Grenzenlose Freiheit über den Wolken

Sie schweben lautlos durch die Lüfte und geniessen die grenzenlose Freiheit über den Wolken. Als verschworene Gemeinschaft pflegen sie Kameradschaft und die Affinität zur Aviatik. Seit 70 Jahren frönen sie ihrem Hobby und haben das Segelfliegen im Kanton Glarus bekannt gemacht. Die Rede ist von der Segelfluggruppe Glarnerland, die am Wochenende ihr 70-jähriges Bestehen feierte.




70 Jahre Segelfluggruppe Glarnerland! Zugegeben keine allzu lange Wegstrecke in der Geschichte der Aviatik, aber alleweil Grund, dieses Jubiläum gebührend zu feiern. Das sagte sich auch das Organisationskomitee unter Fluggruppe-Präsident Thomas Walt und stellte ein Rahmenprogramm auf die Füsse, welches ausnahmslos begeisterte. Schon am Samstagvormitttag trafen sich ehemalige und aktive Mitglieder samt Kind und Kegel zum Apéro vor dem Segelflugzeug-Hangar auf dem Flugplatz Mollis. Wettermacher Petrus beschenkte das Geburtstagskind mit Kaiserwetter und die Flugbedingungen für die Segelflugpiloten waren geradezu ideal. Dies animierte viele der Gäste, selbst einmal in luftige Höhen zu entschweben und das wunderbare Gefühl von Freiheit zu geniessen. Jene, die am Boden blieben, konnten sich über den Flugbetrieb und über die Flugzeugflotte der Segelfluggruppe Glarnerland eingehend informieren. Anwesende Segelflug-Piloten erklärten den Interessierten die neuesten Einrichtungen und Errungenschaften heutiger Segelflugzeuge.

Der Samstagabend stand dann ganz im Zeichen der Geburtstagsfestivitäten. Dazu wurde der Segelflugzeug-Hangar toll und liebevoll von Heinzelmännchen und -frauen der Segelfluggruppe ausgeschmückt. Das anwesende Catering-Team vom Metzger Fischli liess erahnen, dass auch für den kulinarischen Part bestens gesorgt war. Freudestrahlend konnte Präsident Thomas Walt die anwesenden Gäste, darunter auch Gemeindepräsident Christian Marti, begrüssen. Sein Vater Heiri Walt, welcher nebst als langjähriger Präsident der Segelfluggruppe Glarnerland über 40 Jahre als Segelfluglehrer amtete, erzählte unterhaltsam aus seinem reichhaltigen Fundus an Erlebnissen und Episoden. Sein späterer Amtskollege Tobias Jenny tat es ihm gleich und sorgte mit seinen Geschichten für Heiterkeit. Der Auftritt eines «Wetterschmöckers» aus dem Kanton Schwyz mit seinen eher fragwürdigen Wettervorhersagen war dann nur noch das Tüpfelchen auf dem i eines in jeder Beziehung gelungenen Anlasses. An dieser Stelle nochmals Happy Birthday liebe Segelflieger, und weiterhin viel Aufwind!

Bewegte Geschichte der SGGL


Im Jahre 1946 gründeten angefressene Segelflieger die Segelfluggruppe Churfirsten. Der Materialpark umfasste damals eine S18 III HB-353, eine Autowinde, einen Transportanhänger sowie ein Gruppentransportauto. Als Fluggelände wurde die Allmend in Walenstadt ausplaniert. Der Anfang war geprägt von Wanderjahren ohne festen Flugplatz. Mit Anhängern zogen die Segelflieger aus Walenstadt von Wiese zu Wiese und von Flugplatz zu Flugplatz in der Ostschweiz. Dreizehn Jahre später fand die Fluggruppe Aufnahme auf dem Flugplatz in Mollis. Ausserhalb der Militärnutzung konnten sie einen Fliegerunterstand als Hangar benützen. Bereits in diesen frühen Jahren wurde der Schlepp- und Windenbetrieb durchgeführt. Es folgten stürmische Jahre mit personellen Veränderungen im Vorstand. Ebenso beanspruchte das Militär die zur Verfügung gestellten Unterstände für eigene Zwecke. Man versuchte dieses Problem mit einem Zelt zu lösen. Die Schleppflugzeuge konnten auf dem Flugplatz in Schänis einquartiert werden. Das waren Zeiten, in denen ein komplizierter Flugbetrieb geführt wurde, der wenig einbrachte, aber umso mehr kostete. Im Jahre 1970 musste Obmann Res Senn aus beruflichen und privaten Gründen zurücktreten. Der Netstaler Tobias Jenny übernahm dieses Amt und führte dieses bis ins Jahr 1996. Infolge der Ausmusterung von Venom-Kampfflugzeugen konnte das Militär den Unterstand wieder zur Verfügung stellen. Die von der Zeltübung stark angeschlagenen Finanzen machten eine Überprüfung der eigenen Flugzeugflotte nötig.

