Glarus sagt Ja zur Eisfeld-Überdachung

Die Stimmberechtigten von Glarus folgten am Freitagabend fast überall den Anträgen des Gemeinderates. Auch bei der Überdachung des Eisfeldes im Buchholz. Einzig ein Budgetposten wurde gestrichen.




«Jetzt wollen wir wie immer lust- und respektvoll mindern und mehren», sagte Gemeindepräsident Christian Marti zu Beginn der Gemeindeversammlung im vollen «Schützenhaus»-Saal – selbst die Bühne hinter dem Gemeinderatstisch war besetzt. Am Schluss bekam der Vorsitzende grossen Applaus für seine sichtlich lustvolle Verhandlungsführung. Dazwischen lagen dreieinhalb Stunden intensiver Diskussionen, bei denen sich die Behörde mit einer kleinen Ausnahme durchsetzte.

Buchholz gab zu reden


Gleich über sieben Kreditanträge hatten die Stimmbürgerinnen und -bürger zu befinden. Rund 40 Minuten wurde über den Kredit von 3,8 Millionen Franken für die Erneuerung, die Überdachung, den Tribüneneinbau sowie die Erstellung von Technik- und Geräteräumen auf dem Eisfeld Buchholz debattiert. Dabei wurde die grosse Arbeit der IG Überdachung Eisfeld Glarus gewürdigt.

Die Geschäftsprüfungskommission (GPK) beantragte, die Beschlussfassung um ein Jahr zu verschieben. «Wir wollen entscheiden, wenn weitere Details vorliegen», sagte GPK-Präsident Hans Schubiger. Wie hoch ist die Kostenbeteiligung des Kantons? Welches sind die Folgekosten? Wohin will man mit dem Buchholz?

Roland Goethe, Glarus, beantragte Rückweisung samt Auftrag an den Gemeinderat, die Gesamtentwicklung im Buchholz aufzuzeigen: «Die Überdachung ist unbestritten. Aber man muss die Sportanlage Buchholz als Ganzes sehen.» Mit der Salamitaktik ernte man nur Unverständnis und Misstrauen.

Sandro Magni plädierte namens des Glarner Eislauf Clubs für einen Sachentscheid an der Gemeindeversammlung, ohne politische Diskussionen. «Das Projekt wird in einem Jahr weder besser noch günstiger sein.

Für Koni Gabriel, Riedern, ist das Timing etwas vom Wichtigsten: «Die Anlage steht. Wir haben die Begeisterung der Jugend. Die Behörde steht dahinter. Die IG hat unheimliche Arbeit geleistet. Heute Abend ist der Moment, sich zu entscheiden.»

Kaspar Becker, Ennetbühls, votierte für Rückweisung, da viele Fragen offen seien. Angesichts der enormen Investitionen der Gemeinde Glarus gelte es, das Nötige vom Wünschbaren zu unterscheiden.

Laut Christian Büttiker liegt das Gesamtkonzept vor: Die 35-jährigen Anlagen sind zu sanieren. «Wir bauen keine Luxuslösung», sagte der Gemeinderat. Es sei das richtige Projekt für Glarus, schaffe Planungssicherheit und mehr Möglichkeiten im Sommer. Verschieben bringe nichts: «Wir sind bereit für das Projekt, auch finanziell. Nutzen wir die Chance und setzen ein Zeichen für Glarus.»

In der Eventualabstimmung setzte sich der Verschiebungsantrag der GPK gegen die Rückweisung durch. Deutlich entschied sich die Versammlung dann aber für den Antrag des Gemeinderates. Kurs vor halb elf war klar: Der Kredit von 3,8 Millionen ist bewilligt.

Tauschgeschäft entkoppeln?


Ebenfalls rund 40 Minuten befasste sich die Gemeindeversammlung mit dem Kredit von 630'000 Franken für den Kauf der Werkhofhalle Ygruben, Glarus, der Firma Trümpi AG (Tausch Liegenschaft Mühlefuhr, Ennenda). Die GPK beantragte Rückweisung des Geschäfts samt Entkoppelung der beiden Tauschgeschäfte. Mit einer öffentlichen Ausschreibung sei im Mühlefuhr ein höherer Preis als 950 000 Franken zu erzielen, meinte Hans Schubiger. Ausserdem sei der Standort Ygruben für den Werkhof nicht ideal. In zehn Jahren müsse man sich wieder etwas Neues einfallen lassen.

Lukas Sarasin aus Glarus, Mieter einer kleinen Bildhauerwerkstatt im Mühlefuhr, unterstützte die Rückweisung. Im Mühlefuhr vermiete die Gemeinde Räume an 30 KMUs und sechs Wohnungen. Bei einem Besitzerwechsel entstünde grosse Verunsicherung.

Gemeinderat Roland Schubiger warb für den Kredit. Ein Tausch habe einen deutlichen Nutzen für die Gemeinde, sonst sei die Halle im Ygruben weg. Ein Neubau des Werkhofs käme sehr viel teurer zu stehen.

