Hackbrett und Streicher in der Kirche Betschwanden

Es war schon eine besondere Sache, die der Kulturverein Glarus Süd und deren Präsidentin Ruth Tüscher für den Sonntag zum 1. Advent ankündigen durfte. In der gut besetzten Kirche Betschwanden gastierten das Neue Glarner Musikkollegium unter Leitung von Felix Schudel und der Solist Florin Grüter aus Zürich mit seinem Hackbrett. Und auf dem Programm standen unter anderem ein Konzert von Antonio Vivaldi und eine Originalkomposition von Paul Huber.




Das weckte Spannung und Vorfreude. Hackbrett und Vivaldi – wie soll das musikalisch vereinbar sein? Das Hackbrett kennt die Mehrheit als Instrument, das im Bereiche der Volksmusik verwendet wird und beispielsweise auf durchaus wertvolle, willkommene Art mit Trachten und Appenzellischem verbunden ist. Beim Hinhören in der festlich geschmückten Kirche wurde man eines Besseren belehrt. Vivaldi, Hackbrett und Streicherklänge vermögen sich wundersam und in virtuos ausgestalteter Fülle zu fügen, dank Kunstsinn, geschicktem Arrangieren des Solisten Florin Grüter und dessen grosser spielerischer Reife.

Nach dem herzlichen Willkomm durch Ruth Tüscher, deren Dank an den Siegristen fürs sorgsame Gestalten des Kirchenraumes und des Zugangs, klang die von Johann Stamitz (1717 – 1757) geschriebene Mannheimer Sinfonie für Streichorchester auf, festlich und stimmungsstark gespielt. Die Mitglieder des Neuen Glarner Musikkollegiums sind hervorragend aufeinander abgestimmt, ihre Spielkultur ist ausgereift, vermag viele Emotionen zu wecken. Es war so einladend, fröhlich, friedlich. Es machten sich Gemütlichkeit und innere Ruhe breit. Man liess sich von den riesig harmonischen Klängen gerne mittragen, eingebettet in Tänzerisches, dann wieder grosser Ruhe, in Vorwärtsdrängendes, einfach Unbeschwertes. Der Genussfaktor war dank Spielkunst und abwechslungsreichem Ausgestalten begrüssenswert hoch.

Vor der Interpretation des dreisätzigen Konzerts in a-Moll RV 356, op. Nr. 6 von Antonio Vivaldi (1678 – 1741), eigentlich für Solovioline und Orchester geschrieben, wies Felix Schudel auf die Spielkunst des Hackbrettspielers Florin Grüter und dessen Bearbeiten von bekannten, zuweilen klassischen Kompositionen hin. Man war gespannt, wie sich Hackbrett und Streicherklänge vermischen, wie sich die eigentlich dominierende Spielkunst des Solisten herauszuheben vermag. Von einem Experiment darf schon gar nicht geschrieben werden. Der subtile Klang des Hackbretts, die wechselnden Tempi, reizende Dynamik und stilvolles Gestalten waren überzeugend. Grüter setze Zäsuren in gar spannender Art, fügte sich in den Klang der Streicher ein. Es war ein kurzweiliges, adrettes Wechselspiel, willkommen stimmungsvoll. Orchester und Solist überzeugten.

Zu Bernard Schulé (1918 – 1996), einem gebürtigen Zürcher, und dessen Werk «Elégie pour cordes, op. 127» erfolgten einige wenige Informationen. Schulé lebte lange in Paris und kannte bedeutende Komponisten und Solisten in dieser Umgebung. Man wurde in neue, anfänglich vielleicht ungewohnte Klang- und Gestaltungswellen entführt – in gar moderater Art. Die Vielfalt des Ausgestaltens kam einem attraktiven Wechsel vieler Emotionen gleich, mit Ruhe, Stille, Ernsthaftigkeit.

Enorm spannend war das Hinhören bei der Interpretation des Konzerts für Hackbrett und Orchester (1994) des St. Galler Komponisten Paul Huber (1918 – 2001). Zu romantischen Klänge fügte sich unvermittelt Volkstümliches, keck, ansteckend fröhlich, wieder ausklingend um später wieder zum Tragen zu kommen. Dieses «Wechselbad» konnte man geniessen. Die Vermischung war ungemein spannend, kurzweilig, intensiv. Neben vornehmer Verhaltenheit standen der bodenständige Tanz; die überbordende, laute Fröhlichkeit. Das Zusammenspiel zwischen Streichern und Hackbrett war bewegend, weckte Freude, Anerkennung und Bewunderung.

Nach langem und herzlichem Applaus wurde man musikalisch erneut verwöhnt. Florin Grüter äusserte sich kurz zu Bedeutung und Geschichte des Hackbretts, bevor man mit zwei Zugaben nochmals verwöhnt wurde und damit ein vorweihnächtliches musikalisches Geschenk nach Hause tragen konnte.