Die stets kreativ organisierenden Vilma und Daniel Zbinden geniessen im prunkvollen historischen Palast ein Gastrecht, das sie der Trägerschaft seit Jahren verdanken und über die Sommermonate hinweg mit musikalisch Wertvollem, Willkommenem an jeweils vier Kulturmatineen zu bereichern wissen. Stets schliesst ein geselliger Gedankenaustausch samt spendiertem Apéro an. Der Bekanntheitsgrad ist derart, dass sich eine vorgängige Reservation sehr empfiehlt – so Daniel Zbinden als geselliger, zum jeweiligen Programm kenntnisreich Einführender. Wer zu spät kam, fand im Saal keinen Einlass und musste im schlimmsten Fall umkehren oder von draussen etwas mitbekommen.
«From East to West» lautete der Titel des ausgekündigten Begegnens. Daniel Zbinden stellte den Bariton Andrii Ganchuk und dessen Programmteil vor. Der Baritonsänger stammt aus Kiew, war dort beruflich tätig und absolvierte als begeisterter – in Näfels anlässlich seines Ausgestaltens auch stark begeisternder – Sänger ein Opern-Masterstudium am Royal College of Music and Drama in Cardiff.
In verschiedenen Rollen stand er auf der Bühne. Heute ist er als freischaffender Opernsänger europaweit tätig.
Begleitet wurde er in Näfels schwergewichtig von Vilma Zbinden, die ungemein sorgsam, hochpräsent, einfühlend und mit packender Virtuosität mitgestaltete.
Sie und der kraftvoll singende Ganchuk sorgten für eine ganz besondere Erlebnisbreite, die hohe Leidenschaft, Schwärmereien, Verträumtes, Liebliches, riesig Kraftvolles, Inniges – eigentlich fast alle Gefühle der romantisch verbrämten heilen Welt – zum Inhalt hatte; in Kompositionen von Michael Iwanowitsch Glinka (1804–1857); Georgi Wassiliewitsch Swiridow (1915–1998); Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893) und anderen.
Es tat sich über kurze Zeitspannen hinweg eine faszinierende musikalische Fülle auf. Man hörte gebannt hin, bewunderte die hohe Leidenschaft von Ganchuk und erspürte theatralische Fertigkeiten in erfüllender Art, man liess sich von enorm Kraftvollem noch so gerne mittragen und begann Liedtexte – wie sie auf sorgsam zusammengestellten Textblättern enthalten waren – ein klein wenig zu verstehen. Da war beispielsweise vom Kinde und dessen schwachem Rufen; leisem Lächeln; kuhbraunen wunderschönen Augen; die das Pfingstfest erleuchtende Sonne; Garben aus Hafer; Trauer; Frühlingsnacht; himmlischer Nachtigall; zärtlichen Berührungen: Flussschleier; Wacholderdickicht; Mönchswind und anderem die Rede, passend zu Titeln wie «Mein Genius»; «Ich öffnete das Fenster»; «Wir werden ruhen»; «Das ganze Lager schläft»; «Die Gottesmutter in der Stadt»; «Zweifel»; «O Heimat».
Es waren Unterlagen fürs sorgsame Einführen in ungewohnt Fremdes. Es tat sich eine vielschichtige Musik- und Textwelt auf, die enorm packend, in ihrer Direktheit faszinierend war und dank Gesang und sorgsamem Begleiten von Vilma und Daniel Zbinden zu einer erfüllenden wechselreichen Gesamtheit wuchs.
Das Klavierduo gestaltete unter anderem Kompositionen von Johannes Brahms (1833–1897) zwei Romanzen aus dem Zyklus «Souvenirs de la Russie», Claude Debussy (1862–1918) und Hans Huber (1852–1921) aus, dies enorm einfühlend und faszinierend elegant, aufeinander hervorragend abgestimmt.
Verdient herzlich und anerkennend war der lange Beifall, der – wen wundert`s – zu einer Zugabe führte und auch Vorfreude auf Kommendes, den 7. September mit dem Titel «Violoncello da Spalla und Paganinis Teufelsgeige» weckte.















