Güggelhansä-Gadä, Bös-Wärbeli und Siechenloch

Rund 100 geladene Gäste erfuhren am Freitagabend, 25. September, im Hotel Richisau während einer stimmungsvollen Buchvernissage spannende Anekdoten aus der zehnjährigen Projektgeschichte der neuen Glarner Flurnamen-Bibel. Die Laudatoren Martin Beglinger, Andrea Bettiga, Andi Lienhard und Christian Marti stellten den einheimischen «Reichtum zwischen zwei Buchdeckeln» ins Zentrum ihrer Ansprachen.



Umfassendes Standard-Werk

Thomas Spälti, seine Mitautoren Peter Staub, Fritz Marti und Andi Lienhard sowie rund 30 Helfer und sog. «Gewährsleute» haben seit 2009 (!) umfangreiches Material zusammengetragen. Zwischen zwei Buchdeckeln und auf 300 Seiten Inhalt finden die Leser/-innen nun heraus, was als Flurnamen gilt, sie entdecken auf 75 Seiten illustrierendes Kartenmaterial und Fotos und auf weiteren 120 Seiten Flurnamen-Deutungen sowie auf 75 Seiten spannende Hintergrund-Geschichten zu den Glarner Flurnamen.

Anfangs eine einfache Karte mit Ortsnamen

Die Autoren Thomas Spälti und Peter Staub gaben spannende Anekdoten preis. Entstanden sei das das Buch aus der Idee, eine «Karte mit einer Ortsnamenliste oben links» zu gestalten. Daraus sei dann eine Broschüre, später eine dicke Broschüre mit einer längeren Namensliste und am Ende das heutige 330-Seiten umfassende Standard-Werk geworden. Peter Staub berichtete von seinen Abenteuern während der klassisch-händischen Geometer-Aufzeichnung des «würggli schtozigä» Pandurä-Wegs oder etwa der Rekognoszierung des Motorwegs zusammen mit seiner Familie. Mitautor Fritz Marti erwähnte, wie er beim Pensionierungs-Gespräch mit älteren Förstern jeweils noch herauszufinden versuchte, wo denn nun der «Schwiiohrä-Platz» das Bös-Wärbeli oder der «Ruoggis» hingehörten.

Besinnung auf Einheimisches

Andrea Bettiga betonte in seiner Ansprache, das 330-seitige Flurnamen-Buch sei in Zeiten von Pandemie, De-Globalisierung und in einer hektischen (Internet)-Welt ein Genuss. Für Gemeindepräsident Christian Marti verbindet das Werk nicht nur Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft, es fügt auch bildlich die neue Gemeinde Glarus zusammen.

Nur kurze Zeit Krisenzeiten

Dass das neue Flurnamen-Standardwerk überhaupt erschienen ist, habe mit der unternehmerischen Hartnäckigkeit von Autor Thomas Spälti zu tun, betonte Andi Lienhard. Sie hätten im Autoren-Team nur während weniger Tage Krisenstimmung gehabt. Das sei 2017 nach einer Absage des Kantons auf das Gesuch um Unterstützung der Fall gewesen. Die faszinierende Aufgabe und die Risikobereitschaft von Thomas Spälti, eine hohe Auflage auf eigenes Risiko zu finanzieren, habe allen Beteiligten sogleich wieder «dr Ärmel inägnuu» und für engagiertes Weitermachen motiviert.

«Aber das ist noch längst nicht alles»

Welcher Schwung nach dem Ende des Buchprojektes noch im Autorenteam steckt, offenbarte sich bei der Ansprache von Andi Lienhard. Da seien als nächste Schritte «Dorfterrassen mit Aussicht auf die Flurnamen-Orte» geplant. Drum herum könnten «Spazierschlaufen» und ein «interaktiver Themenweg» durch alle Gemeinden führen. Und auch eine «eLearning-Plattform mit Flurnamen-Coaching» lägen in der Projekt-Schublade. Den Gästen dürften neben diesen Zukunfts-Aussichten auf dem beinahe mystischen Herbsturm-Heimweg durch die ersten Schneeflocken hinunter ins Klöntal jedenfalls der «Hänggistei», die «Schwiiruus» und die «Beeri vum Näggeler» noch länger durch den Hinterkopf gespukt haben.

Informationen: www.flurnamen-glarus.ch