Gemeinnützig im Verborgenen

Der Gemeinnützige Frauenverein Glarus feierte am vergangenen Donnerstagabend im «Schützenhaus»-Saal sein 150-Jahr-Jubiläum. Nebst den verschiedenen Reden fand die soeben erschienene Jubiläumsschrift grosse Aufmerksamkeit.



Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins Glarus
Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins Glarus

Zwei Jahre nach dem Brand von Glarus gründeten sechs Frauen den Gemeinnützigen Frauenverein Glarus, um Bedürftigen, Kranken, Kindern und «Frauenfamilien» ohne grosses Aufheben zu helfen. Noch heute arbeitet der Vorstand unter Präsidentin Claire Lienhard nach dem Leitbild der Gründerinnen: «Unser Wirken besteht aus einer langen Kette unzähliger, kleiner Werke, die sich den Blicken der Welt entziehen, aber in diesem verborgenen Wirken liegt die Grösse unserer Aufgabe.» Was die Frauen in den 150 Jahren geleistet haben, ist bemerkenswert. Unter ihren Fittichen gedieh u.a. die Tuberkulosekasse, die Weihnachtsgaben an Bedürftige, der Hauspflegeverein und später die Spitex Glarus, die Kinderkrippe, die Weihnachtsgaben, die Ferienkolonie, die Diplomierung langjähriger Hausangestellten, die Bildungsangebote, die Ersatzgrosis, der Mittagstisch, die Ludothek, die Velobörse, der Adventskranzverkauf, der Ferienpass, die Besuche und Lottonachmittage in den Altersheimen, der Pro-Patria-Marken-Verkauf, der Mittagstisch und das Hausfrauenturnen.

Gemeinnützig nützt dem Staat


Regierungsrätin Marianne Dürst Benedetti lobte, dass die Gründerinnen aus der Not eine Tugend machten und gestand: «Ohne Frauenvereine wäre der Staat überfordert.» Gemeindepräsident Christian Marti gab zu bedenken: «Das freiwillige, ehrenamtliche Engagement der Vermögenden und Starken zugunsten der Armen und Kranken hat stark an Bedeutung und öffentlicher Anerkennung verloren. Gelebte Solidarität und Nächstenliebe ist auch in Zukunft nötig.»

Priska Stalder, Zentralpräsidentin Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen, forderte die Frauen auf, sich zu vernetzen und Neuem Platz geben, Gutes zu tun und darüber zu sprechen.

Susanne Jenny Wiederkehr wies darauf hin, dass sich heute etwa 20 Prozent der Menschen in einem Verein ehrenamtlich betätigen, 2000 waren es noch 25 Prozent. Die Individualisierung sei ein gesellschaftliches Problem. Heute fordern die Leute lieber, als sich selber zu engagieren.

Historikerin Andréa Kaufmann stellte die von ihr in Zusammenarbeit mit Dr. Hans Jakob Streiff verfasste Jubiläumsschrift vor.

Der ganz im gemeinnützigen Sinne durchgeführte Jubiläumsanlass wurde von drei Schülerinnen der Glarner Musikschule umrahmt und fand mit einem kleinen Nachtessen seinen würdigen Abschluss.

Mehr unter www.gfvg.ch. Die Jubiläumsschrift ist bei Baeschlin Bücher, Glarus, erhältlich.