Glarner Bauern profitieren von der Agrarpolitik 2014 – 2017

Die Hauptversammlung des Glarner Bauernverbandes in Schwanden stand nebst der Behandlung der Traktandenliste ganz im Zeichen hochinteressanter Vorträge von Marco Baltensweiler, Leiter Landwirtschaft (Departement Volkswirtschaft und Inneres) und Jörg Amsler, stellvertretender Leiter Direktionsbereich «Direktzahlungen und ländliche Entwicklung» beim Bundesamt für Landwirtschaft. Ein erstes Fazit zeigt, dass die Glarner Bauern von der AP 2014 – 2017 profitieren.



GBV-Präsident Fritz Waldvogel-Kamm konnte nebst den Ständeräten Fritz Hösli und Dr. Thomas Hefti, Nationalrat Martin Landolt, Vertreter der Gemeinden Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd im Saale des Brauereigasthofs Adler in Schwanden begrüssen. Unter den Gästen weilten unter anderen auch Marco Baltensweiler, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Alfred Stricker, Vorstandsmitglied Schweizerischer Bauernverband, sowie weitere befreundete Gastdelegationen.

GBV-Präsident Fritz Waldvogel souverän

Speditiv und souverän führte Fritz Waldvogel, frischgewählter Präsident des Glarner Bauernverbandes, bei seiner ersten Hauptversammlung im Saale des Brauereigasthofs Adler in Schwanden durch die 13 Punkte umfassende Traktandenliste. Sämtliche Geschäfte passierten praktisch diskussionslos die Runde. Der ausführliche Jahresbericht 2014 von GBV-Präsident Waldvogel wurde durch die Versammlung mit grossem Applaus genehmigt. Die Jahresrechnung 2014 des Glarner Bauernverbandes, präsentiert von Rechnungsführerin Kathrin Lendi, weist einen Gewinn von Fr. 11 330.88 aus. Ebenso verzeichnet die Jahresrechnung der Geschäftsstelle einen Vorschlag von Fr. 27 268.70. Hingegen erleidet die Jahresrechnung 2014 des Betriebshelferdienstes einen Verlust von Fr. 15 089.60. Fünfzehn angehende Jungbauern konnten die Gratulation von GBV-Vorstandsmitglied Gabi Krieg-Steger entgegennehmen. Ebenso geehrt wurden alt Milchinspektor Kaspar Elmer, Ruedi Freitag-Elmer sowie Ruedi Freitag-Rhyner für ihre langjährige Mitgliedschaft und grossen Verdienste für die Glarner Landwirtschaft. Zum ersten Mal dabei war Departementsvorsteherin Marianne Lienhard. Sie überbrachte die Grüsse der Glarner Regierung und berichtete über die Übergabe der Markenführung «Glarnerland». Zertifizierte Landwirte und Ernährungshandwerker dürfen sich mit diesem Label mit neuem Logo, welches ausschliesslich für Lebensmittel benutzt wird, auszeichnen.

AP 2014 – 2017 – Glarner Bauern profitieren

An die neue AP 2014 – 2017 müssen sich die Glarner Bauern offenbar noch gewöhnen. Die ersten Direktzahlungen im Rahmen der neuen Agrarpolitik wurden entrichtet und es steht bereits jetzt schon fest, dass durch dieses neue Auszahlungssystem die Glarner Bauern profitieren. Vor allem die Alpwirtschaft hat mächtig Auftrieb bekommen, fliesst doch ein grosser Teil der mehr ausbezahlten Gelder an die Alpwirtschaft. Der Sommer 2014 war geprägt von schlechtem Wetter. Trotzdem wuchs sehr viel Futter. Dieses konnte aber nicht trocken eingebracht werden. Es gab viel mehr Siloballen oder Silo. «Eine weitere Herausforderung ist das Ausscheiden des Gewässerraums. Dieser wurde aufgrund einer Gesetzesänderung im Jahre 2011neu definiert. Sollte die Umsetzung wie vorgesehen erfolgen, wird dies viele Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche beanspruchen und die Produktion der Landwirtschaft weiter einschränken», so die Information von GBV-Vorstandsmitglied Peter Schiesser.

