Glarner Schachteam will hoch hinaus

Heisser Schachherbst im Glarnerland! In der 1. Liga sichert sich Glarus in einem packenden Match den Gruppensieg und macht sich bereit für die Aufstiegsrunde in die NLB – erstmals in bald 100 Jahren Vereinsgeschichte. Die zweite Mannschaft erkämpft sich derweil in der 3. Liga in extremis den Ligaerhalt.




In der Schlussrunde der 1. Liga spielte Glarus als Tabellenführer gegen das abstiegsgefährdete Wädenswil, das dringend einen Sieg brauchte. Von der Tabelle her an sich eine klare Sache, doch der Teufel steckt in der Mannschaftsaufstellung. Das aktuelle Glarner Kader ist zwar das stärkste, das sich jemals für den Schachklub ans Brett gesetzt hat, doch was Wädenswil aufbot, um den Ligaerhalt zu realisieren, übertraf alle Spekulationen: drei Grossmeister, ein ELO-Rating der gesamten Mannschaft von 2235, das ist stärker als zwei der zehn NLA-Mannschaften. Nun denn, will Glarus in höhere Sphären vorstossen, dann heisst es, gegen genau solche Mannschaften zu bestehen.

Entscheidet die richtige Taktik?

«Ruhig spielen und keine Risiken eingehen», gab der Glarner Mannschaftsleiter Martin Dürst als Devise aus. Schliesslich brauchte Wädenswil den Sieg und musste Risiken eingehen, was bereits die Aufstellung der Spieler offenbarte. Wädenswil stellte taktisch am zweiten Brett einen deutlich schwächeren Spieler zwischen ihre Grossmeister, mit der Absicht, dieses Brett als Joker auf gut Glück spielen zu lassen und dafür an den hinteren Brettern zu punkten. Unser starker Junior Fabian Bänziger, gerade eben von seinem letzten Turnier zurückgekehrt, fand sich daher am zweiten Brett als klarer Favorit wieder. Ein Spaziergang wurde Fabians Partie keinesfalls, doch zunächst brannte es auf anderen Brettern.

Die ganz grossen Kaliber ausbremsen

Drei Grossmeister zu knacken, war eine schwierige Aufgabe. Besonders musste dies Ufuk Tuncer am dritten Brett der Glarner erfahren, der gegen den ungarischen Spitzenspieler die Waffen strecken musste. Nun stellte sich die Frage, ob die Glarner dies an einem der anderen Bretter ausgleichen könnten. Oswald musste als erster in ein Unentschieden einwilligen. Kurz darauf ereilte auch Fabian Ferster trotz Gewinnversuchen gegen einen schwächer eingestuften Gegner das gleiche Schicksal. Ein erster Lichtblick war dann das Unentschieden von Jaroslaw Krassowitzkij am ersten Brett gegen den stärksten Grossmeister in den Reihen der Gegner. So stand es nach vier Stunden 2,5:1,5 für Wädenswil.

Glarus hält dagegen

Mit viel Geduld setzte sich Fabian Bänziger schliesslich durch und glich für Glarus wieder aus. Der Wädenswiler Joker hatte nicht gestochen. Nun kippte das Momentum auf die Seite der Glarner. Dario Bischofberger brachte Glarus sogar in Führung. Nur gut, dass Dario auf Anraten des Mannschaftsleiters ein Remisangebot seines Gegners ausgeschlagen hatte. Wädenswil durfte nun keine Punkte mehr hergeben. Olga Kurapova erreichte trotzdem ein Remis, womit Glarus den Match mindestens mit einem Unentschieden beenden würde. Das bedeutete Gruppensieg und Heimrecht im Aufstiegsspiel. Blieb noch die letzte Partie. Guido Neuberger fightete gegen den Grossmeister Aleksandar Colovic um jede Figur. Und Neuberger behielt die Nerven und zwang Colovic in ein Remis, mit optimalen Folgen für Glarus, das den Match mit 4,5:3,5 gewann und das edel besetzte Wädenswil in die 2. Liga schickte.

Mit Respekt ins Aufstiegsspiel

Man darf es ruhig sagen: Glarus ist zurzeit mit der besten Mannschaft seiner bald 100-jährigen Vereinsgeschichte als Gruppensieger in der 1. Liga so gut unterwegs wie noch nie. Am 2. November eröffnet sich die Chance, sogar in die Nationalliga B aufzusteigen. Doch mit Olten 2 wartet die Überraschungsmannschaft der 1.-Liga Gruppe Zentral. Olten 2 hat in dieser Saison trotz auf dem Papier eher bescheidenem Kader einen phänomenalen Lauf gehabt und scheint so gut wie alles zusammenzuhauen. Den Solothurnern ist viel zuzutrauen, sie zu unterschätzen, wäre ein fataler Fehler. Zeigt Glarus aber so viel Charakter wie gegen Wädenswil, ist auch für sie alles möglich.

Glarus 2 erkämpft sich den Ligaerhalt

Auch die zweite Mannschaft zeigte Herz und viel Kampfgeist. Auf den letzten Tabellenplatz in der 3. Liga abgerutscht und in höchster Abstiegsgefahr, musste Glarus 2 auswärts ausgerechnet gegen den Tabellenführer March-Höfe antreten. Ironischerweise im Vergleich zur ersten Mannschaft in genauer Umkehrung der Ausgangslage. Die Dinge schienen zunächst den erwarteten Verlauf zu nehmen, denn Glarus geriet mit 0:2 in Rückstand. Aber die Glarner gaben sich nicht geschlagen. Jacques Jenny mit einem Sieg und Werner Furthmüller und Martin Jenny mit zwei Remis brachten Glarus wieder auf 2:3 heran. Werner Weibel kämpfte wie ein Löwe um die alles entscheidende Partie und setzte sich schliesslich durch. Das überraschende 3:3-Unentschieden rettete Glarus in letzter Sekunde den Ligaerhalt; ein verdienter Lohn für die zweite Mannschaft, die trotz schwieriger Ausgangslage nie aufgab.