Glarus ehrt Rudolf Etter

Für sein jahrzehntelanges Engagement im Dienste der Glarner Jugend und des Sports wurde Rudolf Etter am Freitagabend mit dem Dr.-Rudolf-Stüssi-Preis der Gemeinde Glarus geehrt.



Eine Feier für Rudolf Etter in der Turnhalle: Das passt zum einstigen Lehrer und langjährigen Vorsteher des kantonalen Turn- und Sportamtes. Auch die musikalischen und sportlichen Darbietungen von Schülerinnen und Schülern sowie der Auftritt des Glarner Singvereins waren sehr gut abgestimmt auf den Preisträger. Dass der Singverein von Christoph Kobelt dirigiert wurde und von diesem komponierte Glarner Lieder sang, berührte Rudolf Etter besonders, wie er sagte. Etliche Gäste gaben «Ruedi» die Ehre, darunter alt Landammann und Erziehungsdirektor Fritz Weber sowie Olympiasiegerin Vreni Schneider.

Schon Vater Fritz Etter ausgezeichnet


Natürlich gehören zu einer Preisverleihung auch Reden. Gemeindepräsident Christian Marti betonte in seiner Begrüssung nach dem ersten Apéro im Buchholz, dass der Kantonshauptort mit dem Dr.-Rudolf-Stüssi-Preis verdiente Mitglieder aus unserer Gesellschaft, welche die Schule in Glarus oder Riedern besucht hätten, auszeichnen könne. Dies sei dem grosszügigen Spender und Förderer, alt Ständerat Dr. iur. Rudolf Stüssi (1883 bis 1982), zu verdanken. «Der Reichtum dieses Preises ist von der Schulgemeinde Glarus-Riedern in die fusionierte Gemeinde eingebracht worden. Dafür bin ich dankbar», so der Gemeindepräsident.

Er gratulierte Rudolf Etter für dessen «jahrzehntelanges Engagement im Zeichen von Jugend und Sport, im Beruf genauso wie im ehrenamtlichen Bereich. Und selbst im Ruhestand mit Leib und Seele passioniert für die Glarner Jugend, den Sport und unsere Gemeinschaft im Einsatz.» Damit werde er in eine Reihe «namhafter und in verschiedensten Bereichen verdienter Persönlichkeiten aufgenommen wie beispielsweise Beat Gähwiler, Rolf von Arx, Ernst Jakober, Greta Leuzinger, Hans Brupbacher, Fritz Knobel, Eveline Hasler und die Herren Professoren Georg Thürer, Franz Böckle, Kurt Rhyner und Fritz Zwicky».

Eine Premiere sei die Auszeichnung von zwei Generationen: Der Vater des heutigen Preisträgers, Fritz Etter, Lehrer, Regierungsrat und Kantonalsängerdirigent, war 1981 ebenfalls mit dem Preis ausgezeichnet worden. Und die zweite Premiere bestehe darin, dass Rudolf Etter der erste Preisträger in der Geschichte der Gemeinde seit der Fusion von 2011 sei.

Christian Marti dankte auch Marlis Etter für die grosse Unterstützung ihres Ehemanns sowie allen Beteiligten für ihr Engagement. «Und jetzt, lieber Ruedi, geniess diesen schönen Abend in aller Anerkennung, lass dich so richtig feiern und verwöhnen. Ich freue mich auf alles, was du für unsere Gemeinschaft noch tun und erreichen wirst», so der Gemeindepräsident.

«Ganz sicher verdient»


Die erste Laudatio hielt Gemeinderat Markus Schnyder, Präsident der Schulkommission. Auch er blickte zunächst auf Dr. Rudolf Stüssi zurück, dessen Fonds gemäss Statuten «die Verleihung von Ehrengaben für bedeutende Leistungen auf dem Gebiete der Forschung, der Wissenschaft oder der Kunst» ermögliche. Seit 2007 sei der Preis nicht mehr vergeben worden.

