Glarner Berge, Zigerschlitz, Jahreszeiten – alles in der Glarner Kantonalbank

Dass wir markante Berge, die Linthschlucht, den Selbsanft, das Martinsloch, Gedanken und Musik zu vielem auf einem Stockwerk angeboten bekommen, ist einer Häufung von guten Zufällen zu verdanken. Es sind die Verantwortlichen der Glarner Kantonalbank, die regelmässig und in grosszügiger Weise Gastgeber für das Begegnen mit Kunstschaffenden sind. Es sind die Repräsentanten des Kunsthauses Glarus mit Kaspar Marti und seinem Team. Es sind die Kunstschaffenden, die den Kontakt zu ihrem Kulturschaffen bereitwillig anbieten.




Und wenn alle Faktoren derart harmonisch stimmen, ist ein umfassendes, inhaltsstarkes Begegnen garantiert. An der Vernissage mit vorgängig irgendwie leicht geheimnisvoller Ankündigung erschienen viele Gäste, mit ihnen Toni Weishaupt, Albert Schmidt, Radical & YT, #herbschtimschlitz und #glarnerjahreszeiten. Was das alles auf sich hatte, erfuhr man gerne.

Für die grosszügigen Gastgeber begrüsste Stefan Görauch kurz und herzlich. Dann war es an Kaspar Marti, Präsident des glarnerischen Kunstvereins, die Kunstschaffenden zum kurzen Gedankenaustausch einzuladen, sie zum Erläutern ihres Schaffens aufzufordern. Er tat das in begrüssenswert konzentrierter Form. Mit seinem Einführen wies er auf die Verschiedenartigkeit der Werke kurz hin, beginnend bei der fast wandhohen Linthschlucht (aus dem Jahr 1897) von Balz Stäger. Man wähnte sich zuweilen beinahe in der malerischen Wildheit dieses grossen Gemäldes. Das grossflächige Bild, so Kaspar Marti, sei Einstieg und Hinwendung zu weiteren Exponaten, beispielsweise zu einem Foto von Fridolin Walcher oder einem Bild von Elsbeth Kuchen, in dem die Linthschlucht als behutsam gesetzter goldener Faden erscheint und Berglandschaften von Werner Stauffacher.

Zum ersten Gespräch war Toni Weishaupt, 1949 in Appenzell geboren, heute in Soglio lebend, eingeladen. Er äusserte sich in schönstem Appenzeller Dialekt zu seinem recht bewegten Leben, das durch Eigenwilligkeit, Neugier, grossen Kunstsinn, spürbar starke Bezüge zur Natur, Beharrlichkeit und Geduld beeindruckt. Er ist ein ausdauernder Betrachter, der mit Liebe zum Detail und beeindruckender Sorgfalt gestaltet. Zwischen 2008 und 2017 besuchte er während jeweils acht Monaten im Jahr die bergreichen Kantone unseres Landes, damals im Glarnerland, genauer im Tierfehd, beginnend. Das Malen stellte er als einen jeweils «ewigen Versuch» mit speziellen Herausforderungen dar. Man begegnet unter anderem dem wuchtigen Selbsanft, der Linthschlucht, dem Tödi, verweilt beim Muttsee, den Tschingelhörnen mit dem Martinsloch oder dem Oberblegisee mit der Glärnischkette.

Albert Schmidt, 1942 geboren, lebt und arbeitet in Engi. Erwähnt sind auf der Einladung zur Vernissage Malerei, Grafik, Fotografie und Installationen. Bis 2007 unterrichtete er in Basel bildnerisches / manuelles Gestalten. Neben seiner weit gespannten künstlerischen Tätigkeit setzt er sich engagiert für den Schutz alpiner Naturlandschaften ein. Er führte aus, wie intensiv Berge zu ihm einfach gehören, mit wieviel Respekt und Achtung er unterwegs ist, wie sein Betrachten in die Malerei einfliesst, wie mitteilsam die Natur sein kann. Er tat das ohne Übertreibung, vieles war nachvollziehbar und in verständlicher Art dargestellt. Berge sind beim Begehen zuweilen voluminös, enorm dominant, dann wieder Geheimnisse enthaltend. Schmidt äusserte sich zu Entstehungsprozessen seiner Bilder, die Begegnungen mit Tödi, Selbsanft, Vorab und den Tschingelhörnern gewähren.

Bildinhalte sind eine Form der Kommunikation. Bewusst wurde anderes einbezogen. Radical & YT sind mit ihren «Bühnennamen» seit den vergangenen 15 Jahren aktiver, stark beachteter Teil der glarnerischen und schweizerischen Rapszene. Radical ist Peter Baumgartner, 1981 geboren; hinter YT «versteckt» sich Yannick Tinner mit Jahrgang 1993. Sie vertreten schon fast zwei Generationen und haben sich für das im Juli 2018 erschienene Album «Vrenelisgärtli» zusammengeschlossen. #herbschtimschlitz und #glarnerjahreszeiten entführen ins eben begonnene Farbenspiel der Natur, das immer wieder zu bezaubern und gleichermassen zu verzaubern vermag. Musik wird zum Bild, wird beispielsweise auf Instagram und Co einsehbar sein. Auf einem unübersehbar grossen Bildschirm sind viele Bilder unter den beiden Hashtags zu sehen, dazu gehört der Song #herbschtimschlitz. Radical « YT haben sich diesem Laut-Gemälde angenommen, sie, beide in Schwanden aufgewachsen, erzählten vom positiven Entstehungsprozess, ihrer Bühnenpräsenz und der verständlichen «Natureinheit» Schwanden – Vrenelisgärtli. Text und Bild werden auf eine andere als die «gewohnte» Art zugänglich gemacht. Staffelei, Farben, Leinwand und Pinsel gehen bei dieser Begegnungsform leer aus, machen Neuem in spannend anzuhörender Weise Platz.

Philipp Reding, Digital Media Manager der GLKB, sprach kurz über seinen Beruf und die Vielzahl der bereits verfügbaren Fotos, über den didaktischen Aufbau dieser eigens aufgebauten Begegnungsform, die von der GLKB massgeblich initiiert und mitgetragen worden.

Dann war es Zeit, bei dem im Erdgeschoss offerierten, gar sorgsam und reichhaltig zusammengestellten Apéro zu verweilen. Es ergaben sich gewohnt viele, anregende Gespräche.

Die Ausstellung dauert bis zum 8. März des kommenden Jahres, sie ist zu den gewohnten Bürozeiten offen.