Bereits die Taxifahrt vom Tierfehd durch die wilde Linthschlucht vermittelte den rund 30 Teilnehmenden einen Hauch von Abenteuer. In Hintersand hiess Martin Lehmann vom Alpwirtschaftlichen Verein die illustre Schar willkommen. Dann ging es steil hinauf an gewaltigen Wandfluchten und jungen Bergstürzen entlang und durch artenreiche Alpwiesen.
400 Schafe von Niedersand bis an den Fuss des Tödi
Allgegenwärtig in diesem Gebiet ist die Energiegewinnung. Die Wildbäche werden gefasst und durch unterirdische Stollen in den Limmernsee umgeleitet. Auf Tentiwang wartete bereits Jakob Schuhmacher aus Braunwald auf die Interessierten. Der Schäfer ist zuständig für die Schafalpen Hintersand und das weiter oben liegende Gebiet. „Die Alpzeit dauert meist 95 Tage. Mehr als 1000 Höhenmeter beträt die Höhendifferenz zwischen dem untersten und dem obersten Punkt der Alpen“, erklärte der bärtige Älpler. Die Alpen befinden sich im Privatbesitz der Familie Hansruedi Zweifel, Linthal.
Die Alpen werden mit zwei Herden zu je 200 Schafen beweidet. „Wir betreiben das System der eingezäunten Umtriebsweide. Das hat sich sehr bewährt“, informierte Schuhmacher weiter. „Die 180 Hektaren Alpwiesen sind in 13 Parzellen eingeteilt und spätestens alle 14 Tage wird gewechselt.“ 150 Schafe gehören dem Schäfer selbst und 200 Stück Oswald Metz aus Näfels.
Keine Angst vor dem Wolf
Bei phänomenalen Sichtverhältnissen auf den Bifertengletschers und die majestätisch thronenden Eiswände des Tödi erreichte die Gruppe die SAC-Fridolinshütte.
Ob der Wolf kommt oder nicht – das nimmt man in Glarner Schäferkreisen gelassen. „Topografisch sind wir hier einigermassen sicher. Müssten Schutzhunde angeschafft werden, werde ein Hirte benötigt“, erklärte Schuhmacher. Schutzhunde aber würden die Herde beschützen und seien für die Touristen nicht ganz unproblematisch.
Nach dem Aufstieg zum Ochsenstock (2259 m.ü.M.) folgten nochmals Hinweise vom Schäfer sowie von alt Alpchef Jakob Menzi aus Filzbach. Die Glarner Alpen seien schweizweit ein Vorzeigebeispiel, wie die Bundesvorschriften umgesetzt wurden.
Anschliessend ging es weiter nach Obersand, wo Familie Zweifel einen reichhaltigen „Zvesper“ auffuhr. Die Besitzer bewirtschaften die Alpen Hinter- und Obersand mit rund 40 Kühen und 70 Stück Jungvieh. Mit dem steilen Abstieg zurück nach Hintersand fand der gelungene Anlass seinen Abschluss. Bäuerliche und nichtbäuerliche Bevölkerung sind sich an diesem Tag wohl ein Stück näher gekommen!
Liebe ist weder Tugend noch Laster


