«Grosse Freude den Landrat nach aussen zu vertreten»

Emil Küng wurde heute zum neuen Landratspräsidenten gewählt. Im Vorfeld gab er uns auf einige Fragen seine persönlichen Antworten.



(Bild: jhuber)
(Bild: jhuber)

gl24: Nach fünf Jahren im Landratsbüro ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass Sie die Leitung des Gremiums übernehmen können. Mit welchen Gefühlen und Erwartungen gehen Sie in Ihr Jahr als Landratspräsident?

Emil Küng: Sicher mit vergleichbaren Gefühlen wie andere Menschen in ähnlichen Situationen:
Mit grossem Respekt und Demut vor der Aufgabe, mit einem qualitativen Anspruch an die eigene Arbeit und mit Vorfreude; die Vorfreude überwiegt.

gl24: Worauf freuen Sie sich besonders? Wovor haben Sie am meisten Respekt?

Emil Küng: Die Aufgabe zur Leitung der Sitzungen des Landrates macht am meisten Respekt.
Da hoffe ich auf einen guten Einstieg in die erste Sitzung.
Ich freue mich darauf, dass ich den Landrat ein Jahr lang gegen aussen vertreten darf. Vermutlich werde ich einige Einblicke in den Kanton gewinnen, die nur im Zusammenhang mit diesem Amt in so kurzer Zeit möglich sind.

gl24: Worauf wollen Sie sich in Ihrer Amtszeit konzentrieren?

Emil Küng: Der Schwerpunkt liegt auf einer im Interesse des Kantons und seiner Einwohnerinnen und Einwohnern ausgerichteten und gut funktionierenden Ratsarbeit.
Die Unterstützung durch das Büro des Landrats aber auch durch alle Landrätinnen und Landräte ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Selbstverständlich gehören in diese Aufzählung auch die Regierung, das Ratssekretariat und die gesamte Verwaltung dazu.

gl24: Als Berufschullehrer haben Sie ja bereits Erfahrung mit der Leitung von heterogenen Gruppen. Sehen Sie hier gewisse Parallelen?

Emil Küng: Heterogenität ist immer eine Herausforderung von zufällig zusammengesetzten Gruppen. Respekt untereinander und die Arbeit auf definierte Ziele hin verhilft dabei auch zu einer gewissen Homogenität. Die beiden Bereiche muss man Lernenden in einer Berufsfachschule gelegentlich in Erinnerung rufen; im Landrat ist ein respektvoller Umgang eigentlich an der Tagesordnung und die Ziele würden wohl alle Mitglieder ähnlich formulieren aber mit etwas unterschiedlichen Rezepten angehen.

Gl24: Das Thema Fachkräftemangel ist in vielen Branchen weiter sehr akut. Wie sehen Sie den Kanton als (Aus)Bildungskanton? Wo und wie besteht dringender Handlungsbedarf?

Emil Küng: Der Kanton macht viel, um allen Interessierten einen Zugang zu einer Ausbildung zu ermöglichen. Ich greife ein Beispiel heraus. Die Landsgemeinde hat entschieden, dass für das Bildungszentrum Gesundheit und Soziales am Standort Ziegelbrücke ein Neubau errichtet wird. Im Gesundheitsbereich herrscht Fachkräftemangel. Ich erhoffe mir, dass der Neubau in Ziegelbrücke den Beruf gefragter macht. Ausserdem ist es möglich, dass Ziegelbrücke wegen der guten Anbindung an den öV auch Lernende aus anderen Kantonen anzieht. Der Neubau kann ein Element sein, um dem Fachkräftemangel im Gesundheitsbereich zu begegnen.
Ich gebe aber gerne zu, dass ich kein Patentrezept gegen den Fachkräftemangel kenne, und die Situation ist in vielen Branchen eine riesige Herausforderung.

Gl24: Die geopolitische Lage hat sich in diesem Jahr eher verschlechtert als verbessert. Gerade aus den USA gelangt laufend mehr Unsicherheit nach Europa und in die Schweiz. Wie kann ein kleiner Kanton und auch die kantonale Politik darauf reagieren oder entgegenhalten?