«Als Autor seines Lebensbuches sollte man sich bemühen, nicht ein möglichst dickes, sondern ein gutes zu schreiben», so das Zitat eines Künstlers. «Müsste man ein Buch über dein Leben schreiben, so wäre dieses ziemlich sicher‚ sowohl als auch, also dick und gut», sagte der Schulkommissionspräsident zu Rudolf Etter. Verdient hätte dieser den Preis mit seinem «scheinbar endlosen Engagement zugunsten unserer Schule und Schüler ganz sicher».

Mit Leib und Seele dabei

Die zweite, ausführlichere Laudatio oblag Martin Beglinger, Mitglied der Schulkommission und vor 44 Jahren selber Schüler von Rudolf Etter «mit schönen Erinnerungen», wie er betonte. Auch er wand zunächst Marlis Etter ein speziell grosses Kränzchen und kam dann auf den Lehrer Ruedi Etter zu sprechen, dem schon als Junglehrer der Schulsport sehr wichtig war. 1982 eröffnete sich ihm «die ganz grosse Chance, seine grosse Leidenschaft Sport mit der Pädagogik zu verbinden»: Er wurde Vorsteher des neu geschaffenen kantonalen Turn- und Sportamtes. «Und das war nun wirklich ein Amt, als wäre es für ihn erfunden worden», so Martin Beglinger. «Fast 20 Jahre lang hat er dieses Amt mit Leib und Seele geführt, die meiste Zeit davon in sehr kollegialer Art und Weise mit Jürg Bernold. Beide Männer sagen heute, dass sie sich in diesen Jahren fast mehr gesehen haben als ihre eigenen Ehefrauen.»

Oberstes Ziel von Rudolf Etter war ein möglichst guter Schul- und Breitensport im Kanton. Mindestens jeden zweiten Tag sei er in einer Turnhalle aufgekreuzt – immer unangemeldet, verriet der Redner. Dabei habe er sich aber nie als Inspektor verstanden, sondern als Coach. So habe er auch immer zwei Varianten von Beurteilungsblättern geschrieben: die offizielle für die Behörden sowie die mit Tipps ergänzte Version für die betreffende Lehrperson, um diese zu besserem Unterricht zu motivieren.

Nebst dem Schulsport war ihm auch der Breitensport ein grosses Anliegen. So stand er immer in engstem Kontakt zu den Vereinen, und zwar «querbeet durch alle Sportarten». Wo er mitmachte, «da engagierte er sich voll, er kann gar nicht anders – bis heute nicht», so Martin Beglinger. Hinzu kam das Schreiben von unzähligen Artikeln, bei denen es ihm auch darum ging, Goodwill in der Öffentlichkeit für den Regionalsport zu schaffen.

Perfekte Organisation, Verlässlichkeit und Leistung habe Rudolf Etter immer vorgelebt, was Ehrgeiz brauche. Letzterer hätte aber nicht darin bestanden, «dass er aus jedem Jungen einen Spitzensportler machen wollte. Jeder nach seinen eigenen Fähigkeiten, doch Hauptsache, sie machen Sport – um das gings.»

Martin Beglinger erwähnte speziell zwei Projekte, bei denen sich der Preisträger besonders engagiert hatte: das Gründli («ohne Ruedi Etter hätten wir dort kein Hallenbad») und das SFG, die Sport- und Freizeitanlagen Buchholz.

«Ruedi, du hast diesen Preis mehr als verdient. Wir gratulieren dir herzlich dazu», so die Schlussworte der Laudatio, der sich die eigentliche Preisübergabe durch Markus Schnyder anschloss.

Anerkennung für den Sport

«Ich habe mich gefragt, wieso ich?», sagte der Preisträger in seinem Schlusswort. Dass er der Erste sei, der im Bereich Sport ausgezeichnet werde, sehe er als Anerkennung für den Sport. Er dankte namentlich allen Gästen, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet hatten, vor allem aber auch seiner Familie: «Ich bin oft, zu oft abwesend gewesen.» Er versuche es nun mit seinen Enkeln und Urenkeln nachzuholen.

«Danke, danke, danke. Ihr habt mir eine riesige Freude gemacht», meinte Rudolf Etter gerührt, ehe der Glarner Singverein zum Schlusslied anstimmte und die Feier dann im kleineren Kreis im «Glarnerhof» weiterging.