Fritz Trümpi – heute in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst forschend und lehrend

Einst war Fritz Trümpi (mit Jahrgang 1974) Mitglied jener Hundertschaft von Wissbegierigen und Tatenfreudigen, die im Ennendaner Primarschulhaus Hof ein- und ausgingen, fröhlich, motiviert und unternehmungslustig wie andere auch. Jahre später verliess er die «angestammte Heimat» mit Ennenda und seinem Elternhaus. Er gelangte später – nach einigen Zwischenstationen – nach Wien, seinem heutigen, ihn ebenso fordernden wie erfüllenden Lebensmittelpunkt; er lehrt und forscht als Musikhistoriker. Im Jahre 2013 – dies und anderes ist im Internet nachzulesen – war er Mitglied der Forschungsgruppe zur Untersuchung der Geschichte der Wiener Philharmoniker im Nationalsozialismus.



Fritz Trümpi – heute in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst forschend und lehrend (Bilder: Hanna Worliczek)
Fritz Trümpi – heute in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst forschend und lehrend (Bilder: Hanna Worliczek)

Sein Buch «Politisierte Orchester. Die Wiener Philharmoniker und das Berliner Philharmonische Orchester im Nationalsozialismus» (Böhlau-Verlag 2011) wurde im November 2012 mit dem Irma-Rosenberg-Preis der Stadt Wien ausgezeichnet. Fritz Trümpi hat erfolgreich promoviert, ist Professor für Historische Musikwissenschaft und forscht aktuell schwerpunktmässig zu Musikkulturen der ehemaligen Habsburgermonarchie und deren Nachfolgestaaten.  

Aber nun alles der Reihe nach. In Beantwortung vieler Fragen merkt er einleitend an, dass er schon früh die Neigung verspürte, in die weite, ihm damals unbekannte Welt aufzubrechen – obwohl er sich im Glarnerland ganz gut zurechtgefunden habe. Die Neugierde habe ihn veranlasst, einfach mal die Weite zu erspüren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung gelangte er nach Montreal und verbrachte dort mehrere Monate, es war für ihn eine derart unvergessliche Zeit, dass ihn diese Stadt nicht mehr losgelassen hat. Auch heute noch pflegt er mit der Université de Montréal einen intensiven Austausch.
Als damals 19-Jähriger kehrte er dann in die Schweiz, nach Zürich, zurück. Hier legte er die Maturaprüfung ab. Dann absolvierte er an der dortigen Universität sein Phil I – Studium in Allgemeiner Geschichte, Philosophie und Musikwissenschaft. Er schloss diese Zeitspanne – nach einem ersten ausgedehnten Studienaufenthalt in Wien –im Jahre 2004 mit dem Lizentiat erfolgreich ab, an das sich nahtlos ein Doktoratsstudium reihte, das Trümpi unter anderem wieder nach Wien führte.

Was hat das mit dem heutigen Beruf zu tun? Fritz Trümpi kehrt bei diesem Erläutern gedanklich nochmals ins Glarnerland zurück. Musikgefühle wuchsen in ihm bereits als Kind am Klavier der Grosseltern und mit dem Spiel auf der, wie er ehrlicherweise zugibt, «ungeliebten Blockflöte». Er wechselte zum Akkordeon und wandte sich dann dem Klavier zu. Das war ein bedeutsames, ihn prägendes Begegnen.
Er erwähnt mit verdient ehrenden Worten seine ehemalige, langjährige Klavierlehrerin Florence Wild, mit der er immer noch Kontakte pflegt. Es kommt der «Glarner Singverein», dem er als damals 16-Jähriger über eine längere, auch die Studienzeit in Zürich überdauernde Zeitspanne angehörte. Er gewann neue Zugänge zum weiten Reich der Musik, die bald Existenzgrundlage wurde. Fritz Trümpi wechselte zum Musikjournalismus. Anfänglich in Glarus, dann in Zürich und – weiterführend – in Wien und Berlin. Für ihn war klar, dass Musikwissenschaft eines seiner Studienfächer sein würde.
Da floss sein starkes Interesse an Geschichte ein. Es war ein Bereich, der in ihm ebenfalls auf grosses Interesse stiess. Vielleicht hat der Historische Verein des Kantons Glarus etwas damit zu tun. Er war mit damals 14 Jahren das eindeutig jüngste Mitglied, das aber den Älteren punkto Interesse und Besuch verschiedenster Veranstaltungen in nichts nachstand. Er positionierte sich – wie er erwähnt- als Stammgast. Er hörte sich Referate professioneller Historiker an, Referentinnen waren sehr selten.

In diese zwei ihn erfüllende Begegnungswelten reihte sich Philosophie ein. Mit ihr befasste er sich während seines Studiums intensiv, zuweilen sogar stärker als mit Musik und Geschichte. Alles fügte sich in diesem «Dreigestirn» zu einer Intensität, die erfüllte, forderte, Fragen und Erkenntnisse reifen liessen.
Der Fokus war aber schliesslich auf Musikgeschichte ausgerichtet. Dies führte letztlich zur heutigen Anstellung als Assoziierter Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Weshalb die Wahl schlussendlich auf Wien fiel, ist durchaus erklärbar, studienbedingt – und als Folge eigener Erfahrungen mit Städten. Wien ist für ihn – anders als beispielsweise Zürich – das Gegenteil von Geschäftigkeit, Hektik, zielgerichteter Zweckbestimmung. Zudem kam ihm die Ausschreibung eines auf zwölf Monate befristeten Stipendiums für einen Studienaufenthalt an der Universität Wien unter die Augen. Er wurde – und das stuft er als sehr glückliche Fügung ein – ausgewählt. Aus diesem einen Jahr sind nun deren 20 geworden. Unterbrochen wurde diese Zeitspanne durch anderthalb Forschungs- und Studienjahre an der Humboldt-Universität in Berlin (2005 – 2006), die dank Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds und der glarnerischen Hans-Streiff-Stiftung möglich waren.