Für eine gute Zukunft der Glarner Landwirtschaft

Die Landwirtschaftspolitik hat ihr einstiges ruhiges Fahrwasser verlassen und ist einem recht starken Wellengang ausgesetzt. Die Eidgenossenschaft hat mit ihren Agrarpolitischen Beschlüssen Liebgewordenes in Frage gestellt und erwartet von den Bauern mehr Eigeninitiative; internationale Übereinkommen (WTO) und das geplante Freihandelsabkommen mit der EU schaffen Unruhe.



Landwirtschaftliche Produkte aus dem Glarnerland
Landwirtschaftliche Produkte aus dem Glarnerland

Die Glarner Landwirtschaft, praktisch voll auf die Milchproduktion konzentriert, ist davon ebenfalls betroffen. Das haben der von Hans Peter Hauser, Näfels, geleitete Bauernverband und die Regierung, speziell Frau Landammann Marianne Dürst als Chefin des Departements Volkswirtschaft, sehr wohl realisiert - ebenso andere Vereine innerhalb der Glarner Landwirtschaft, speziell der IP-Ring und Bio Glarus, die bereits eine Studie zur „Weiterentwicklung der bäuerlichen Organisationen im Kanton Glarus“ in Auftrag gegeben haben. Z

Zukunftskonferenz und Gesetzgebung

Es hat auch eine so genannte Zukunftskonferenz unter der Leitung des Bauernverbandes stattgefunden, an welcher die unzähligen Aspekte der Landwirtschaftspolitik aufgelistet und nach Prioritäten geordnet worden sind.

Schliesslich regt die Gemeindestrukturreform - die Gemeinden besitzen viel Pachtland und sind die hauptsächlichsten Alpeigentümer - zu sehr viel Nachdenken an.

In der nächsten Legislaturperiode (2010-2014) sollen den auch die Landwirtschafts- und die Alpgesetzgebung gründlich revidiert werden, wie Frau Landammann Dürst unterstrich.

Strukturanalyse

Bevor man gezielt und wirkungsvoll weiter schreiten kann, muss man wissen, wie es um unsere Landwirtschaft steht. So wurde bei der Flury&Giuliani GmbH, Zürich, eine Strukturanalyse in Auftrag gegeben. Sie wurde am vergangenen Montag an einem in die linth-arena sgu vom Departement für Volkswirtschaft und vom Bauernverband einberufenen Informationsabend für politische Entscheidungsträger vorgestellt. Den gemeinsamen Vorsitz führten Frau Landammann Marianne Dürst und Bauernpräsident Hans Peter Hauser.

Es kamen viele: Regierungsrat Dr. Andrea Bettiga, Landratspräsident Hans Peter Toggenburger, Gemeindepräsidenten und -räte, Landräte, Bauernvertreter.

Es gelte, die strategische Ausrichtung für die Landwirtschaft zu erarbeiten, betonte Frau Landammann Dürst; Hauser sprach vom Packen der Marktchancen.

Eine umfassende Statistik

Dr. Christian Flury und Gianluca Giuliani stellten die Ergebnisse ihrer Analyse umfassend vor, mit Zahlen und Grafiken. Wir erfuhren u.a., dass es im Glarnerland noch 434 Landwirtschaftsbetriebe gibt, ein Drittel weniger als 1990. Die durchschnittliche Betriebsgrösse beträgt 16 Hektaren. Der Anteil an Pachtland ist mit 56 Prozent vergleichsweise hoch (es wurden jeweils Vergleiche mit Graubünden und Uri angestellt). Ein Drittel des Pachtlandes von 3900 ha ist im Eigentum der Gemeinden (bisher vor allem Tagwen). Interessant ist die Nachfolgesituation für die Bauernbetriebe. Je grösser ein Betrieb ist, umso eher ist die Nachfolge bereits gesichert.

Bedenklich ist die Entwicklung der Bauinvestitionen, die von 1994 bis 2007 von 19 auf 3,9 Millionen abgenommen haben. Investitionskredite und Beiträge an die Strukturverbesserung sind eben nicht mehr so leicht erhältlich. Flury und Giuliani orteten denn auch einen erheblichen Investitionsbedarf bei Ställen und Wohnhäusern.

