Freiwilligenarbeit ist Eckpfeiler unserer Gesellschaft

Ein positiveres Jahresergebnis, die Wahl eines neuen Vorstandsmitglieds und die Kritik der aktuellen Lage im Gesundheitswesen prägten die Generalversammlung der Glarner Krankenversicherung.

Die Vorstellung von Pro Senectute Glarus zeigte im Anschluss das breite Angebot der Einrichtung.

 



Präsident Hansruedi Zopfi begrüsst zur 16. GV der Glarner Krankenversicherung. (Bilder: Barbara Bäuerle-Rhyner)
Präsident Hansruedi Zopfi begrüsst zur 16. GV der Glarner Krankenversicherung. (Bilder: Barbara Bäuerle-Rhyner)

Es war die 16. Generalversammlung, die am 8. Mai im «Adler» Schwanden stattfand. Präsident Hansruedi Zopfi begrüsste dazu 51 Stimmberechtigte. «D´Wegwiiser händ kä Wurzlä, mä chu si rundum drüllä. Und meinsch du heigsch ä Brunnä gsi, stahsch zeismal idr Güllä», zitiert Zopfi ein Gedicht von Georg Thürer.

Kritik an Pflegewegweiser

Damit leitet der Präsident sinnbildlich zur aktuellen Situation im Schweier Gesundheitswesen ein. «Freiwilligenarbeit war in der Schweiz im vergangenen Jahrhundert einer der wichtigsten Eckpfeiler, damit unser Land zu Wohlstand kam», kritisiert er die auch per TV beworbene Institution Pflegewegweiser GmbH. «Auf dem Rücken der Steuer- und Prämienzahlenden werden einzelne Menschen mit diesem Modell unverschämt reich», so Zopfi.

Die Grundversicherung zahlt für Pflege zu Hause 52.60 Franken pro Stunde, Gemeinde und Kanton legen 20 bis 30 Franken drauf. Lediglich 37.90 Franken pro Stunde davon gehen an das pflegende Familienmitglied.

2023 war der Umsatz der Firma Pflegewegweiser Schweiz eine Million Franken, 2025 waren es 48 Millionen. Massive Kritik am Geschäftsmodell der Organisation und der Vorwurf der Gewinnmaximierung auf Kosten der Prämienzahlenden kam indes auch von grossen Krankenversicherern.

Zopfi betont klar den Wert der Pflege in der Familie, sieht im aktuellen System aber enormen Profit für Drittpersonen. «Einmal mehr ist aufgrund von nicht durchdachten Gesetzesänderungen eine Situation entstanden, die auf Kosten der naiv- und sorglosen Allgemeinheit Firmen reich macht.»

Neuer Geschäftsleiter

Mit Thomas Reich übernahm im letzten Jahr ein neuer Geschäftsleiter. Er wird durch Stellvertreterin Catia Brunnenmeister unterstützt. Als Zeichen der dringenden und nötigen Aufgabe die hohen Verwaltungskosten zu reduzieren, betont Zopfi die Reduktion der Stellenprozente in der Geschäftsleitung auf 160%. Der angestrebte Genossenschaftszweck attraktiver Prämien soll – nach der massiven Prämienerhöhung und daraus resultierenden Verlust von über 4000 Grundversicherten im letzten Jahr – verfolgt werden.

5,1 Mio Gewinn

Mit der 2025 unerwarteten und deutlichen Prämienerhöhung startete auch der Geschäftsleiter Thomas Reich seine Erläuterungen. «Im Laufe des Jahres 2024 wurde klar, dass die finanzielle Basis der Glarner Krankenkasse wieder gestärkt werden muss», zeigt Reich auch die jährliche Überprüfung der Krankenkassen mittels der Solvenzquote durch das Bundesamt für Gesundheit, auf.

«Der hohe Gewinn von 5,17 Millionen war dringend notwendig und ist mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen», bringt der Präsident den Antrag des Vorstandes den Reingewinn 2025 den Gewinnreserven zuzuweisen, was aus gesetzlichen Gründen vorgeschrieben ist und einstimmig angenommen wurde.

Kauffer folgt auf Schneider

Als Frau der ersten Stunde bezeichnet Zopfi die aus dem Vorstand zurücktretende Andrea Schneider. «Ihr gut gefüllter Erfahrungsschatz aus der Praxis brachte Andrea immer wieder zur richtigen Zeit im Vorstand ein», lobte Zopfi, der unter anderem auch Schneiders Kompetenz rund um Mitarbeiterführung erwähnte, zur Verabschiedung.

Die 31-jährige Juristin Corina Kauffer-Kuster aus Nidfurn nimmt nun Einsitz im Vorstand.

Öffentliche Veranstaltungen

Mit öffentlichen Informationsveranstaltungen möchte die Genossenschaft ihrem Ziel nahe an der Bevölkerung zu sein nachkommen: am 17. Juni in der lintharena zum Thema «Gelassenheit trotz Stress» sowie am 9. September zu «gesundem Lebensstil» im Restaurant Müli Schwanden.

Pro Senectute

Im Anschluss an die Versammlung präsentierte die Geschäftsleiterin von Pro Senectute Glarus, Barbara Vögeli, die Stiftung. «Insbesondere die ältere Generation hat mit Eigenverantwortung und Leistungsbewusstsein das Fundament geschafften auf welchem unsere Grundversorgung aufgebaut ist», kritisiert Vögeli Systemanpassungen, wie das Streichen der Haushaltshilfe, grösserer Krankenkassen.

Ein breites Feld an Dienstleistungen von administrativer Begleitung, Steuererklärungsdienst, Reinigungsdienst und Betreuung über Kurse und Sport bis Hörgeräteservice deckt Pro Senectute Glarus ab. «Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie gemeinsam zu gestalten», betont Vögeli die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit bewährten Netzwerkpartnern und schliesst dankend: «Wir sind alle auf dem Weg zum älter werden.»