Gelbbauchunke erreicht Netstal

Der Beobachtungsaufruf 2016 des Naturzentrums Glarnerland bestätigt den Verdacht: Die Gelbbauchunke wurde diesen Sommer nur selten und nur noch nördlich von Glarus entdeckt. Funde in Netstal zeigen aber die Chance, die die Vernetzung von Lebensräumen bietet. Das Naturzentrum dankt an dieser Stelle allen Personen, die ihre Beobachtungen gemeldet haben.




Die stark bedrohte Gelbbauchunke kommt im Glarnerland offenbar nur noch in drei Gebieten in grösserer Zahl vor: Beim Chli Gäsitschachen am Escherkanal, im Gebiet Landig am Linthkanal sowie am Wiggisfuss zwischen Näfels und Netstal. Die Erhaltung dieser Laichplätze ist für die kleine Unke mit dem gelb-schwarzen Bauch überlebenswichtig. Langfristig braucht sie aber wieder mehr Lebensraum und muss diesen auch besiedeln können. Dass das möglich ist, zeigen Funde aus Netstal.

Ökologische Infrastruktur

Ende Juni wurden in Netstal an zwei Standorten insgesamt gegen 100 Gelbbauchunken in Wasserpfützen entdeckt. Ihre nächst gelegenen Laichplätze befinden sich weiter nördlich in Näfels. Die Gelbbauchunke konnte sich somit wieder ein paar Hundert Meter weiter nach Süden ausbreiten. Dazu brauchte sie die nötige „Infrastruktur“: Geeignete Lebensräume und dazwischen „Trittsteine“ und „Wanderwege“ wie Hecken, Lesesteinhaufen, vielfältige Waldränder oder naturnahe Bachufer. Letztere verbinden die alten mit den neuen Laichplätzen und haben die neu besiedelten Standorte für die wanderfreudige Gelbbauchunke überhaupt erst erreichbar gemacht.

Isoliertes Vorkommen im Klöntal

Auch weit hinten im Klöntal auf über 800 m über Meer wurde die kleine Unke wieder entdeckt. Im gleichen Gebiet wie bereits vor ein paar Jahren! Da eine Gelbbauchunke 15 Jahre alt werden kann, könnte es sich noch um die gleichen Tiere handeln. Bisher ist der Fundort nämlich weitherum das einzige Vorkommen dieser Art. Die Zukunft der Klöntaler Gelbbauchunken ist damit ungewiss. Isolierten Populationen droht die Gefahr der Inzucht. Zudem ist für sie das Aussterbe-Risiko gross: bei Veränderungen im Gebiet können sie nicht ausweichen, wenn andere Lebensräume nicht vorhanden oder für sie unerreichbar sind. Wichtig wäre auch hier ein Lebensraum-Netz im Umkreis von wenigen Hundert Metern mit Verbindungen zu anderen Populationen.

Pfützen als Kinderstube

Gelbbauchunken nutzen kleinste, mit Wasser gefüllte Senken für die Jungenaufzucht. Mit dem Rückgang der Hochwasser an den Flüssen wurden diese Laichgewässer rar. Wie in der ganzen Schweiz erlitt die Gelbbauchunke in den letzten Jahrzehnten auch im Glarnerland einen starken Bestandesrückgang. Durch die Erhaltung und Neuschaffung von Laichgewässern und durch Vernetzung ihrer Lebensräume versucht der Kanton die stark bedrohte Unke im Glarnerland zu fördern.