese ganz andersartige, so viel Positives enthaltene Welt. Das Kammerorchester gestaltete mit beeindruckender Schönheit und stiller Kraft aus. Diese Unbeschwertheit hätte man noch recht lange geniessen können.

Henry Purcells Schaffen offenbarte andere Strukturen, Ernsthaftes, inniges Flehen und Lobpreisen kamen zum Tragen, die Ewigkeit der Schöpfung wurde innig gepriesen. Es schlossen Gebete an, «Remember not Lord, our offences» von Purcell und «Ave verum, corpus» von Mozart. Viel Andacht, Innigkeit, Gedanken an den Tod wurden besungen, verhalten, wenn es erforderlich war, kraftvoll und innig in anderen Passagen. Die Texte gehören gewiss zu einer anderen Zeit, aber die geäusserten Botschaften ragen in unsere Zeit hinein, sie wollen gehört sein.

Die Kirchensonate in D-Dur, KV 245 von Mozart ist für zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass und Orgel geschrieben. Lebendigkeit, Frohmut, viel Anmut und Freude klangen auf in diesen Wechseln und dem Miteinander. Zuweilen dominierte die Orgel ein wenig, was aber der Schönheit dieser Komposition keinen Abbruch tat.

Und mit der «Missa brevis» in d-Moll, KV 65 endete dieses innige Begegnen. Der Chor hatte zeitweise sehr fordernde Einsätze, die grosse Aufmerksamkeit erforderten. Versöhnliches, Kraftvolles und Ergreifendes kamen mit den verschiedenen Botschaften auf. Das Hinhören war erfüllend. Und mit grossem, sehr verdientem Applaus wurde allen gleichermassen herzlich und anerkennend gedankt – derart, dass es sogar zu einer Zugabe kam.