Glarner mitten im Generalstreik

Mit ausdrucksstarken Bildern erinnert das Theater «1918.ch» in Olten an den Landesstreik vor 100 Jahren. Dramatisch, temporeich, beklemmend. Am Wochenende mittendrin: die Glarner.




Im November 1918 streikten in der Schweiz 250 000 Menschen. Tiefe Löhne, hohe Teuerung, knappe Lebensmittel und entschädigungslose Militärdienste hatten der Arbeiterschaft Not und Armut gebracht, während Industrie und Landwirtschaft florierten. Als im November 1918 soziale Unruhen aufkamen, liess der Bundesrat die grossen Städte militärisch besetzen. Die Arbeiter reagierten mit einem Warnstreik am 9. November und einem anschliessenden Landesstreik – dem ersten und einzigen landesweiten Generalstreik in der Schweizer Geschichte. Gefordert wurden soziale und politische Gerechtigkeit, bessere Lebensmittelversorgung, AHV, Frauenstimmrecht und Teilhabe an der Macht.

Einfache Leute im Mittelpunkt

100 Jahre später wird mit einem nationalen, mehrsprachigen Theaterereignis in der alten Hauptwerkstätte der SBB in Olten an die Vorgänge und deren weitreichenden Folgen erinnert. Mit Geschichten der Streikenden, der hungernden Bevölkerung, von Frauen und Männern in Fabriken, Kindern vor Suppenküchen, von Eisenbahnern, die den Zugsverkehr zum Erliegen bringen. Temporeich, in ausdrucksstarken Bildern, dramatisch und beklemmend. Sämtliche Aufführungen sind ausverkauft.

Nebst den rund 100 Mitwirkenden aus dem Kanton Solothurn und Umgebung engagieren sich auch 20 Theatergruppen aus allen Landesteilen, die eine Szene aus ihrem Kanton darstellen. Am vergangenen Wochenende waren die Glarner an der Reihe. Daniel Emmenegger, Brigitte Felber, Iman Girolimetto und Urs Imhof erinnerten an das Schicksal des jungen Kunstmalers Jakob Wäch. Er stand am Anfang einer vielversprechenden Karriere, als das Glarner Bataillon wegen des Landesstreiks aufgeboten wurde. In St. Gallen erkrankten viele Soldaten an der Spanischen Grippe und wurden jäh aus dem Leben gerissen. So auch Wachtmeister Jakob Wäch. Die künstlerische Leitung oblag Christoph Zürrer, die Produktionsleitung Georg Müller, der Text stammte von Mathias Jenny aus Schwanden.

Die Glarner Truppe überzeugte mit ihrer eindringlichen Darstellung das Publikum. Darunter hatten sich einige Glarnerinnen und Glarner gemischt, so zum Beispiel auch Dr. Fritz Rigendinger, Leiter der Hauptabteilung Kultur. Er zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden mit dem Glarner Auftritt.