«Hä …?» – Michel Gammenthaler zaubert, doziert, wirbelt

Wortreich, einher parlierend was das Zeug hält, die grosse Zuhörerschar schon fast überschwänglich begrüssend, riesig charmant, und mit einer überbordenden Menge an Erlebnissen, Erkenntnissen und Begegnungen, die behandelt sein wollen, steht der Comedian und Zauberer auf der Bühne der Kanti-Aula in Glarus.



Man spürt rasch, dass er riesig routiniert zu agieren versteht, dass er weiss, was ankommt, wie Heiterkeit geweckt sein will. Das kostet er genüsslich aus, reiht zuweilen einen Heiterkeitsfaktor an den andern, ist liebenswürdiger «Hansdampf in allen Gassen». Er greift auf, was die Massen bewegt. Er konfrontiert mit vielem, was man längst weiss, auch schon erlebt hat, aber nicht «a la manière de Gammenthaler». Er ist unnachahmlich wortgewandt, keck, gestenreich, mit riesigem Tempo unterwegs. Halt macht er vor fast nichts; er thematisiert, was nach seiner Meinung und Erfahrung für gute Stimmung und Lacher taugt. Das mag einige dann betroffen machen, wenn es einst Teil des eigenen Lebens und in solchen Momenten gar nicht lustig war. Gammenthaler nimmt das wohl in Kauf. Kaum einmal äussert er sich abschätzig, negativ wertend oder jemanden blossstellend. Auf einem zuweilen schmalen Grat bewegt er sich ungemein geschickt, geschmeidig, klug agierend.

Mit der Begrüssung erlebt man schon mal, zu welchem Segment man gehört. Es fallen Begriffe wie langlebig, alt, langweilig, jung, interessant, fröhlich, griesgrämig. Gammenthaler zeigt auf, dass er schon früh Zauberer – und nur das – werden wollte. Er könne locker mit allem zaubern. Er beweist das unter Zuhilfenahme von Becher, Bällchen, Zitrone, Orange und anderem; mit jenem magischen Tempo, dass bei allen Laien Staunen und Verblüffung auslöst. Seine Überraschungs- und Überredungskünste sind Teile des unbestritten grossen, seine Bühnenjahre prägenden Erfolges. Man vernimmt beispielsweise etwas über weisse Eulen, Effektkategorien, Verwandlungen, Kommunikationsformen aller Art samt deren Auswirkungen. Er schöpft wahrlich aus dem Vollen, ist bewegend munter, witzig, zuweilen liebenswürdig übertreibend, immer dem Lacheffekt verpflichtet. Er spielt mit Situationen, hat eine wahre Fülle an derartigen Momenten bereit. Er versteht das Verweben in meisterhafter Weise, braut Wortgebilde aus zahlreichen Fakten zusammen, auch da wird es magisch. Und hat man sich mit irgendeiner der vielen Halb- oder Ganztatsachen arrangiert, folgt schon die nächste kleine Flutwelle.

Man kommt nicht draus, wie sich eine entschwebende Seite in einem aus weissen, unbeschriebenen und durchnummerierten Blättern bestehenden Buch eingliedert oder wie Wörter aus einem anderen Buch via Gedankenübertragung auf einem Karton erscheinen.  Man versteht, weshalb Frauen dann übersinnlicher sind, wenn ihnen der quirlige Zauberer nachhaltigst hilft. Gammenthaler bezieht sein Publikum mit ein, mit allemal amüsanten Effekten.

Er redet übers Kiffen, Esoterisches, über geistigen Mischkonsum, Sternzeichen, Chronologien, Essgewohnheiten, Aberglaube, Lesegewohnheiten, Buchinhalte samt verfänglichen Buchtiteln. Er zelebriert ein Tarot – Ritual, ist Hellseher, meditiert ein klein wenig. Mit ihm fragt man sich, wie wirklich denn die Wirklichkeit ist. Das weiss nun echt niemand. Mit derart Vorgegebenem lässt sich dann spielen, wenn man kreativ genug zu denken und auszuformulieren weiss. Gammenthaler reiht mühelos ein Beispiel ans andere, entstamme es nun seiner eigens aufgebauten Bibliothek oder einst Erlebtem. Da wächst Situationskomik in beneidenswert üppigsten Formen. Er zeigt beispielsweise auf, was an einem Geldautomaten in irgendeinem städtischen Parkhaus oder im Verlaufe wiederkehrender Fragerein bei Verkehrskontrollen beziehungsweise am Morgenbuffet im Hotel abgehen kann.

Und ganz am Schluss wird auf Vergangenes, beim Ausgang erhältliche DVDs und das zukünftige Programm hingewiesen – und dann ist es vorbei mit allen anregenden Munterkeiten.