„Fridlifüür“ – gelebter Brauch mit ungewissen Ursprüngen

Am Dienstagabend ist es wieder soweit. Wie alle Jahre – und das schon seit langer Zeit – werden wieder im ganzen Kanton die vielen „Fridlifüür“ brennen. Einer alten Tradition folgend, werden immer am 6. März, dem Fridlistag, an manchen Orten im Kanton die Flammen der vielen „Fridlifüür“ leuchten.



Jedes Jahr am 6. März ist es soweit: an manchen Orten Im Glarnerland werden die "Fridlifüür" angezündet (Bild: jhuber)
Jedes Jahr am 6. März ist es soweit: an manchen Orten Im Glarnerland werden die "Fridlifüür" angezündet (Bild: jhuber)

Man sagt, durch die Christanisierung seien viele heidnische Gebräuche, die im Volk verwurzelt waren, einfach umfunktioniert oder umbenannt worden. So hätten Alemannen und Germanen in den langen Winternächte die Wintergeister mit Feuer und Lärm vertreiben und die Frühlingsgeister wecken wollen.

Mitfastenbrauch

Die Tradition der Mitfastenfeuer war vorreformatisch vor allem in der Innerschweiz sehr verbreitet. Sogar das Sächsilüütä mit der Böögg-Verbrennung gilt als Nachfahre alter Vegetationsriten. Im Glarnerland vermochte sich der Mitfastenbrauch erhalten und wurde auf den Fridlistag (6. März) fixiert. In den „Glarner Heimatbüchern“ finden sich lediglich Hinweise und Berichte von Kindern, die davon berichten wie sie das „Fridlisfüür“ vorbereiten und durchführen.

Geschichte des Fridolinsfeuer

In der um 1900 erschienene, preisgekrönte Schrift von Pfarrer Dr. Ernst Buss unter dem Titel „Die religiösen und weltlichen Festgebräuche im Kanton Glarus“, einem Separatdruck aus dem „Schweiz. Archiv für Volkskunde“ heisst es: „Fastnachtsfeuer sind hier ausser in Matt unbekannt. An ihre Stelle treten die Fridolinsfeuer... An diesem Tage (Fridlistag) werden nun auch die sog. St. Fridolinsfeuer angezündet. Schon in der Woche vorher tragen die Knaben Reisig und dürre Aeste zusammen und errichten damit auf freistehenden Hügeln in der Nähe der Ortschaften mächtige Holzstösse. Am Abend des St. Fridolinstages sodann ziehen sie auf diese Hügel und stecken die Haufen in Brand, wobei jede Knabenschar mit ihrem Feuer die Feuer der benachbarten Anhöhen zu überbieten sucht. Dabei springen sie johlend und lärmend um das Feuer, etwa auch hindurch und lassen ihre Stimmen um so lauter durch die Nacht erschallen, je mächtiger die Flamme auflodert und die Rauchwolke qualmt. Am Feuer entzünden sie Werg- oder Pechfackeln und schwingen sie unter Freudengeschrei durch die Luft, so dass man ein feuriges Rad zu sehen vermeint und die Funken nach allen Seiten auseinandersprühen, und wer keine Fackel hat, thut dasselbe mit einem brennenden Scheite. So belustigt sich die grössere Schuljugend wohl eine Stunde lang, während die Leute von Haus und Strasse aus vergnügt ihrem Treiben zuschauen. Die grosse Menge der durch den Kanton hin aufflammenden Feuer bietet auch wirklich einen anziehenden Anblick dar. Bei den Feuern der einzigen Gemeinde Schwanden wurde 1899 nicht weniger als 1513 erbettelte Reiswellen verbrannt, dazu eine Menge Sonnenräder und Raketen losgelassen....“ (S. 20ff.)

Und heute?

Das war vor rund hundert Jahren. Heute wird die Tradition immer noch gepflegt. Allerdings wurde der Brauch immer mehr benutzt, um Häuser zu entrümpeln. In den letzten Jahren sind gar amtliche Aufrufe erschienen, die das Verbrennen von ungeeigneten Materialien verurteilen und untersagen. Aus mündlicher Überlieferung ist bekannt, dass die halbwüchsigen Schlingel auch geraucht haben sollen. Den meisten ist aber wohl nicht mehr bewusst, dass Fridlisfeuer einst ein heidnischer Vegetationsbrauch war.

Verse zum "Fridlisfüür" von Fridli Osterhazy

Wänn’s tungglet, gseh’-p-mes wider brännä,
vu alters häär, we hüür,
mä sött deer Bruuch ja afed kännä;
ich mäinä ds Fridlifüür.

Sitt Wuchä händ-si’s harägfergget
und uffä Huuffä kiit,
für diä, wo’s wüssed und au gmergged,
isch hinecht äsowiit.

Mä füürlet hütt, äm sächstä Meerzä,
dr Lanzig söll vrwachä!
Drzuä körsch Goofä ummäschneerzä
und glächtärä und lachä...