Fridolins Robotik feiert Jubiläum

Seit einem Jahrzehnt bauen Glarner Jugendliche gemeinsam Roboter – und gewinnen damit nicht nur Preise, sondern vor allem an Persönlichkeit. Was mit einem kleinen Team und dem ersten Roboter «Pfuderi» begann, hat sich zu einem einzigartigen Vorzeigeprojekt entwickelt, das in der Schweiz noch immer seinesgleichen sucht.



Das Team von Fridolins Robotik feiert in der Aula der Kantonsschule Glarus das 10jährige Jubiläum des Glarner Roboterbaus. (Bilder: Tina Wintle)
Das Team von Fridolins Robotik feiert in der Aula der Kantonsschule Glarus das 10jährige Jubiläum des Glarner Roboterbaus. (Bilder: Tina Wintle)

Die Begeisterung für das Glarner Roboter-Projekt liegt in der Luft, als am Montagabend ehemalige und aktuelle Beteiligte, Gönner und Unterstützerinnen der Fridolins Robotik in der Aula der Kantonsschule Platz nehmen. Franziska Eucken, Rektorin der Kantonsschule, eröffnet den Jubiläumsabend und spricht als Erstes an, dass der Anlass von der Mensa in die Aula gezügelt werden musste, weil sich rund 170 Personen für den Abend anmeldeten.

Seit zehn Jahren bauen Glarner Kantischülerinnen und -schüler sowie Lehrlinge gemeinsam in acht Wochen einen Roboter. In diesen acht Wochen werden Ideen diskutiert, Prototypen gebaut, Skizzen und CAD gezeichnet und schlussendlich ein Roboter zusammengebaut, der einen vorgegebenen Task ausführen kann und sich an Wettkämpfen gegen andere Roboter beweisen muss.

«Hier werden aber nicht nur Roboter gebaut, hier wachsen Persönlichkeiten», sagt die Rektorin in ihrer Eröffnungsrede. Mentorinnen und Mentoren bleiben den jährlich wechselnden Teams erhalten, um den Wissenstransfer sicherzustellen. 2026 waren 19 Jugendliche im Team: sechs Mädchen und 13 Knaben. Die Jugendlichen sind entweder im vierten Jahr der Kantonsschule oder in der Lehre als Konstrukteure, Anlage- und Apparatebauerinnen, Polymechaniker, Automatiker oder Automobilmechatronikerin.

Inspiration und Lebensschule

«Natürlich geht es bei der Teilnahme an den Wettkämpfen darum, gut abzuschneiden», sagt Vreni Hürlimann. Seit zehn Jahren ist sie gemeinsam mit Hans Wiederkehr in der Projektleitung von Fridolins Robotik und hat die Teams schon an viele Wettbewerbe geführt. «Es geht aber nicht nur ums Siegen, im Vordergrund steht das Lernen, die Teamarbeit und mit Erfolgen und Misserfolgen umgehen zu können», ergänzt Vreni Hürlimann.

Als Projektleitende erfüllt es die beiden mit Stolz zurückzublicken: «Was vor zehn Jahren mit einem kleinen Team begann, hat sich Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Leuchtturmprojekt entwickelt, in dem sich Jugendliche in unterschiedlichsten Bereichen entfalten und weiterentwickeln können.

Anstoss gab vor zehn Jahren Vreni Hürlimanns Sohn Christian, der damals ein Austauschjahr in den USA absolvierte und die Idee eines Roboter-Bauteams ins Glarnerland zurückbrachte. «Was die in den USA können, können wir schon lange», dachte er damals und teilte seine Idee mit seinen Eltern und seinem Physiklehrer. Der Zeitpunkt war gut, die Türen offen, und so nahm der erste Glarner Roboter mit dem Namen «Pfuderi» am ersten Event in den USA teil.

Nachahmer gesucht

Die Vorbereitungen zu Fridolins Robotik starten jeweils im zweiten Halbjahr mit den abendlichen Vorkursen; von Januar bis März ist die Kanti deshalb auch bis spät in die Nacht, am Wochenende und in den Winterferien belebt. Das Untergeschoss und die Werkstätten werden zum grossen Projektraum, in der Mensa wird für die Verpflegung gesorgt.

Dass das Projekt «noch» einzigartig an Schweizer Gymnasien und auch generell schweizweit ist, erstaunt. In Europa ist die Türkei Leaderin, mit 138 Teams. Frankreich und Grossbritannien stellen jeweils drei Teams. China 22, Brasilien 57 und Indien sechs Teams, in den USA sind es über 1000 Teams.

An den Weltmeisterschaften in Houston, Texas gewann das Glarner Team einen der acht begehrten Quality-Awards – ein herausragender Erfolg unter insgesamt 3800 teilnehmenden Teams weltweit.