Rudolf Isler, Ennenda, prangerte das «grosse Missverhältnis» bei den Quadratmeterpreisen an: 151 Franken im Mühlefuhr und 552 Franken für die Ygrubenhalle.

Josef Suter aus Glarus, Betriebsleiter der Holzbau Zweifel, beantragte unveränderte Zustimmung zum Geschäft. Es gehe um 20 Arbeitsplätze. Beide Standorte würden gestärkt.

Simon Trümpi, Glarus, bezeichnete den Rückweisungsantrag der GPK als hinderlich für die KMUs. Sie wären im Zugzwang, andere Wege zu gehen. Eine Entkoppelung komme nicht infrage.

Rolf Blumer, Glarus, plädierte dafür, den ältesten Glarner, den Neid, aus dem Spiel zu lassen. Das Areal Ygruben stehe schon lange zur Diskussion.

Andreas Schiesser aus Ennenda, Vizepräsident der GPK, warb namens der CVP für Rückweisung. «Etwas geht bei den Preisen nicht auf. Entweder ist das eine zu günstig oder das andere zu teuer.» Der freie Markt solle spielen.

Gemeinderat Ernst Disch ermunterte die Gemeinde, strategisch richtige Weichen zu stellen. Das Geschäft sei von langer Hand vorbereitet und entscheidungsreif. Angestrebt werde eine dauerhafte Lösung.

Mit grösserem Mehr entschieden sich die Stimmberechtigten schliesslich, das Geschäft nicht zurückzuweisen, sondern zu beraten. Der Kredit selber war nicht bestritten.

Nochmals Salamitaktik?


Rückweisung wurde weiter beantragt bei der Genehmigung eines Bruttokredits von 770 000 Franken für die Realisierung eines Multifunktionsplatzes im Buchholz. Für Jakob Hösli, Glarus, erfüllt das Projekt «weder planerisch noch politisch» die nötigen Voraussetzungen. Für Roland Goethe ist das Geschäft wieder ein Beispiel für Salamitaktik. Er beantragte Rückweisung mit dem Auftrag, die Gesamtentwicklung inklusive Investitions- und Betriebskosten der Sportanlagen im Buchholz aufzuzeigen.

René Schönfelder, Riedern, wandte sich namens des Glarner Leichtathletikverbandes gegen eine Rückweisung. Eltern, Grosseltern und andere Besucher müssten doch im Buchholz parkieren können.

Nach einer Klärung durch Christian Büttiker unterstützte die überwiegende Mehrheit den Antrag des Gemeinderates. Auch hier war der Kredit an sich nicht bestritten.

Die anderen vier Kreditanträge passierten ohne Wortmeldungen: 800 000 Franken für den Bodenkauf beim Altersheim Bruggli Netstal, 350 000 Franken für die Strassen- und Werkleitungssanierung An der Burg Glarus, 600 000 Franken für den Hochwasserschutz Zeltplatz Güntlenau im Klöntal sowie 970 000 Franken für die Abwasserentsorgung Schwammhöhe und Sackberg bis Wyden. Auch die Genehmigung des Konzeptes 2025/2040 des Abwasserverbands Glarnerland war unbestritten.

Verschiedene Budgetposten diskutiert

Zu Beginn der Versammlung hatte das Budget 2017 der Gemeinde Glarus für Diskussionen gesorgt. Die Erfolgsrechnung sieht bei einem Gesamtertrag von 50,7 Millionen und einem Gesamtaufwand von 50,6 Millionen einen Ertragsüberschuss von rund 80 000 Franken vor (3,5 Millionen vor Abschreibungen). Für das Jahr 2017 sind Nettoinvestitionen von 16,25 Millionen Franken geplant. Der Selbstfinanzierungsgrad liegt bei 18,9 Prozent.

Heinrich Hösli aus Ennenda, Jakob Schnyder aus Netstal, Jakob Hösli aus Glarus und Christian Bosshard aus Netstal äusserten sich zu einzelnen Positionen. Jakob Schnyder setzte sich mit seinem Antrag auf Streichung von 49 000 Franken für ein Fahrzeug der Fachstelle Landwirtschaft durch. Es war das einzige Mal, dass ausgezählt werden musste.

Der Gemeindesteuerfuss bleibt für das Jahr 2017 unverändert auf 63 Prozentpunkten der einfachen Staatssteuer.

Die Wahl eines Stimmenzählers kam mangels Kandidaturen wieder nicht zustande. Der Gemeinderat macht sich nun selber auf die Suche.

Eingangs gedachte die Versammlung des verstorbenen alt Gemeinderates Vinzenz Fäh und begrüsste Ursina Hagmann, die sich seit dem 1. November die Stelle mit Claudia Wild als stellvertretende Gemeindeschreiberin teilt.

Um 22.55 Uhr schloss Gemeindepräsident Christian Marti die Versammlung mit dem Hinweis, dass die Polizeistunde im ganzen Gemeindegebiet auf 03.00 Uhr angesetzt sei.