Fotovoltaikanlagen – Potenzial im Glarnerland soll ermittelt werden

Der Regierungsrat unterstützt das Anliegen, die Förderung von Fotovoltaikanlagen mit einem überdurchschnittlichen Winterertrag zu prüfen. Er beantragt dem Landrat, ein entsprechendes Postulat zu überweisen.



Am 12. Januar 2020 reichte die BDP/GLP-Fraktion das Postulat «Mehr Solarstrom im Winter» ein. Darin fordert sie, zu prüfen, inwiefern Fotovoltaikanlagen mit überdurchschnittlichem Winterertrag aus dem Energiefonds unterstützt werden können.

Stellungnahme des Regierungsrates

Ausbau erneuerbarer Energien

Im Mai 2017 hat das Schweizer Stimmvolk die Energiestrategie 2050 angenommen. Diese bezweckt, Energie effizienter einzusetzen, die fünf Schweizer Kernkraftwerke am Ende ihrer sicherheitstechnischen Lebensdauer nicht mehr zu ersetzen und dafür mehr Elektrizität aus erneuerbaren Quellen zu produzieren. Aufgrund der bisherigen Entwicklungen dürften diese Zielwerte nicht erreicht werden, weshalb zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Zurzeit ist deshalb eine Änderung des eidgenössischen Energiegesetzes mit dem Ziel einer vermehrten Nutzung von erneuerbaren Energien in der Vernehmlassung. In der Vorlage sind unter anderem auch neue Förderinstrumente für erneuerbare Energien wie Fotovoltaik und Wasserkraft (Ablösung der Einspeisevergütung durch Investitionsbeiträge) vorgesehen. 

Produktion von Winterstrom mit Fotovoltaik

In der Schweiz wird deutlich mehr Winterstrom (34,5 Terawattstunden) als Sommerstrom (28,4 Terawattstunden) verbraucht. Die Fotovoltaik als potenziell wichtigste neue erneuerbare Energiequelle in der Schweiz zeigt typischerweise ein gegenteiliges Verhalten. Eine typische Dachanlage im schweizerischen Mittelland produziert im Winter nur etwa 25–30 Prozent des Jahresertrags. Das Bundesamt für Energie (BFE) empfiehlt, Fassadenanlagen künftig besser zu fördern. Mit dem künftigen Wegfall von Kernenergie muss in der Schweiz zusätzliche Elektrizität produziert werden, vor allem auch im Winter. Übliche Fotovoltaik-Dachanlagen im schweizerischen Mittelland eignen sich dafür nicht gut. Hingegen weisen Anlagen im alpinen Raum eine überdurchschnittliche Winterproduktion auf.

Förderung von Winterstrom

Die Förderung der Elektrizitätsproduktion aus erneuerbaren Quellen erfolgt bisher schweizweit mit Einspeisevergütungen und mit Investitionsbeiträgen. Der Kanton Glarus stellt wie die meisten anderen Kantone keine eigenen Förderinstrumente zur Verfügung. Im Rahmen dieser bundesweiten Förderung werden beträchtliche Summen an Einspeisevergütungen ausbezahlt. Im Kanton Glarus wurden 2019 für 35 Wasserkraftwerke rund 17,6 Millionen Franken, für 83 Fotovoltaikanlagen rund 0,6 Millionen Franken und für ein Biomassekraftwerk rund 0,35 Millionen Franken jährliche Einspeisevergütungen sowie eine nicht bekannte Summe für einmalige Investitionsbeiträge an Fotovoltaikanlagen ausbezahlt. Für grosse Fotovoltaikanlagen sind im neuen eidgenössischen Energiegesetz künftig Ausschreibungen (Auktionen) vorgesehen. Jener Produzent erhält den Zuschlag, der eine bestimmte Menge Energie am günstigsten produzieren kann. 

Auch der Bund thematisiert also zurzeit die Winterproduktion von Fotovoltaikanlagen und diskutiert Lösungsansätze. Die Umsetzung ist noch unklar. Der Regierungsrat des Kantons Glarus wird sich für eine stärkere Förderung von Fotovoltaikanlagen mit bedeutender Winterproduktion einsetzen. Es ist sinnvoll, wenn eine schweizweite Lösung gefunden wird. Andernfalls wären kantonale Förderinstrumente und das vorhandene Potenzial zu prüfen. Das Potenzial für alpine Anlagen oder Fassadenanlagen im Kanton Glarus ist zwar beschränkt, aber es gibt verschiedene mit Stromnetzen erschlossene, geeignete Standorte wie Seilbahnstationen und hochgelegene Siedlungsgebiete wie Braunwald, Mullern, Schwändital, Ennetberge oder Weissenberge, wo Fassadenanlagen an mehrstöckigen Gebäuden möglich wären.

Schlussfolgerung

Der Regierungsrat unterstützt das Anliegen, die Förderung von Fotovoltaikanlagen mit einem überdurchschnittlichen Winterertrag zu prüfen. Für die weitere Prüfung muss beachtet werden, wie die künftige Förderung von Fotovoltaikanlagen in der Schweiz ausgestaltet wird und ob dabei eine überdurchschnittliche Winterproduktion gebührend berücksichtigt wird. Das Potenzial im Kanton Glarus muss genau ermittelt werden.