Neuer Hangar und neue Flugzeuge


Mittlerweile erlaubten es die Finanzen, dank unterstützenden Subventionen des Aero-Clubs und von Sport-Toto-Geldern, neue Flugzeuge zu kaufen. Die seit Ende der 60er-Jahre systematisch betriebene Streckenfliegerei trug nun Früchte. Nach erfolgter Bewilligung und abgeschlossener Detailplanung konnte im Jahre 1978 mit dem Bau eines, grösstenteils in Fronarbeit erstellten, neuen Hangars begonnen werden. Die Kosten von 130 000 Franken konnten knapp zur Hälfte aus eigenen Mitteln finanziert und den Rest dank Zuschüssen vom Aero-Club, Sport-Toto, einer Hypothek der GLKB sowie durch Darlehen von Gruppen-Mitgliedern bezahlt werden. Der neue Hangar unmittelbar neben dem Startplatz erwies sich als grosser Vorteil, indem auch bei weniger gutem Wetter Flugbetrieb stattfand und das Hangar-Büro zum Treffpunkt wurde. Von Sitterdorf wurde ein Motorsegler AVO 68 gemietet. Es brauchte jedoch einige Zeit, bis dieser von den reinen Segelfliegern einigermassen akzeptiert wurde.

Vom SG Churfirsten zu SGGL


Um die Verbundenheit und Dankbarkeit gegenüber dem Flugplatz Mollis und dem Standortkanton auszudrücken, wurde im Jahre 1994 entschieden, den Gruppennamen von SG Churfirsten auf Segelfluggruppe Glarnerland zu ändern. Im Jahre 1996 feierte die Segelflugruppe Glarnerland ihr 50-jähriges Bestehen. Mit einer grossen Flugshow wurde dieses Jubiläum gebührend gefeiert. An die 30 000 Personen konnten trotz eher schlechten Wetterbedingungen eine grossartige Flug-Show geniessen. In diesem Jahr wurde auch der Flugplatzverein Glarnerland gegründet, der künftig die Zukunft und die Geschicke unseres Flugplatzes leiten sollte.

Segelfluggruppe in guten Händen

Dani Künzler übernahm im Jahr 1996 von Tobias Jenny das Amt des Obmanns. Jenny hatte während 26 Jahren bravourös die Geschicke der Segelfluggruppe geleitet und sie zielsicher durch alle Höhen und Tiefen geführt. Als Dank für seine Leistungen verleiht ihm die SGGL die Ehrenmitgliedschaft. Im Jahre 2012 wird anlässlich der Generalversammlung ein Antrag auf die Integration der SG Alpin in die Fluggruppe einstimmig angenommen. Die SG Alpin ist aus der SG Blauer Windsack entstanden und war seit den 60er-Jahren in Schänis zu Hause. Wegen rückläufiger Mitgliederzahlen hatten sich die Mitglieder entschieden, ihre Gruppe aufzulösen. Neben vier neuen Mitgliedern konnte die SGGL von der SG Alpin auch deren DG-1000 HB-3400 übernehmen. Somit waren die Molliser Segelflieger stolze Besitzer von 3 Doppelsitzern. Abschliessend darf man mit Fug und Recht behaupten, dass die Segelfluggruppe Glarnerland prosperierend auf bestem Wege und vor allem in guten Händen ist.