Emil Küng: Wir können bestimmt nicht die verschiedenen schwierigen Situationen auf der ganzen Welt beeinflussen. Wir können aber darauf achten, dass wir nicht von allen möglichen Tendenzen erfasst und mitgerissen werden. Besonnenheit, Pflege eigener Stärken und Solidarität können nützlich sein, um auf die geopolitischen Tatsachen zu reagieren.

Gl24: Die finanzielle Lage im Kanton ist angespannt und die Regierung hat ein grosses Sparpaket geschnürt. Reicht das in Ihren Augen aus? Wo sehen Sie hier noch Handlungsbedarf? Auf der anderen Seite, wo darf und sollte nicht (noch mehr) gespart werden?

Emil Küng: Die meisten Leute wissen, dass sie sorgfältig mit den eigenen Finanzen umgehen müssen. Sie handeln danach, Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht zu halten. In besseren Zeiten geht diese Haltung gelegentlich verloren. Man leistet sich etwas mehr und hat danach Mühe, die Finanzen in Ordnung zu bringen.
Die Gemeinden im Kanton Glarus und der Kanton selbst sind nicht anders unterwegs. Fairerweise muss man zugeben, dass Ausgaben beim Kanton oder den Gemeinden auch einmal steigen, weil auf eidgenössischer Ebene neue Aufgaben beschlossen werden. Das Entlastungspaket ist ja erst ein bisschen geschnürt, denn die Beratungen im Landrat und bei einigen Fragen auch die Diskussionen dazu an der Landsgemeinde stehen ja noch an.
Grundsätzlich ist der sparsame Umgang mit den Mitteln ein tägliches Gebot. Vielleicht hilft es, das Augenmerk vor allem dort zu setzen, wo in der Vergangenheit ein überproportionales Kostenwachstum erfolgte.

gl24: Welche bedeutenden Themen sehen Sie sonst noch zentral für den Kanton Glarus; in der kurz- und mittelfristigen Zukunft?

Emil Küng: Wenn ich ein paar Stichwörter nennen darf: die Verkehrssituation ab Autobahn bis und mit Glarus, der Ausgleich unter den drei Gemeinden, der Ausbau der Infrastruktur in Abhängigkeit vom Bevölkerungswachstum und den Steuereinnahmen oder immer wieder Fragen zum Tourismus. Die Liste ist weder abschliessend noch gehen uns bald die Themen aus.

gl24: Wie sind Sie persönlich zur Politik und speziell zur SVP gekommen?

Emil Küng: Ich bin in einer Familie aufgewachsen, bei der Diskussionen zu politischen oder wirtschaftlichen Fragen in der Gemeinde oder Themen des Kantons dazu gehörten.
Die Eltern waren Kleingewerbler und auch ein Bezug zur Landwirtschaft fehlte nicht. Aus heutiger Sicht vielleicht das typische SVP-Umfeld. Über alles gesehen fühle ich mich in der SVP zu Hause. Gleichzeitig bin ich froh, dass man im Kanton Glarus weniger auf die Haltung einer Partei reduziert und dafür viel mehr als Person mit eigenen Meinungen und Haltungen gesehen wird.

gl24: Was möchten Sie am Schluss unseren Leserinnen und Lesern gerne noch persönlich mitteilen?

Emil Küng: Engagieren Sie sich in der Politik, bilden Sie sich Ihre Meinung auf der Grundlage von verschiedenen Informationen, nehmen Sie an Abstimmungen und Wahlen teil, besuchen Sie die Gemeindeversammlung und natürlich auch die Landsgemeinde.
Sorgen Sie damit dafür, dass politische Entscheide breit abgestützt sind.
Ich habe das Wort «Solidarität» oben schon einmal gebraucht. Die Teilnahme an politischen Abläufen und das Mittragen von Entscheiden ist ein wesentliches Element von gelebter Solidarität. Probieren Sie es aus!