«Gipfelkonferänz» in Schwanden

Charles Lewinsky und Jacob Stickelberger liefern sich ein Duell von Liedern und Gedichten, das sehr unterhaltsam ist. Die beiden spitzesten Federn der reimenden Zunft dichten um die Wette Lieder. Berner gegen Zürcher, Troubadour gegen Schriftsteller – eine von originellen, witzigen, hochbrisanten Kompositionen.



Wenn ein Rechtsanwalt und Chansonnier und ein Bestsellerautor zusammen auf Tournee gehen, dann muss man einiges erklären. Vor allem, wenn sie einen Abend lang Lieder präsentieren wollen und nur einer von beiden singen kann. Was übrigens auch fürs Gitarrespielen gilt.

Angefangen hat das Ganze damit, dass ich den Jacob drängte, doch endlich mal wieder neue Lieder zu schreiben. Worauf der sagte: «Ich schreibe eins, wenn du auch eins lieferst.» Und seither, seit mehr als fünf Jahren, treffen sie sich einmal im Monat zum Mittagessen, und jeder muss dem andern einen Liedtext vorlesen. Zum selben vereinbarten Thema, wohlverstanden.

Charles Lewinsky


Lewinsky ist jüdischer Herkunft und studierte Germanistik und Theaterwissenschaft in Zürich und Berlin (ohne Abschluss). Danach arbeitete er als Regieassistent bei Fritz Kortner und anschliessend als Dramaturg und Regisseur an verschiedenen Bühnen sowie als Redakteur und Ressortleiter der Sendung Wort-Unterhaltung des Schweizer Fernsehen.

1984 veröffentlichte er zusammen mit Doris Morf sein erstes Buch «Hitler auf dem Rütli». Es folgten weitere Bücher und Produktionen beim Schweizer Fernsehen, ARD und ZDF. In der Schweizer Öffentlichkeit wurde Lewinsky Mitte der 90er-Jahre als Autor der Sitcom «Fascht e Familie» bekannt; später folgte «Fertig Lustig».

2001 erhielt er den Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank für seinen Roman «Johannistag». Weitere Anerkennung als Schriftsteller erwarb er sich 2006 mit der jüdischen Familiensaga Melnitz. Lewinsky hat zudem über 700 Liedtexte für verschiedene Komponisten geschrieben, unter anderem für Maja Brunner, die mit dem Lied «Das chunnt eus spanisch vor» 1987 den Grand Prix der Volksmusik gewinnen konnte. 2011 wurde er mit seinem Roman «Gerron» für den Schweizer Buchpreis nominiert, 2014 erfolgte eine Nominierung für den Deutschen Buchpreis.

Jacob Stickelberger


Als Liedermacher schloss er sich 1966 bis 1970 den Berner Troubadours an. 1970 und 1971 trat Stickelberger einige Male gemeinsam mit Mani Matter (hauptberuflich ebenfalls Jurist) auf. Nach Mani Matters Tod (1972) führen Stickelberger und Fritz Widmer von 1973 bis 1974 ein Programm mit einer gemeinsam mit Mani Matter verfassten Kriminalgeschichte und eigenen Chansons auf.

Im Januar 1976 war Stickelberger wieder mit den Berner Troubadours unterwegs, im Herbst 1977 wieder mit Fritz Widmer und einem Programm mit den letzten, bisher unveröffentlichten Mani-Matter-Chansons. In den 1980er-Jahren trat Jacob Stickelberger gelegentlich solo auf. Zwischen 1985 und 2000 kamen, wie er selbst sagt, wegen seines Hauptberufes die Chansons und die Auftritte zu kurz. «Das hat sich seither gebessert.» 1995 machte er beim Jubiläumskonzert 30 Jahre Berner Troubadours ebenso wie 2005 40 Jahre Berner Troubadours im Stadttheater Bern mit.

Als Anwalt vertrat er 1979 das Trio Eugster, das gerichtlich gegen das Lied «Unterhaltigsbrunz» (auf der LP Mängisch fägts no) von Tinu Heiniger vorging. 1989 übernahm er die Verteidigung von Reto B., der am 17. August 1989 die 21-jährige Elisabeth Duie in Zürich Altstetten vergewaltigt und umgebracht hatten.

Sein wohl bekanntestes Mandat aber war verbunden mit der Affäre um die erste Schweizer Bundesrätin, Elisabeth Kopp. Er verteidigte deren Ehemann, den Wirtschaftsanwalt Hans W. Kopp – damals als Vizepräsident im Verwaltungsrat einer der Geldwäscherei angeklagten Gold- und Devisenhandelsfirma tätig –, der 1988 in Medienberichten als Steuerbetrüger und Mafioso dargestellt wurde.

Hinweis:
Gemeindeszentrum Schwanden
Samstag, 22. November 20.00 Uhr
«Gipfelkonferänz» mit Charles Lewinsky und Jacob Stickelberger

Reservationen unter www.gemeindestubeschwanden.ch
oder bei Orler Mineralien, Schwanden, Telefon 055 644 28 04
oder an der Tageskasse