Machen Sie das einem Kunstmaler mal klar, das funktioniert nicht! Solange die Ideen noch sprudeln und die dazu nötige Motorik eines Pinsels schwingen, des Spachtels führen oder anderer Methoden noch funktioniert, werden Leinwände bearbeitet. Ältere Bilder werden zum Neubemalen wieder zurechtgemacht, Höcker abgeschliffen oder zum Teil extra belassen. Ideen, die im Kopf des Künstlers schon lange auf die Ausführung warten, werden endlich vollzogen. Malen, spritzen, kratzen ist angesagt. Frau oder Mann fühlen sich einfach sauwohl in den ureigensten Farbenwolken, das Atelier ausfüllend. Gleichaltrige lehnen z.B. auf Fenstersimsen, beobachten und wissen dann alles über Nachbarn. Die täglichen Bänklisitzer rund um den Bahnhof und im Volksgarten haben es saustreng mit Nichts-tun und zum Teil gnadenlos saugend am Glimmstängel, obschon die Lungenflügel – eventuell nur noch einer – seit Jahren Mühe bekunden, Luft in den Körper vorantreibend. Der einstige Kuhmaler Walter Lehmann aus Glarus, Jahrgang 42, zeigt zurzeit eine Retrospektive seiner Werke ab 2016 im Zentrum für Integrative Onkologie, kurz ZIO, an der Schweizerhofstrasse 1 in Glarus (gegenüber dem Bahnhof, neben dem Hotel Glarnerhof). An seiner Vernissage vom 3. September stellte er seine 18 Bilder den Besuchern persönlich vor. Mit Quasipreisen sind die Bilder angeschrieben, denn Rabatte locken zu unverschämt günstigen Angeboten, die man mit dem Ausstellenden verhandeln kann. Ein ganzes Jahr hängen die Werke noch im ZIO. Der Künstler ist ab und zu vor Ort, auf Bestellung komme er gerne vorbei. Das ZIO ist keine Galerie im normalen Sinne. Beim Eintritt sind schon 5 Bilder zu entdecken. An der Rezeption fragt man, ob man die Bilder in den anderen Räumen anschauen kann. Geöffnet ist von Montag bis Donnerstag. Zur Zeit von Lehmanns Beenden der Kuhmalerei entstanden ganz eigenwillige Werke in allen möglichen Farben und Formen, kleinen und grösseren Formaten. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Originale zu diesen Preisen, die man ja selber weitgehend bestimmen kann, sind eher eine Ausnahme.