Gut genutzte Alpen

Auf den 91 Glarner Alpen mit total 121 Sennten wurden 2007 total 6200 Grossvieheinheiten gesömmert oder 55 Prozent des gesamte Rindviehbestandes. Nur 6 bis 8 Prozent der Stösse wurde nicht ausgenützt; in etlichen Gemeinden betrug die Bestossung aber 100 Prozent. Die Verarbeitung der Milch auf den Alpen selber war von höchst unterschiedlicher Intensität.

Auf zwei Dritteln der Alpen entsprachen die Käsereianlagen den schweizerischen Normen. Anderseits seien zwei Drittel der Käse- oder Milchlager mangelhaft oder sanierungsbedürftig.

Geringe Eigenverarbeitung

Sehr gering ist der Anteil der Produktion an Fleisch und Milch im Kanton selber. Drei Viertel des Fleisches und 85 Prozent der Milch werden auswärts weiterverarbeitet. Die Analysten fragten die Landwirte daher nach ihrem Wunsch nach einem regionalen Milch- und Fleischverarbeitungsbetrieb. Nur gerade gut 20 Prozent äusserten daran grosses Interesse; rund 80 Prozent erachteten die Nachfrage nach regionalen Produkten als mittel bis sehr tief.

Flury und Giuliani rechnen auf Grund ihrer Analyse mit einem weitern Strukturwandel in der Glarner Landwirtschaft, wobei frei werdende Flächen für die Kapazitätserhöhung der verbleibenden Betriebe genutzt werden könnten. Sie forderten noch mehr Qualität und die verstärkte Zusammenarbeit von Landwirtschaf und Verarbeitern sowie eine verstärkte Vermerkung der hiesigen Produkte. Das Potenzial könne durch Struktur- und Infrastrukturverbesserungen sowie Rationalisierung erhöht werden.

Die Ergebnisse der Analyse werden - wohl im November - der gesamten Bauernsame vorgestellt werden, wie Hans Peter Hauser versicherte. In der kurzen Diskussion wurden die Bereitschaft für die Eigenproduktion und -verarbeitung unterstrichen.

„Glarner Chäs und Ziger“

Dr. Marco Baltensweiler, Leiter der kantonalen Abteilung Landwirtschaft, stellte das Projekt „Glarner Chäs und Ziger“ für die (vermehrte) Milchverarbeitung im Glarnerland vor. Es geht darum, mehr Milch (27 statt heute nur 14 Prozent) direkt bei uns zu verarbeiten und so die Wertschöpfungskette auszubauen. Chancen sieht Baltensweiler in der Herstellung von Bio-Käse und in einer höhern Zigerproduktion.

Die Projekte sind vorhanden und zum Teil in der Realisierungsphase. So startet noch in diesem Monat die Biokäserei in Haslen; die GESKA hat ihre Ausbaupläne bei der Gründung der Glarner Milch AG bereits präsentiert. Auf Obererbs wird eine Muster-Rohzigerei eingerichtet, auf Nüenalp (Mollis) ist eine Erlebniskäserei geplant, und schliesslich soll in Glarus ein neues Käsereifungslager entstehen. Speziell die Projekte Erbs und Nüenalp haben auch einen touristischen Aspekt.

Die Zukunftskonferenz

Über die ersten Ergebnisse der Zukunftskonferenz informierte Fritz Hefti, Präsident der Geschäftsstellenkommission des Bauernverbandes, und Präsident Hauser selber. Die Konferenz hat etliche Arbeitsgruppen eingesetzt, die sich u.a. mit den Themen Biogasanlage, Agrotourismus/Erholung auf der Alp, Raumplanung und Verkaufsstellen für regionale Produkte befassen. Landratspräsident Hans Peter Toggenburger forderte auf, Konsumenten in die Kommissionsarbeit einzubeziehen. Und der Präsident des Alpwirtschaftlichen Vereins, Christian Beglinger, sprach sich dezidiert dafür aus, dass die Alpen im Eigentum der Gemeinden und damit letztlich der Gesamtbevölkerung bleiben.

Es war ein sehr informativer Abend, der aufzeigte, dass noch sehr viel zu tun ist.