Es ist einer von jenen drei Tagen, in welchem Hamdi auf dem Sekretariat des Roten Kreuzes, Kanton Glarus, seine Arbeit als Praktikant verrichtet. «Er ist universell einsetzbar, hochanständig und wissbegierig», so Sabine Haslinger, Geschäftsleiterin, «und leistet sogar seine Einsätze als freiwilliger Fahrer». Das kommt nicht von ungefähr, hat der 38-Jährige in seiner Heimat nicht nur den Beruf des Lehrers ausgeübt, sondern war auch als Fahrprüfungsexperte unterwegs.
Unterschiedliche politische Auffassungen haben die Familie bewogen, Istanbul – die Grossstadt-Metropole am Bosporus und der Meerenge zwischen Asien und Europa gelegen – zu verlassen.
In der Schweiz zählt die Türkei seit Langem zu den wichtigsten Herkunftsländern von Asylsuchenden. Türkinnen und Türken sind die zweithäufigsten Gesuchsstellenden in der Schweiz.
Alles hinter sich gelassen für einen Neuanfang
Ein wacher Geist sitzt mir gegenüber. Mal sehr zurück haltend, mal ganz aufgeweckt. In sehr gutem Hochdeutsch antwortet er mir, und wenn etwas nicht klappt, gibt es ja noch den Übersetzer auf dem Handy. Dass er nach der kurzen Zeit schon so gut Deutsch spricht, hat sicherlich auch damit zu tun, dass Hamdi zwei Mal pro Woche bei der Integrations-Vorlehre (INVOL) zur Schule geht (Voraussetzung für das halbjährige Praktikum) und an zwei Abenden unter der Woche an einem Deutschkurs teilnimmt. «Glarnerdüütsch verstehe ich überhaupt nicht, aber ich möchte mich mit den Leuten unterhalten können, und da nehme ich gerne den Aufwand zum Erlernen der Sprache auf mich. Und es erleichtert es mir auch, hier in eine neue Kultur einzutauchen oder die Arbeitswelt zu verstehen».
Vor zweieinhalb Jahren ist Hamdi und seine Schwester in die Schweiz gekommen. Seine Frau - ebenfalls Lehrerin – und die10-jährigen Tochter sind gut ein Jahr später nachgekommen und wohnen in Glarus. Seine Schwester (ebenfalls Lehrerin) lebt mit ihrem Mann in Näfels. «Die Leute hier sind sehr nett und zuvorkommend und das hat mir das Einleben in der Schweiz sehr erleichtert, auch wenn ich schon noch ab und an Heimweh verspüre, meine Freunde oder auch ein gutes türkisches Restaurant vermisse». Und eine Rückkehr in sein Land ist für Hamdi persönlich nicht mehr möglich.
Dankbar für die Gastfreundschaft
Für Hamdi ist es nicht selbstverständlich, dass er sich in einem Land wie der Schweiz sehr wohl fühlt und ohne Angst leben kann. «Hier verspüre ich keinen Rassismus. Im Gegenteil: die Leute sind sehr hilfsbereit und meistens mit einem Lächeln auf den Lippen. Und das fühlt sich sehr gut an.
Aber man muss seinen Beitrag dazu selbst leisten, sich anpassen, sich organisieren, sich orientieren. Man merkt es Hamdi, welcher sehr belesen wirkt, an, dass es ihm schwerfällt, Grundlagen und Basiswissen, welches er früher bereits gelernt hat, hier nochmals von Grund auf wiederholen muss.
«Aber für mich ist es wichtig, ein guter Mensch zu sein, mich nützlich zu machen, zu helfen. Und wer weiss, vielleicht werde ich ja eines Tages sogar als Schweizer eingebürgert. Manchmal weiss ich selber nicht, ob es ein Traum oder Wirklichkeit ist».