Ziele des Glarner Bauernverbandes

Ihre vollste Aufmerksamkeit richteten die Versammlungsteilnehmer den Ausführungen von Marco Baltensweiler, Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Departement «Volkswirtschaft und Inneres». Baltensweiler dozierte über die konkreten Ziele des Bauernverbandes. Diese lauten: produzierende, unternehmerische und verantwortungsbewusste Landwirtschaft; faire Produzentenpreise und mit den übrigen Wirtschaftssektoren vergleichbare Einkommen; multifunktionale Landwirtschaft und eine gerechte Abgeltung dafür sowie die Aufrechterhaltung der Attraktivität des Berufstandes. Ein Fazit der Landwirtschaftsdirektion zeigt, dass die Landwirtschaft im Kanton an Boden verliert, die Verfügbarkeit der Produktionsfaktoren bis ins Jahr 2030 muss bekannt sein, die sektoralen Massnahmen sind besser aufeinander abzustimmen und last but not least müssen die landwirtschaftlichen Verbände Projekte mitentwickeln und mittragen, beispielsweise effiziente Grünlandnutzung.

Zahlreiche Aufgaben warten auf Lösungen

In diesem Jahr erwartet die Glarner Landwirtschaft einige Probleme, die es zu lösen gilt, unter anderen der Pachtzinszuschlag der Alpen, die Dichtigkeitskontrollen der Jauchegruben, eine Motion mit dem Thema «Waldstrassen – Anpassung des kantonalen Waldgesetzes», die Einführung eines landwirtschaftlichen Beraters für den Kanton Glarus, die Alpkonzepte der Gemeinden, der Agrotourismus, die Direktvermarktung und vieles mehr.

UNO-Jahr des Bodens

Gespannt warteten die Versammlungsteilnehmer auf das nachmittäglich Referat von Jörg Amsler, stellvertretender Leiter des Direktionsbereichs «Direktzahlungen und ländliche Entwicklung» vom BAL. Thema war das «UNO-Jahr des Bodens». Wenn man einen Blick auf die Weltkarte wirft, sieht man, dass in den Gebieten mit dem grössten Bevölkerungswachstum das Wasser sehr begrenzt vorhanden ist. Die Ernährung der zunehmenden Weltbevölkerung wird eine grosse Herausforderung sein. Die Schweizer Landwirtschaft produziert nur gerade 60% unseres eigenen Kalorienbedarfs und sind dafür noch auf Vorleistungen aus dem Ausland angewiesen (Futtermittel-Energie).

Es ist unumgänglich, unser Kulturland gezielter zu nutzen und zu schützen. Sämtliche Entwicklungen in unseren Raumkonzepten gehen immer zulasten von landwirtschaftlichem Kulturland. Siedlung Strassen und Naturschutzgebiete entstehen immer zulasten vom Kulturland und auch der Wald frisst täglich 10 ha Kulturland. Die Landwirtschaft steht deshalb in einem Spannungsfeld: Einerseits wird auf agronomisch ungünstigen und ökonomisch unattraktiven Standorten vorwiegend im Alp- und Berggebiet mit hohen Aufwand und gezielten Direktzahlungen versucht, den Waldzuwachs zu bremsen. Andererseits werden die agronomisch besten Böden und namentlich die Fruchtfolgeflächen vorwiegend im Mittelland praktisch schrankenlos überbaut. Eindruck machte die Darstellung über die Reserve vom Kulturland. Würden wir im gleichen Tempo weiterbauen wie seit dem Zweiten Weltkrieg, wäre das Kulturland der Schweiz in zirka 380 Jahren komplett überbaut. Angesichts der globalen und schweizerischen Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten im Bereich der Ernährungssicherung, des Klimawandels und der Nachhaltigkeit kommt dem Schutz der stark unter Druck stehende Ressource «Boden» eine zentrale Bedeutung zu.