Lange war es erwartet worden, und es vermochte mehr als zu gefallen: Das Sinfoniekonzert des „Glarner Kammerorchesters“. Das durch berufsmässige Bläser ergänzte Orchester hatte den 32-jährigen Solocellisten David Reitz eingeladen. So viel Applaus hat es bei einer ähnlichen Veranstaltung im Glarnerland schon lange nicht mehr gegeben.
Beethovens „Coriolan-Ouvertüre“
1807 schrieb Ludwig van Beethoven seine „Coriolan-Ouvertüre“ als Schauspielouvertüre zu Heinrich Joseph von Collins gleichnamigem Drama. Collin zeichnet Coriolan als zwiespältigen Helden, der einerseits geradlinig handelt, andrerseits aber ein aufbrausendes Wesen zeigt. Beethoven stellt das musikalisch folgendermassen dar: Drei lang gezogene Streicherunisoni, die jeweils durch Tuttischläge abrupt beendet werden. Es folgt ein Streicherthema, das in ein aufbrausendes Tutti überführt und in einer anmutigen Streicherkantilene endet. Zuletzt erklingt das langsam ersterbende Unruhemotiv. Der Protagonist nimmt sich im Stück schliesslich das Leben.
Christoph Kobelt dirigierte das Orchester souveränund mit ausdrucksvollerZeichengebung. Eindrücklich wurden die Kontraste herausgearbeitet. Die Tuttischläge forderte er mit imposanten Armbewegungen. Energisch, akzentuiert und wuchtig „befahl“ er seinem Orchester, in die Saiten zu greifen. Eine packende, grossartige Wiedergabe.
Schumanns Cellokonzert mit David Reitz
Das 1850 von Robert Schumann komponierte Konzert für Cello und Orchester in a-moll beginnt mit einem romantischen Thema, dem in der Folge zwei weitere zur Seite gestellt werden. Der zweite Satz ist ganz dem schwelgerischen Singen des Cellosgewidmet.Auch setzt Schumann hier ein zweites Solocello aus dem Orchester ein. Der Schlusssatz mit anregendem Widerspiel zwischen Solocello und Orchester endet mit einer spannungsreichen Coda.
Der Solist David Reitz musizierte mit einer für Laien verblüffenden Virtuosität. Er spielte das technisch und musikalisch anforderungsreiche Stück mit einer so hingebungsvollenExpressivität, dass schier die Saiten rissen. Sein Mienenspielverriet die Anstrengung und die Inbrunst, mit der er zu Werke ging. Dafür erhielt er den nicht enden wollenden Applaus des restlos begeisterten Glarner Publikums.
Carl Maria von Weber Sinfonie Nr. 2
In den ersten Satz der 2. Sinfonie in C-Dur von Weber ist eine Reihe von Bläsersoli (Horn, Flöte, Oboe und Fagott) hineinkomponiert. Alle waren klar und sensibel gestaltet. Im zweiten Satz erklingt das Solo einer Violine. Der dritte Satz ist ein kurzes Menuett. Im vierten und letzten erklingt eine Hornkantilene und es hat eineReihe von Generalpausen. Das Stück endet abrupt und ohne Schlussteil – zur Überraschung der Zuhörer.
Das „Glarner Kammerorchester“, das – wie ich mir habe sagen lassen – diesmal besonders lange geübt hat, meisterte das Werk bravourös. Dirigent Christoph Kobelt holte das Beste aus dem Orchester heraus. Wegen des grossen Anklangs, den dieses Stück beim Publikum fand, spielte das „Kammerorchester“ den letzten Satz noch einmal als Zugabe.Es gab lang anhaltenden, frenetischen Applaus.





